heulen um den Freund , zu der Ruhe kommen würden , ohne gerade so ein Ausbund von aller Tugend zu sein als er , und daß es wohl noch ein anderes Motiv geben müsse , tugendhaft zu sein , als gerade die Sehnsucht nach dieser Ruhe , indessen ist das nur solch ein Gedanke , den ich euch zu fernerer Bearbeitung überlasse . - Soeben wollte ich euch ans Herz legen , euer ganzes Leben vorzüglich dazu anzuwenden , um so schön sterben zu lernen als Freund Muzius , indessen will ich es lieber nicht tun , da ihr mir so manches Bedenkliche entgegensetzen könntet . Ich meine nämlich , daß ihr mir einwenden dürftet , der Verewigte hätte auch lernen sollen , behutsam zu sein und Fuchseisen zu vermeiden , um nicht zu sterben vor der Zeit . Dann gedenke ich aber auch , wie ein sehr junger Katerknabe auf gleiche Ermahnung des Lehrers , daß der Kater sein ganzes Leben darauf verwenden müsse , um sterben zu lernen , schnippisch genug erwiderte , es könne doch so gar schwer nicht sein , da es jedem gelinge aufs erste Mal ! - Laßt uns jetzt , hochbetrübte Jünglinge , einige Augenblicke stiller Betrachtung widmen ! « - ( Hinzmann schwieg und fuhr sich wiederum mit der rechten Pfote über Ohren und Gesicht , dann schien er in tiefes Nachdenken zu versinken , indem er die Augen fest zudrückte . Endlich , als es zu lange währte , stieß ihn der Senior Puff an und sprach leise : » Hinzmann , ich glaube gar , du bist eingeschlafen . Mache nur , daß du fertig wirst mit deinem Sermon , denn wir verspüren alle einen desperaten Hunger . « Hinzmann fuhr in die Höhe , setzte sich wieder in die zierliche Rednerstellung und sprach weiter . ) » Teuerste Brüder ! - ich hoffte noch zu einigen erhabenen Gedanken zu gelangen und gegenwärtige Standrede glänzend zu schließen , es ist mir aber gar nichts eingefallen , ich glaube , der große Schmerz , den ich zu empfinden mich bemüht , hat mich ein wenig stupid gemacht . Laßt uns daher meine Rede , der ihr den vollkommensten Beifall nicht versagen könnet , für geschlossen annehmen und jetzt das gewöhnliche De oder Ex profundis anstimmen ! « - So endete der artige Katerjüngling seinen Trauersermon , der mir zwar in rhetorischer Hinsicht wohl geordnet und von guter Wirkung zu sein schien , an dem ich aber doch manches auszusetzen fand . Mir kam es nämlich vor , daß Hinzmann gesprochen , mehr um ein glänzendes Rednertalent zu zeigen , als den armen Muzius noch zu ehren nach seinem betrübten Hinscheiden . Alles , was er gesagt , paßte gar nicht recht auf den Freund Muzius , der ein einfacher , schlichter , gerader Kater und , ich hatte es ja wohl recht erfahren , eine treue gutmütige Seele gewesen . Überdem war auch das Lob , das Hinzmann gespendet , von zweideutiger Art , so daß mir eigentlich die Rede hinterher mißfiel und ich während des Vortrags bloß durch die Anmut des Redners und durch seine in der Tat ausdrucksvolle Deklamation bestochen worden . Auch der Senior Puff schien meiner Meinung zu sein ; wir wechselten Blicke , die , Hinzmanns Rede betreffend , von unserm Einverständnis zeugten . Dem Schluß der Rede gemäß stimmten wir ein » De profundis « an , das womöglich noch viel jämmerlicher , viel herzzerschneidender klang als das entsetzliche Grabeslied vor der Rede . - Es ist bekannt , daß die Sänger von unserm Geschlecht den Ausdruck des tiefsten Wehs , des trostlosesten Jammers , mag nun die Klage wegen zu sehnsüchtiger oder verschmähter Liebe oder um einen geliebten Verstorbenen ertönen , ganz vorzüglich in der Gewalt haben , so daß selbst der kalte gefühllose Mensch von Gesängen solcher Art tief durchdrungen wird und der gepreßten Brust nur Luft zu machen vermag durch seltsames Fluchen . - Als das » De profundis « geendigt , hoben wir die Leiche des verewigten Bruders auf und senkten sie in ein tiefes , in einer Ecke des Kellers befindliches Grab . In diesem Augenblick begab sich aber das Unerwartetste und zugleich anmutig Rührendste der ganzen Totenfeier . Drei Katzenmädchen , schön wie der Tag , hüpften heran und streuten Kartoffel- und Petersilienkraut , das sie im Keller gepflückt , in das offne Grab , während eine ältere ein einfaches herziges Lied dazu sang . Die Melodie war mir bekannt , irre ich nicht , so fängt der Originaltext des Liedes , dem die Stimme untergeschoben , mit den Worten an : » O Tannenbaum ! o Tannenbaum ! « u.s.w. Es waren , wie mir der Senior Puff ins Ohr sagte , die Töchter des verstorbenen Muzius , die auf diese Weise des Vaters Trauerfest mit begingen . Nicht das Auge abwenden konnte ich von der Sängerin ; sie war allerliebst , der Ton ihrer süßen Stimme , selbst das Rührende , tief Empfundene in der Melodie des Trauerliedes riß mich hin ganz und gar ; ich konnte mich der Tränen nicht enthalten . Doch der Schmerz , der mir sie auspreßte , war von ganz besonderer seltsamer Art , da er mir das süßeste Wohlbehagen erregte . Daß ich es nur geradezu heraussage ! - Mein ganzes Herz neigte sich der Sängerin hin , es war mir , als habe ich nie eine Katzenjungfrau erblickt von dieser Anmut , von diesem Adel in Haltung und Blick , von dieser siegenden Schönheit . - Das Grab wurde mit Mühe von vier rüstigen Katern , die so viel Sand und Erde herankratzten , als nur möglich , gefüllt , die Beerdigung war vorbei , und wir gingen zu Tische . Muzius ' schöne liebliche Töchter wollten sich entfernen , das litten wir jedoch nicht , sie mußten vielmehr teilnehmen am Trauermahl , und ich wußte es so geschickt anzufangen , daß ich die Schönste zur Tafel führte und mich