zu hart ; und so wandte er sich in der Hoffnung , daß sie es ganz abweisen werde , zu seiner Frau : » Was rätst du mir , Anna , soll ich in die Welt ziehen und im Kriege mein Glück versuchen ? « - » In Gottes Namen , Anton « , erwiderte sie ; » hier in Frieden hast du nichts getan , als uns arm und elend zu machen , vielleicht geht dein Glück im Kriege auf ; meines Vaters Bruder wurde ein reicher Mann durch einen Kriegszug ; wo sollte ich dir jetzt Zehrung schaffen . « Mit einem Schauder überlief Anton diese kalte Abfertigung von seiner Frau ; es fiel ihm unwillkürlich ein , wie an dem Tage das Bild am Giebel ausgewischt worden . » Nun « , so sagte er zitternd , » soll es geschieden sein , so sei es schnell ; mein Kind will ich nur einmal noch herzen , aber aus dem Schlafe möcht ich es nicht aufstören . « » An mir liegt dir wohl nichts « , sagte die Frau ; » ich glaube , du könntest mich verlassen und wüßtest nicht , ob du mich in Zeit und Ewigkeit wiedersehen würdest , aber darum gäbst du mir kein gutes Wort zum Abschiede ; habe ich das um dich verdient , hast du mich darum um Gut und Ehre gebracht ? « » Kommt in einer Stunde vorbei , Seger « , sagte Anton ; » die Stunde muß noch vom Kriegszuge abgehen ; die Nacht ist lang , und ehe es tagt , sind wir weit genug zu unsrer Sicherheit . « » Keine Viertelstunde dürfen wir warten « , sagte Seger , » sonst sind die Tore geschlossen , jetzt geht ' s noch in der Unordnung so aus und ein ; was habt ihr euch noch zu sagen , ihr hättet ' s einander lange sagen können , am Ende fangt ihr doch nur an , euch zu zanken ; fallt nicht in Liebestorheit in solcher Blutzeit , küßt euch übers Jahr , wenn die Kriegsbeute im Hause floriert . « Er hatte nicht nötig ihnen das Küssen mit seinen Worten zu verleiden , in seiner Gegenwart war ihnen alle Lebenswärme abgeleitet . Anton schlug Licht ; doch wie ihn kein Unglück um seine Lebenslust bringen konnte , so bat er seine Frau , ihnen aufzutischen , was die Bilderstürmer übrig gelassen . Sie brachte ein Brot und einen Krug Wein ; Anton nahm den Krug , setzte ihn an ihren Mund , sie mußte einen guten Zug tun ; dann trank er an der Stelle , schenkte auch den beiden Kindern und gab dann das übrige dem Waffenbruder . Das Brot steckte er in seinen Reisesack , dann holte er seine Muskete und seinen Degen , hieb mit dem Degen Pinsel und Paletten zusammen , die im Winkel standen , schluchzte , daß er nicht sprechen konnte , küßte Kinder und Frau , die ihm nachrief : » Sei mir treu , Anton ; wenn du wiederkommst , sollst du den Lohn dafür empfangen ; behüte dich Gott und unsre liebe Frau im Himmel . « - » Fort « , sagte Seger und trieb ihn wie ein Würgengel vor sich hin ; Anton aber klang es in den Ohren : » Ach ihr Berg und tiefe , tiefe Tal , so sah ich meinen Schatz zum letztenmal , zum letztenmal und hab sie nicht geherzt , das schmerzt . « Anton ging still vor sich hin ; Seger machte im Walde den Raubvögeln nach , die auf Buhlschaft zogen ; es schien ihm recht wohl , und Anton , der in seiner derben Natur viel verschmerzen konnte , hörte seinen Erzählungen von Liebesabenteuern mit ganzer Aufmerksamkeit zu . Bis Augsburg reichten beide mit dem Gelde , das Sixt noch in seiner Tasche geführt hatte ; als sie die reiche Stadt vor sich sahen , da ging diesem das Herz auf : » Da werden wir auch keine Not leiden . « Gleich am Tore erkundigte sich Seger nach der Wohnung Sebastian Schärtlins von Burtenbach , der dort Landsknechte gegen Frankreich warb . Ein bärtiger Landsknecht mit weiten Pluderhosen , der da auf Werbung lauerte , sah sie an : » St. Veit « , sagte er , » ihr seid gute Kerle , ich muß euch gleich zum Obersten führen , der wird große Freude über euch haben , wir wollen die Franzosen diesmal dengeln . « So kamen sie vor das große Haus Schärtlins am Markte , aus welchem eine große gelbe Fahne mit schwarzen Doppeladlern flatterte ; viele Landsknechte standen davor , überzählten Geld und sprachen von ihren Kriegszügen . Seger trat voran ins Haus , Anton folgte ; da fanden sie Schärtlin , einen Mann von stattlichem Ansehen , langen schwarzen Bartes , langen Oberleibes , wie er auf einem rotgepolsterten Sitze neben einem Tische saß , an welchem geschrieben wurde . Er grüßte freundlich mit dem Kopfe , sah aber mehr auf Anton , denn auf Seger . » Grüß euch Gott « , sprach er , » ich meine euch schon gesehen zu haben , woher des Weges ? « - » Herr « , sprach Seger , » wir sind beide aus Waiblingen , mich könnt Ihr wohl gesehen haben , denn ich stand nicht weit von Euch , als wir Rom stürmten . « - Schärtlin sah ihn an : » Je , seid Ihr ' s , Seger , hab Euch seitdem nicht wiedergesehen , wo waret Ihr so lange , War der Große da auch dabei ? « - » Nein , Herr « , sagte Anton , » noch habe ich keinen Kriegszug mitgemacht . « » Das hätt ich Euch nicht angesehen « , sagte Schärtlin , » Ihr scheint mir ein recht versuchter Geselle . Ja , Seger , bei Rom ging ' s uns gut , da haben wir