, sondern weil ichs selber fühle . Indes werd ich nächstens in meinen Vorlesungen über die Kunst , gehalten in der Leipziger Ostermesse 180439erweisen , erstlich daß ( was man ja sieht ) und zweitens warum der Epiker ( in wessen Gebiet dieses Werk doch zu rubrizieren ist ) unendlich lang werde und nur mit dem langen Hebels-Arme den Menschen bewege , anstatt daß der Lyrikus mit dem kurzen gewaltig arbeitet . Ein epischer Tag hat , wie der Reichstag , kaum einen Abend , geschweige einen Garaus ; und wie lang Goethes » Dorothea « , die nur einen Tag einnimmt , ist , weiß jeder Deutsche ; der Reichsanzeiger würde eine bloße prosaische Geschichte dieser poetischen Geschichte in den Flächenraum einer Buchhändler-Anzeige einzupressen vermögen . Auch dürfte ein verehrlicher Magistrat noch bedenken , daß die Autoren gleich gespannten Saiten - welche oben und unten , Anfangs und Endes sehr hoch klingen und nur in der Mitte ordentlich - ebenso im Eingange und nachher im Ausgange eines Werkes die weitesten und höchsten Sprünge machen ( die immer Platz einnehmen ) , um sich teils zu zeigen , teils zu empfehlen , in der Mitte aber kurz und gut zu Werke gehen . Sogar diesen Dreiband hab ' ich mit Briefen an Testaments-Exekutoren begonnen und beschlossen , um nur zu schimmern . Ich hoffe von den mittlern Bänden der Flegeljahre das Beste , nämlich lyrische Verkürzungen , worin meines Wissens Michelangelo ein wahrer Meister ist . Der zweite Punkt ist noch verdrüßlicher , weil er die Rezensenten betrifft . Es wird ihnen allen , weiß ich , so schwer werden , sich alles feinen und groben , schon aus dem Titel Flegeljahre geschöpften und abgerahmten Spaßes gegen mich zu erwehren , als es mir wirklich selber , sogar in einem offiziellen Schreiben an verehrliche Exekutoren , sauer ankommt , solchen Personen mit keinen versteckten Retorsionen und Antizipationen des Titels entgegenzugehen . Doch das ließe vielleicht sich hören , wenigstens machen - und durch eine Grobheit wird leicht eine zweite fast zu einer Höflichkeit - Allein , verehrte Väter der Stadt , wie der Vorstädte , man packt Sie an , man fängt mit der Exekution bei den Exekutoren den Prozeß an . » Allgemein « , schreibt man mir sehr kürzlich aus Haßlau , Weimar , Jena , Berlin , Leipzig , » wundert und ärgert man sich hier , daß die Exekutoren des Kabelschen Testaments gerade Dir ( Ihnen ) die Biographie des Notarius , die nach der testatorischen Klausel ja ebensogut Richardson , Gellerren , Wielanden , Scarron , Hermesen , Marmonteln , Goethen , Lafontainen , Spießen , Voltairen , Klingern , Nikolain , Mds . Staël und Mereau , Schillern , Dyken , Tiecken usw. aufgetragen werden konnte , eben Dir ( Ihnen ) zugewandt und das herrliche Naturalien-Kabinett dazu , das viele schon besehen . Freunde und Feinde benannter Autoren wollen - Dich ( Sie ) ohnehin - den Haßlauer Magistrat in Journalen verdammt her untersetzen und heimschicken . Doch bitt ' ich Dich ( Sie ) , mich nicht zu nennen . Ein künftiger Rezensent schwur hoch : er wolle nicht ehrlich sein , wenn er ehrlich bleibe bei so bewandten Umständen . « Hiergegen lässet sich nie etwas machen , ausgenommen Antikritiken , die aber ins Unendliche gehen ; denn ein Hund billt das Echo an ; es tritt der alte Zyklus von Jücken und Kratzen und von Kratzen und Jücken ein . Das sind aber böse Historien ; und der Autor leidet dabei unsäglich ; er hat immer einen Namen zu verlieren , und nur der Rezensent einen zu gewinnen ; er lobt sich überhaupt das Lob und feiert so ungern nach seinem Namenstage noch einen Ekelnamens-Tag . Es ist ihm terribel und so unangenehm als irgend etwas , daß das deutsche Publikum von seinen Autoren , wie das englische von seinen Bären , wünscht , sie nicht nur tanzen , sondern auch gehetzt zu sehen . Ein jeder Autor hat doch - oder solls haben - so viel Stolz als irgendein Peha oder Tezet oder Iks oder ein anderer Kapital-Letter von Klopstock in dessen grammatikalischen Gesprächen , besonders da er ja der Chef dieser aufgeblasenen XXIIer Union oder dieser grande Bande des 24 Violons ou les vingt-quatre ist , die er in Glieder stellt auf dem Papier , wie er nur will . Allerdings gäb ' es ein gutes Mittel und Projekt dagegen , hochedler Stadtrat , wenn es angenommen würde . Hundertmal hab ' ich gedacht : könnte nicht eine Kompanie wackerer Autoren von einerlei Grundsätzen und Lorbeerkränzen zusammentreten und soviel aufbringen , daß sie sich ihren eignen Rezensenten hielten , ihn studieren ließen und salarierten , aber unter der Bedingung , daß der Kerl nur allein seine Brotherren öffentlich in den gangbaren Zeitungen streng , aber unparteiisch und nach den wenigen ästhetischen Grundsätzen beurteilte , die ein solcher Famulant und Valet de Fantaisie haben und behalten kann ? - Wenn sich eine solche Ordonnanz sozusagen in seiner Chefsmanier einschlösse , nichts weiter triebe und wüßte : sollte sie sich nicht niedersetzen und hinschreiben können : » Da und da , so und so ist die Sache ; und wers leugnet , ist so gewiß ein Vieh als ein Affe . « - Einigermaßen , verehrlicher Stadtrat , hab ' ich einen Anschlag ; und er betrifft eben den jungen Mann , der Ihnen die Flegeljahre persönlich überbringt . Der Mensch heißt eigentlich Schuster , hat aber den dumpfen Namen durch ein Strichelchen mehr in den hellern Sehuster umgeprägt . Anfänglich stößet er vielleicht einen wohlweisen Rat etwas ab durch sein Äußeres , durch den verworren-grimmigen Blick , Schweden- und Igelkopf , greulichen Backenbart und durch die Ähnlichkeiten , die er mit sogenannten Grobianen gemein hat . Heimlich aber ist er höflich , und er hat überhaupt seine Menschen , die er veneriert . Ich mochte diesen Schuster etwa 14 Tage , nachdem er sein Gymnasium als ein scheuer stiller