unbekleidet , nicht einmal Spangen oder Perlenschnüre schmückten ihre zierlich , aber noch kindlich geformten Arme oder den schlanken Hals . Dagegen hatte sie , zum Zeichen der Trauer , ihre runden Schultern mit befeuchteter Asche bestrichen , und die Zierrathen , welche ursprünglich an ihrem feuerfarbigen , von den Hüften niederfallenden Rock befestigt gewesen , zum größten Theil abgerissen und den beiden Leichnamen auf die Brust gelegt . Als die Zeitwände niedersanken und das volle Tageslicht zu der trauernden Waise hineindrang , blickte sie flüchtig zu mir empor ; dann aber ihre großen , thränenlosen Augen wieder auf die entstellten Züge ihrer todten Angehörigen richtend , fuhr sie fort , ihre Klagen über dieselben hinzusingen . » Ueberlasse meine Tochter die Todten den Todten , und begleite sie mich dahin , wo die böse Krankheit ihr nicht mehr droht , « redete ich das arme Kind endlich in der Sioux-Sprache an , nachdem ich es eine Weile mit dem innigsten Mitleiden betrachtet hatte . Die Indianerin schüttelte statt der Antwort leise den Kopf , und dann die Hände zu mir erhebend , verdeutlichte sie mir durch Zeichen , ich möge mich entfernen , wenn ich nicht ebenfalls sterben wolle . Anfänglich glaubte ich , sie habe mich nicht verstanden , und durch einen Stoß die Zeltstützen sammt dem Rest der Lederwände entfernend , trat ich dicht zu ihr heran . Freundlich und zutraulich legte ich meine Hand auf ihr Haupt , wodurch ich sie veranlaßte , zu mir emporzuschauen , und als ich dann annehmen durfte , daß sie mir die entsprechende Aufmerksamkeit zuwende , wiederholte ich meine Aufforderung noch einmal durch Zeichen . » Meine Mutter , der Bruder meiner Mutter , « entgegnete sie nunmehr in der Sioux-Sprache , auf die beiden Leichen weisend , und dann setzte sie ihren schwermüthigen Gesang wieder fort . Offenbar glaubte sie , es bedürfe nur dieser Worte , um mich zu überzeugen , daß sie sich nicht entfernen dürfe und an der Seite ihrer wahrscheinlich einzigen und letzten Angehörigen sterben wolle . » Meine Tochter muß sich von ihrer Mutter trennen , « sagte ich jetzt wieder , » sie kann ihr nicht folgen auf dem Pfade nach den glückseligen Jagdgefilden . Ihre Mutter hat bereits einen Begleiter , ihr Bruder wird sie sicher führen . « » Alle sind von mir gewichen , ich bin die Letzte , « erwiderte die junge Waise mit einer leichten Handbewegung nach den übrigen Zelten ; » ich will ihnen folgen , ich will auf die Krankheit warten . « » Meine Tochter kann warten , bis der Hunger ihr die Augen zudrückt , aber die Krankheit wird ihr fern bleiben , « fuhr ich fort ; » die Krankheit wendet meiner Tochter den Rücken , meine Tochter ist ihr zu jung . « » Sie nahm Kinder von den Annen der Mütter , sie nahm Leute mit Schnee in den Haaren , « sagte das Mädchen kaum verständlich vor sich hin . » Hat sie denn alle Bewohner dieser Wigwams fortgerafft ? « fragte ich weiter , um sie zum Erzählen zu bewegen und dadurch auf andere Gedanken zu bringen . » Alle , Alle , nur ich bin zurückgeblieben . « » Zu welchem Stamme gehört meine Tochter ? Ihre Hautfarbe ist lichter , als die ihrer Mutter dort , und ihre Haare sind gelockt , wie die Schweiffedern der wilden Ente . « » Dies sind die Wigwams der Mandanen , und ich bin die Letzte . Mein Vater war ein großer Zauberer ; ich habe ihn nicht gesehen ; sein haar war aber lockig , wie die Mähne des jungen Bisons , und seine Haut hell , wie Mondschein . Seine Feinde schleppten ihn fort zum Marterpfahl , als meine Füße noch zu schwach zum Gehen waren . « » Armes Wesen , « sprach ich sinnend vor mich hin . Die Indianerin schaute fragend zu mir empor , sie hatte meine Aeußerung nicht begriffen . Meine Blicke fielen wieder auf die grausigen Leichen und fast krampfhaft ergriff ich des Mädchens Hand , um es mit Gewalt aus der gefährlichen Nachbarschaft zu entfernen . » Komm , meine Tochter , « sagte ich dringend und bedauernd , daß mir nur eine beschränkte Anzahl von Sioux-Worten zu Gebot stand , » komm mit mir , ich will Dein Vater und Deine Mutter sein , ich will Dich zu guten , weißen Menschen führen . « » Tödte mich , « flehte das Mädchen mit unaussprechlich rührendem Ausdruck , » bleicher Mann tödte mich , daß ich sie einhole auf der weiten Wanderung ; ich bin die Letzte der Mandanen und kann nicht zurückbleiben . « Ich sah ein , daß , so langt ihre Angehörigen sich noch in ihrem Gesichtskreis befanden , alle meine Mühe , sie fortzubringen , sich als vergeblich ausweisen würde . Rathlos und zugleich besorgt blickte ich umher . Da fiel mir auf , daß die übrigen Opfer der Krankheit verschwunden waren ; dieselben mußten also auf die eine oder andere Art entfernt worden sein . » Weiß meine Tochter , wo die Leiber der Gestorbenen geblieben sind ? « fragte ich sodann , indem ich auf die andern Zelte deutete . » Dort , « antwortete das Mädchen , auf den nahen Strom weisend . » Weiß meine Tochter , wer sie von dem Ufer in die Wellen hinabstieß ? Meine Tochter ist schwach , sie kann es nicht gethan haben . « Einen Augenblick sann das arme Kind darüber nach , was ich wohl mit meiner Frage gemeint haben könne . Dann aber erweiterten sich ihre schwarzen Augen , und große Thränen rollten ihr über die abgehärmten Wangen . » Die Mutter gab dem Wasser ihr krankes Kind und sprang ihm nach ; die Hanken Söhne stürzten sich mit ihrem tobten Vater hinab ; Alle , Alle liegen sie auf dem Boden des großen Flusses ; sie sind gesund ; sie fühlen leine Schmerzen