Scenen : kurzum , sie improvisierte an diesem Tage einen ganzen Band Novellen aus dem fashionablen Leben , zu meiner Unterhaltung . Täglich machte sie mir neue Mitteilungen , wenn sie auch stets von demselben Thema handelten – von ihr , ihrer Liebe und ihrem Schmerz . Es war seltsam , daß sie niemals mit einer Silbe der schweren Krankheit ihrer Mutter , des fürchterlichen Todes ihres Bruders und des augenblicklichen traurigen Zustandes der Familienangelegenheiten erwähnte . – Ihr Gemüt schien sich nur mit der Erinnerung an entschwundenes Glück und der Hoffnung auf künftige Zerstreuungen zu beschäftigen . Jeden Tag brachte sie ungefähr fünf Minuten in dem Krankenzimmer ihrer Mutter zu , das war alles . Eliza sprach noch immer sehr wenig ; augenscheinlich hatte sie keine Zeit für die Unterhaltung , Ich habe niemals eine geschäftigere Person gesehen , als sie zu sein schien . Und doch wäre es schwer gewesen zu sagen , was sie eigentlich that , oder vielmehr , irgend ein Resultat ihrer Geschäftigkeit zu entdecken . Sie hatte eine Weckuhr , die sie täglich früh wecken mußte . Ich weiß nicht , womit sie sich vor dem Frühstück beschäftigte ; nach demselben hatte sie ihre Zeit indessen in regelmäßige Teile geteilt , und jede Stunde hatte die ihr zugeschriebene Arbeit . Dreimal am Tage studierte sie ein kleines Buch , welches sich nach einer genaueren Besichtigung meinerseits als das » allgemeine Gebetbuch « erwies . Ich fragte sie einmal , worin die große Anziehungskraft dieses Buches für sie liege , und sie entgegnete mir : In der Liturgie . Drei Stunden widmete sie der Beschäftigung , mit Goldfäden den Rand eines viereckigen Tuchstücks zu besticken , welches für einen Teppich beinahe groß genug gewesen wäre . Auf meine Frage in Bezug auf die Verwendung dieses Gegenstandes sagte sie mir , daß es eine Altardecke für eine Kirche sei , welche vor kurzem in der Nähe von Gateshead erbaut worden war . Zwei Stunden widmete sie ihrem Tagebuche ; zwei weitere arbeitete sie allein im Küchengarten ; eine brauchte sie für die Regelung ihrer Rechnungen und Bücher . Sie schien keiner Gesellschaft , keines Verkehrs , keiner Unterhaltung zu bedürfen . Ich glaube , daß sie auf ihre Weise sehr glücklich war ; dieser sich täglich wiederholende Schlendrian genügte ihr ; und nichts verursachte ihr größeren Ärger , als wenn irgend ein Umstand eintrat , welcher sie zwang , die peinliche Regelmäßigkeit ihrer Arbeiten abzuändern . Eines Abends , als sie mehr zur Mitteilsamkeit geneigt war als gewöhnlich , sagte sie mir , daß Johns Aufführung und der drohende Ruin ihrer Familie eine Quelle tiefen und nagenden Kummers für sie gewesen seien , jetzt aber habe ihr Gemüt sich beruhigt und ihr Entschluß sei gefaßt . Ihr eigenes Vermögen zu sichern habe sie Sorge getragen , und wenn ihre Mutter stürbe – denn es sei durchaus unwahrscheinlich , daß sie jemals wieder genesen oder daß es noch lange mit ihr dauern könne , bemerkte sie sehr ruhig – so würde sie einen lange gehegten Plan ausführen : dort eine Zuflucht suchen , wo pünktliche Gewohnheiten vor fortwährender Störung gesichert seien , und zwischen sich und der gottlosen Welt eine mächtige Scheidewand aufrichten . Ich fragte , ob Georgina sie begleiten würde . Nein , natürlich nicht . Sie und Georgina hätten nichts miteinander gemein , hätten auch niemals die gleichen Interessen verfolgt . Unter keinen Umständen würde sie sich die Last ihrer Gesellschaft auferlegen . Georgina solle nur ihren eigenen Weg gehen ; sie , Eliza , würde den ihrigen finden . Wenn Georgina mir nicht gerade ihr Herz ausschüttete , so brachte sie fast ihre ganze Zeit auf dem Sofa zu , klagte und jammerte über die Düsterkeit des Hauses und wiederholte unaufhörlich den Wunsch , daß ihre Tante Gibson sie einladen möchte , mit ihr nach London zu gehen . » Es wäre so viel besser , « pflegte sie zu sagen , » wenn ich auf ein oder zwei Monate fort könnte , bis alles vorüber ist . « Ich fragte sie nicht , was sie mit dem » alles vorüber « meinte , aber ich vermutete , daß es sich auf den erwarteten Tod ihrer Mutter bezog und auf den düsteren , darauf folgenden Begräbnisritus . Eliza nahm von der Indolenz und den Klagen ihrer Schwester nicht mehr Notiz , als wenn solch ein murmelndes , stöhnendes , träges Geschöpf gar nicht in ihrer Nähe gewesen wäre . Eines Tages jedoch , als sie ihr Rechnungsbuch beiseite legte und ihre Stickerei zur Hand nahm , fing sie plötzlich an , ihr folgendermaßen die Wahrheit zu sagen . » Georgina , ein dümmeres , eitleres und alberneres Tier als du hat sicherlich niemals auf Erden gewandelt . Du hattest nicht einmal das Recht geboren zu werden , denn du weißt keinen Nutzen aus dem Leben zu ziehen . Anstatt für dich , mit und in dir zu leben , wie jedes vernünftige Wesen es thun sollte , suchst du nur , dich mit deiner Schwäche auf die Kraft anderer zu lehnen . Und wenn du niemand findest , der willig ist , sich mit einem so fetten , aufgedunsenen , nutzlosen , schwächlichen Ding belasten zu lassen , so schreist und jammerst du , daß du vernachlässigt , elend und mißhandelt bist ! Für dich soll das Dasein einen immerwährenden Wechsel und ewige Aufregung bringen , sonst nennst du die Welt ein Gefängnis . Du mußt bewundert werden , man soll dir schmeicheln , du willst , daß man dir den Hof macht – du verlangst Musik , Tanz und Gesellschaft – oder du verschmachtest und stirbst . Hast du denn nicht soviel Verstand , daß du ein System erfinden kannst , das dich unabhängig macht von allen anderen Anstrengungen , jedem anderen Willen als dem deinen ? Nimm dir doch den Tag ; teile ihn in Sektionen ein ; jeder Sektion weise ihre Aufgabe an ; laß nirgend verlorene Viertelstunden , zehn