Es ist ja nur , Herr Ritter , weil wir bei den vielen Feinden , die uns erstanden sind , einen Schlupfwinkel haben möchten . « - » Ich verrate nichts « , versicherte Zetteritz . Seufzend stund ich da ; doch dieser Seufzer machte leichter mein Herz . » Ich danke dir , Zetteritz , und sinnen will ich , ob ich nicht das Rechte finde für uns alle . « Wir waren an den Höhlenbach gekommen , über den die schmale Steinbrücke führt . Da wir nicht nebeneinander hinüberkonnten , ich aber allein bei meiner Schwäche in die Felsenschlucht hätte taumeln können , so trugen mich die Männer ; der Oheim hielt mich um die Brust gefaßt , Zetteritz bei den Beinen . Auch durch den schmalen Gang mit der Eisentür trug man mich . Endlich ging es die obersten Stufen hinauf , und in der Grotte waren wir , erschöpft sank ich auf das bereitete Mooslager . Umherblickend vermißte ich den Ofen und alle Geräte des Laboratorii . Der Oheim deutete auf tönerne Trümmer : » Die Plünderer haben hier alles nach dem Schatz durchwühlt , den sie beim Goldmacher erwarteten . « Wie ein seltsam trauter Gruß mutete es mich an , daß an der Felsenwand meine Harfe lehnte . » Wie kommt es , daß die verschont ist ? « - » Sie war nicht hier , « antwortete der Oheim , » sondern im Dorfe bei Hollmanns , wo du sie gelassen , nachdem sie bei deiner letzten Predigt ertönte . Ich habe sie gestern heraufgeholt . « - » Erkläre mir , warum die Plünderer nicht in die Höhle hinuntergedrungen sind , da sie doch hier in der Grotte waren ? « Der Oheim setzte sich zu mir : » So höre denn , Johannes ! Wie ich und Dreßler gesehn , daß wir uns gegen die Belagerer nicht halten konnten , hat Dreßler gesprochen : Retten wir den Johannes ! Er wenigstens muß übrigbleiben , er schafft das Gold und kann das neue Reich gründen auch ohne uns . Ich gab Dreßler recht und ging mit ihm in die Grotte , wo du in deinem Wundfieber lagest . Da hab ich dem Dreßler den Höhleneingang entdeckt , und wir haben dich hinuntergetragen , auch Nahrung mitgenommen . Bleibe du mit Johannes unten , sprach Dreßler , ich will den Stein wieder auflegen und mit Schotter verbergen . Da war ich nun mit dir , Johannes , wie lebendig begraben . Bald darauf ist der feindliche Sturm losgegangen . Hinter der verschlossenen Eisentüre hab ich das Poltern droben vernommen , zum Schusse fertig die Muskete , falls einer eindränge , und entschlossen , die Tür zu verteidigen bis zum letzten Odem . Aber sie haben unsere Höhle nicht entdeckt und sind gegangen , wie aus den öden Felsen nichts mehr zu holen war . Zwei Tage drauf hab ich gewagt , den Steindeckel hochzustemmen und ans Tageslicht zu gehen . Habe die Verwüstung erschaut und viele Erschlagene gefunden , zumeist Leute von uns ; auch Dreßler ist dabei gewesen . Als Kundschafter bin ich zum Hohen Stein geschlichen . Da ist mir eingefallen , daß ich ja den Höhleneingang offengelassen . Voller Angst bin ich zurückgehastet , gleich zu dir hinunter . O Heiland ! Da fand ich einen Mann , der gezückten Schwertes mich anherrschte : Des Todes bist du , so du nicht sogleich gestehst , wo der Tielsch meine geraubte Braut verbirgt ! « Vom Oheim , der hier innehielt , wandte ich fragend den Blick auf Zetteritz . » Ja , ich war ' s « , sagte er . » Nach dem Treffen mit dir , das mich meine wenigen Leute gekostet hatte , war ich deiner Spur gefolgt , um Thekla wiederzugewinnen . Bedenke , Johannes , die Liebe zu ihr trieb mich . « Ich nickte , und der Oheim fuhr fort : » Wer mir so entgegentrat , mußte mein Feind sein . Und ich brannte mein Pistol los , erhielt freilich gleich darauf einen Hieb , daß mir die Sinne schwanden . Ei ja doch , eine starke Klinge führet der Herr Zetteritz ; nur war sie nicht so hurtig wie meine Kugel , an der er schier verblutet wäre , wenn du ihm nicht geholfen hättest . Ich lag derweilen betäubt vom Hieb . Wie ich zu mir kam , fand ich euch beide und habe ihm geholfen , weil du darum batest , Johannes . « Stumm nickte Zetteritz . Ehrfurcht sprach aus seinen Augen . Sein Antlitz , matt beleuchtet vom Tageslicht , das durch den Spalt der Grottendecke kam , war bleich , die finstern Falten zwischen den Brauen , die roten Narben auf Stirn und Wange mahnten an seine Wildheit . Wüst starrten um den Knebelbart sprossende schwarze Stoppeln . In seinem Lederkoller war noch das Loch , wo des Oheims Kugel eingedrungen , und den seinen Kleidern war anzusehen , daß ihnen erst jüngst Blut ausgewaschen war . Traurig schüttelte ich den Kopf , bedenkend , wie sonderbar und gänzlich unvermutet das Schicksal unsere Lage umzuwandeln wußte . Das war nun derselbige Mensch , mit dem gemeinsam ich in die Lateinschule zu Hirschberg gegangen . Gerauft hatte ich mit ihm , da wir Union und Liga spielten , ferner auf dem Kynast in der Comoedia vom verlorenen Sohn . Vor vier Jahren hielt er mich auf dem Elbkahn gefangen und ließ mich schließlich gefesselt ans Ufer werfen , um Thekla für sich allein zu behalten . Nun aber blickten wir beide einander an , geschlagen und gedemütigt . In öder Felsenwüste hatten wir nebeneinander liegen müssen , hilflos , der eine auf den andern angewiesen . Und der ewige Grund , aus dem alles quillt , hatte es so gefügt , daß dem Verblutenden von seinem Nebenbuhler geholfen ward , und daß die Feinde ineinander den gemeinsamen Menschensohn erkannten . Auch Zetteritz mochte dies alles bedenken , in