daß die sechs fremden Männer auf diesen Steinen gesessen hatten . Wir sahen die Stellen , wo die Talglichter , die sie mitgehabt hatten , festgetropft und dann wieder losgerissen worden waren . Der zurückgebliebene Talg war noch so sauber , daß diese fettigen Flecke nicht über vier Wochen alt sein konnten . Und als wir genauer suchten , fanden wir ähnliche , aber viel ältere Flecke in Menge . Das stimmte ganz genau mit dem , was wir wußten und was wir uns dachten . Nun nahm ich Schakara das Licht aus der Hand , um nach weiteren Spuren zu suchen . Sie konnte hierin doch nicht die Erfahrung besitzen , die ich hatte . Ich fand nichts , als menschliche Fußstapfen . Aber endlich , als ich eben aufhören wollte und in die letzte , hintere Ecke leuchtete , sah ich einen andern Eindruck im tiefen , mehligen Staube . Das war von keinem Fuße , sondern von einer starken Stange oder etwas Aehnlichem , welche hier eingestoßen und oben an die Empore gelehnt worden war . Und gar nicht weit davon lagen zwei losgebrochene , kurze Holzästchen , die ich aufhob und aufmerksam betrachtete . » Warum so nachdenklich , Effendi ? « fragte Schakara . » Zwei Stückchen Holz , weiter nichts ! Wer weiß , wie sie hierhergekommen sind ! « » Wer ? Ich weiß es . Und - - weiter nichts , sagst du ? Es ist viel , sehr viel ! Als ich diesen Raum sah , in welchem die Päderan ihre geheimen Versammlungen abhalten , dachte ich sogleich daran , in welcher Weise man sie belauschen könne , wenn sie Montag wiederkommen . Man müßte vorher da hinauf auf die Empore steigen . Das war mein Gedanke . Jetzt sehe ich , daß ich nicht der Erste bin , dem dieser Einfall gekommen ist . Sie sind schon belauscht worden . « » Von wem ? « » Das sagen mir diese beiden Aestchen leider nicht . Man hat eine Leiter oder wenigstens eine Stange gebraucht , um die Empore zu erreichen , aber keines von beiden gehabt . Darum ist man in den Wald gegangen , um sich ein passendes Baumstämmchen zu holen . Die Aeste wurden abgeschnitten . Einige dürre Zweigreste aber blieben . Das stemmte man hier unten in den Boden und legte es oben an . Beim Hinaufklettern wurden die beiden Aestchen abgebrochen . Sie und das Loch hier verraten mir das . Wenn man in dieser Weise hinaufklettert und die Stange nach sich zieht und sie lang niederlegt , kann man fast sicher sein , nicht entdeckt zu werden . « » Das leuchtet mir ein , Effendi . Wer mag wohl der Betreffende gewesen sein ? « » Ein Dschamiki keinesfalls , denn ein solcher hätte es nicht nötig gehabt , zu einem solchen Behelfe zu greifen . « » Kein Dschamiki - - - ! « sagte sie nachdenklich . » Effendi , da fällt mir Etwas ein . Ich habe eine solche ganz roh zugeschnittene Stange gesehen . « » Wo ? « » Droben in dem Quaderturme , wo Ihr den Aschyk ergriffen habt . « » Wann ? « » An dem Morgen , an welchem ich hier nach diesen Spuren suchte . Ich ging dann durch die obere Etage , auch in den Turm . Da sah ich ein Fichtenstämmchen liegen , ganz so , wie du es beschrieben hast . Auch die Länge stimmt . Ich dachte , ein Dschamiki sei hier gewesen ; darum fiel es mir nicht auf . Am Nachmittage kam ich wieder hin ; da war es weg . « » Ah der Aschyk ! Er ! Er belauschte die Päderan ! Also gehört er nicht zu ihnen ! Falls er ein Sill ist , ist er nur ein gewöhnlicher ! Hat er dem Scheik ul Islam hierüber zu berichten ? Oder tut er es nur , weil er zu den Sillan gehört , die sich gegen ihren Aemir empören wollen ? Es gilt , nicht allzu schnelle Schlüsse ziehen . Wir haben ja Zeit , hierüber nachzudenken . Komm ! « Wir gingen . Draußen wendeten wir uns nach der dritten Tür , die nach dem langen , schmalen Saale führte . Wir fanden nichts Auffälliges . Aber als wir an sein Ende kamen , gab es keine Wand , sondern einen Schutthaufen , der nicht ganz bis hinauf zur Decke reichte . » Schakara ! « rief ich laut und verwundert aus . » Mein Traum , mein Traum ! Das ist das Geröll , ganz genau das Geröll , von welchem herunter mich der Zauberer beobachtete ! Mich dünkt , ich müsse seinen Kopf da oben erscheinen sehen . Das ist doch sonderbar ! « » Sonderbar ? « fragte sie . » Effendi , Effendi , du weißt wirklich noch gar nicht viel von deiner Seele ! Und doch seid Ihr auf Euer Müdschewwedet60 so stolz ! Suchst du nicht auch nach der Treppe , auf welcher du im Traum hinaufgestiegen bist zum Schatten an der offnen Tür ? « » Die liegt drüben auf der andern Seite , die zugemauert ist . « » So laß dort öffnen , und ich bin überzeugt , daß sie vorhanden ist ! « » Das werde ich wohl tun , jedoch zu seiner Zeit . Jetzt möchte ich hinaus , nur wieder an die Sonne ! Aber warte ; da fällt wir Etwas ein . Da hinter diesem Schutt geht es ja tief hinunter in das Wasser , wo der Aschyk ist . Ich muß ein Lebenszeichen von ihm haben ! « Ich kletterte hinauf . Sie folgte mir sogleich , indem sie mein Gewand ergriff . » Um Chodehs willen , stürze nicht hinab ! « warnte sie . » Keine Sorge ! Ich bin vorsichtig ! « » Ich halte dich dennoch und lasse dich nicht los ! Stürzest du ,