eine Weile dauert es wohl noch . Und wenn auch nicht , mit meinem Sohne wird sich , denk ich , geradeso wie zwischen uns zwei beiden , alles glatt abwickeln , glatter noch , und vielleicht können Sie gemeinschaftlich mal was Nettes herauswirtschaften , was Ordentliches , was Großes , was sich sehen lassen kann . Das heißt dann neue Zeit . Und nun , Baruch , müssen Sie noch ein Glas Sherry nehmen . In unserm Alter ist das immer das Beste . Das heißt für Sie , der Sie noch gut im Gange sind . Ich darf bloß noch mit anstoßen . « Eine Viertelstunde später fuhr Baruch auf seinem Wägelchen wieder in den Stechliner Wald hinein und dachte wenig befriedigt über alles nach , was er da drinnen gehört hatte . Die geträumten Schloß-Stechlin-Tage schienen mit einem Male für immer vorüber . Alles , was der alte Herr da so nebenher von » gemeinschaftlich herauswirtschaften « gesagt hatte , war doch bloß ein Stich , eine Pike gewesen . Ja , Baruch fühlte was wie Verstimmung . Aber Dubslav auch . Es war ihm zu Sinn , als hätt er seinen alten Granseer Geld- und Geschäftsfreund ( trotzdem er dessen letzte Pläne nicht einmal ahnte ) zum erstenmal auf etwas Heimlichem und Verstecktem ertappt , und als Engelke kam , um die Sherryflasche wieder wegzuräumen , sagte er : » Engelke , mit Baruch is es auch nichts . Ich dachte , wunder was das für ein Heiliger wär , und nun is der Pferdefuß doch schließlich rausgekommen . Wollte mir da Geld auf Hypothek beinah aufzwingen , als ob ich nicht schon genug davon hätte ... Sonderbar , Uncke , mit seinem ewigen zweideutig , wird am Ende doch recht behalten . Überhaupt solche Polizeimenschen mit ' nem Karabiner über die Schulter , das sind , bei Lichte besehn , immer die feinsten Menschenkenner . Ich ärgere mich , daß ich ' s nicht eher gemerkt habe . So dumm zu sein ! Aber das mit der Krankheit heute , das war mir doch zuviel . Wenn sich die Menschen erst nach Krankheit erkundigen , dann ist es immer schlimm . Eigentlich is es jedem gleich , wie ' s einem geht . Und ich habe sogar welche gekannt , die sahen sich , wenn sie so fragten , immer schon die Möbel und Bilder an und dachten an nichts wie an Auktion . « Siebenunddreißigstes Kapitel Auch die nächsten Tage waren beinahe sommerlich , taten dem Alten wohl und erleichterten ihm das Atmen . Er begann wieder zu hoffen , sprach mit Wirtschaftsinspektor und Förster und war nicht bloß voll wiedererwachten Interesses , sondern überhaupt guter Dinge . So kam Mitte März heran . Der Himmel war blau , Dubslav saß auf seiner Veranda , den kleinen Springbrunnen vor sich , und sah dabei das leichte weiße Gewölk ziehen . Vom Park her vernahm er den ersten Finkenschlag . Er mochte wohl schon eine Stunde so gesessen haben , als Engelke kam und den Doktor meldete . » Das ist recht , Sponholz , daß Sie kommen . Nicht um mir zu helfen ( das ist immer schlimm , wenn einem erst geholfen werden soll ) , nein , um zu sehen , daß Sie mir schon geholfen haben . Diese Tropfen . Es ist doch was damit . Wenn sie nur nicht so schlecht schmeckten ; ich muß mir immer einen Ruck geben . Und daß sie so grün sind . Grün ist Gift , heißt es bei den Leuten . Eigentlich eine ganz dumme Vorstellung . Wald und Wiese sind auch grün und doch so ziemlich unser Bestes . « » Ja , es ist ein Spezifikum . Und ich bin froh , daß die Digitalis hier bei Ihnen mal wieder zeigt , was sie kann . Und bin doppelt froh , weil ich mich auf sechs Wochen von Ihnen verabschieden muß . « » Auf sechs Wochen . Aber , Doktor , das is ja ' ne halbe Ewigkeit . Haben Sie Schulden gemacht und sollen in Prison ? « » Man könnte beinahe so was denken . Denn solange Gransee historisch beglaubigt dasteht , ist noch kein Doktor auf sechs Wochen weg gewesen , noch dazu ein Kreisphysikus . Eine Doktorexistenz gestattet solchen Luxus nicht . Wie lebt man denn hier ? Und wie hat man gelebt ? Immer Furunkel aufgeschnitten , immer Karbolwatte , immer in den Wagen gestiegen , immer einem alten Erdenbürger seinen Entlassungsschein ausgestellt oder einen neuen Erdenbürger geholt . Und nun sechs Wochen weg . Wie ich meinen Kreis wiederfinden werde ... nu , vielleicht hat Gott ein Einsehen . « » Er ist doch wohl eigentlich der beste Assistenzarzt . « » Und vor allem der billigste . Der andre , den ich mir aus Berlin habe verschreiben müssen ( ach , und soviel Schreiberei ) , der ist teurer . Und meine Reise kommt mir ohnedies schon teuer genug . « » Aber wohin denn , Doktor ? « » Nach Pfäffers . « » Pfäffers . Kenn ich nicht . Und was wollen Sie da ? Warum ? Wozu ? « » Meine Frau laboriert an einem Rheumatismus , hochgradig , schon nicht mehr schön . Und da ist denn Pfäffers der letzte Trumpf . Schweizerbad mit allen Schikanen und wahrscheinlich auch mit allen Kosten . Ein Granseer , der allerdings für Geld gezeigt werden kann , war mal an diesem merkwürdigen Ort und hat mir denn auch ' ne Beschreibung davon gemacht . Habe natürlich auch noch im Baedeker nachgeschlagen und unter anderm einen Fluß da verzeichnet gefunden , der Tamina heißt . Erinnert ein bißchen an Zauberflöte und klingt soweit ganz gut . Aber trotzdem eine tolle Geschichte , dies Pfäffers . Soweit es nämlich als Bad in Betracht kommt , ist es nichts als ein Felsenloch , ein großer Backofen , in den man hineingeschoben wird . Und da