s ei der Tasche stacken . Ich weeß ' s ! « Sie leugnete ihm ins Gesicht . » Mach kee Gefitze nich ! Ich ha ' s gehiert , wie de ' s eigesteckt hast . « Sie wollte an ihm vorbei , dem Ausgange zu . Aber er umfaßte sie rechtzeitig , schleppte sie nach dem Hintergrund des Stalles . » Gibst de ' s har ! « » Ne , dir ne ! « Er suchte ihr mit einer Hand die Arme festzuhalten und mit der anderen in ihre Kleidtasche zu gelangen . Sie setzte sich zur Wehr , biß und kratzte . In der Dunkelheit des Stalles funkelten ihre Augen wie die einer Katze . Karl brüllte auf , ihre Nägel in seinem Halse brannten wie Feuer . Er schüttelte sie ab . Dann warf er sich mit der ganzen Wucht seines schweren Körpers auf sie , daß sie stöhnend zusammenbrach . » Gibst de ' s raus ? « » Ne , im Leben ne ! « Nun kniete er auf ihr , ihren Leib mit dem Knie niederstemmend . Ihre Hände drückte er mit seiner Riesenfaust zusammen , daß sie gänzlich wehrlos dalag . Mit der freien Hand suchte er in ihren Kleidern . Aber Therese lag auf dem Geldtäschchen ; noch in dieser verzweifelten Lage wußte sie den Schatz mit ihrem Leibe zu decken . Er konnte nicht dazu gelangen , so sehr er sich auch mühte . Darüber wurde er toll vor Wut . Blindlings griff er in die Kleider , zerfetzte alles , was ihm zwischen die Finger kam . Therese wand und bäumte sich , aber was vermochte sie gegen die entfesselte Raserei dieses Wilden ! » Gibst de ' s nu ? « Sie konnte nicht mehr sprechen , spuckte ihm statt der Antwort ihren Geifer ins Gesicht . Da griff er mit einer Tatze zu , vor der alles wich . Ein Ratz - das Sonntagskleid in Fetzen ! Jetzt fühlte er ' s ; hier im Futter saß es . Die Nähte sprangen . Das Ledertäschchen mit dem Stahlbügel kam zum Vorschein . Nun hielt er ' s in Händen . Er stand auf . Aus der Ecke kam eine Jammergestalt hervor : halb nackt , blutend , mit hängendem , zersetztem Haar . Seine Frau ! - Er schob das Geldtäschchen schnell in die Tasche , sprang nach der Tür und lief aus dem Hause . Eine Stunde darauf saß er im Kretscham von Halbenau . * * * Inzwischen waren die Frauen von der Wanderarbeit im Rübenlande nach der Heimat zurückgekehrt . Pauline war mit ihrem Jungen zur Mutter gezogen , wartete hier auf Gustavs Rückkehr . Ernestine wohnte wieder auf dem Bauernhofe beim alten Vater . Ernestine war sehr verändert zurückgekehrt aus der Fremde . Sie hatte sich im Laufe des Sommers ein gewisses hochnäsiges Herabblicken auf ihre Umgebung angewöhnt . Den heimischen Verhältnissen brachte sie ganz unverhohlene Verachtung entgegen . Sie sagte es auch jedermann , der es hören wollte , daß sie es in Halbenau nicht lange aushalten werde . Sie war im Besitz größerer Geldmittel als irgend-ein anderes Mitglied ihrer Familie . Und sie hielt gut Haus damit . Die anderen Rübenmädchen brachten ihr Erspartes schnell unter die Leute : Kleider , Schmuck und allerhand unnützer Tand wurde gekauft . Manch eine ließ sich auch ihre mühsam erworbenen Groschen von einem Burschen abschwatzen , oder man verjubelte die Ersparnisse gemeinsam . Die Tanzereien und Gelage gingen in diesem Winter besonders flott im Kretscham von Halbenau ; die » Runkelweiber « hatten Geld ins Dorf gebracht . Ernestine Büttner war viel zu vernünftig und zu berechnend , um sich an solchem Treiben zu beteiligen . Sie machte sich daran , mit ihrem und Häschkekarls Gelde eine Ausstattung zu besorgen . Das Mädchen kaufte Stoffe ein und Leinwand . Mit Pauline saß sie oft bis spät in die Nächte hinein in Frau Katschners Behausung über die Nadel gebückt . Schwerlich ahnte ihr Bräutigam Häschke , wie energisch , praktisch und sparsam das Regiment sein würde , unter das er kommen sollte . Auch dem Vater gegenüber wollte Ernestine ihre Selbständigkeit zur Geltung bringen . Der alte Bauer hatte sich noch nicht darein gefunden , in ihr etwas anderes zu sehen als das jüngste Kind . Sie sollte sich seinem Willen in allen Stücken fügen , wie er es von jeher von seinen Kindern , ganz besonders aber von den Töchtern verlangt hatte . Er nahm als selbstverständlich an , daß Ernestine die häuslichen Arbeiten übernehmen würde , welche seit dem Tode der Mutter arg vernachlässigt waren . Aber Ernestine , die von ihrem Bräutigam gelernt hatte , daß Kinder den Eltern nicht mehr zu gehorchen brauchen , tat nur , was ihr paßte . Den Befehlen des Vaters antwortete sie mit Achselzucken , spitzen Worten oder auch Vorwürfen . Der alte Mann bekam von der Tochter zu hören : Er sei ja selbst daran schuld , daß sie nichts mehr hätten , nicht einmal so viel , um sich eine Magd zu halten . Er habe ja das Vermögen durchgebracht mit liederlicher Wirtschaft . Nun sei Haus und Hof in fremde Hände geraten und sie , die Kinder , könnten betteln gehen . Der Büttnerbauer mußte das mit anhören und seinen Kummer in sich hineinschlucken . Jetzt warf ihm sein eigenes Kind das schwere Unglück , das ihn getroffen hatte , auch noch als Vorwurf ins Gesicht . Ernestine wußte nicht , was sie tat ! - Jene naive Grausamkeit der Jugend war ihr eigen , die in dem alten Menschen etwas Unangenehmes , Unnützes , Lästiges sieht . Was wußte sie denn von dem , was in der Seele des Vaters vorging , der am Abende des Lebens sein ganzes Lebenswerk : Arbeit , Sorge , Hoffnung in nichts zerrinnen sah ! - Sie setzte den väterlichen Befehlen ihr schnippisches Besserwissen entgegen . Wiederholt betonte sie , es sei nur ihr guter