! « sagte Kitty und beschleunigte ihren Gang . » Sie wissen ? « » Natürlich ! Es war doch nur ein Vorwand , als ich Sie wegschickte . Ich hoffe , Sie nehmen mir das nicht übel . Aber Tas , und wir beide zusammen , das hätte doch Veranlassung gegeben zu allerlei unbequemen Fragen . Und da wäre doch jetzt nicht die Zeit gewesen , um das aufzuklären . Nicht wahr ? « Sie blieb stehen und bot ihm die Hand . » So ! Jetzt ist alles klar zwischen uns . Jetzt flink , oder ich versäume den Zug ! « Rasch durcheilten sie die Breite der Halle . Das zweite Zeichen war schon gegeben , als sie den Zug erreichten . Der Schaffner , mit welchem Kitty vor einer Stunde in München angekommen war , begleitete auch den Zug , mit dem sie die Rückreise antrat ; er erkannte sie und lief , um einen Wagen erster Klasse zu öffnen . Forbeck war in nervöser Erregung . » Es wird Nacht , bis Sie in Hubertus ankommen , und es macht mir Sorge , daß Sie allein reisen . « Sie lächelte , halb erfreut , halb verlegen . » Ich muß allein reisen , gerade jetzt . Und was sollte mir zustoßen ? Fünf Stunden sitz ' ich ruhig im Kupee , dann nehm ' ich mir einen Einspänner und kutschiere gemütlich nach Hause . « Forbeck schien nicht beruhigt . » Wenn Sie gestatten wollten , daß ich in einem anderen Kupee - « » Ach , Unsinn ! Das am allerwenigsten ! Das wäre noch unbehaglicher . Aber ich danke Ihnen ! « Sie wollte ihm die Hand reichen . Der Schaffner mahnte : » Höchste Zeit , gnädiges Fräulein ! « Kitty sprang so flink in den Wagen , daß die jähe Trennung fast den Anschein einer Flucht gewann . Forbeck benützte diesen Moment , um dem Kondukteur ein Goldstück in die Hand zu drücken : » Bitte , nehmen Sie sich der jungen Dame an und sorgen Sie dafür , daß niemand sie stört ! « Der Schaffner machte eine tiefe Reverenz und schloß mit auserlesener Vorsicht die Wagentür . In der einen Hand den Hut , mit der andern an der Uhrkette nestelnd , sagte Forbeck tonlos : » Darf ich bitten , Fräulein von Kleesberg zu grüßen und ihr zu sagen , daß ich die viele Freundlichkeit , die sie mir erwiesen , nie vergessen werde ! « » Ja , Herr Forbeck , das sag ' ich ihr ! Und das wird ihr Freude machen . Tante Gundi hat Sie sehr liebgewonnen , sehr ! Für Ihren Gruß wird sie sich persönlich bei Ihnen bedanken , sobald wir nach München kommen , in drei bis vier Wochen . « Kitty verschwand , erschien aber gleich wieder am Fenster mit dem Jammerschrei : » Um Gottes willen ! Wo ist denn mein Koffer ? « Als sie das fassungslose Entsetzen gewahrte , von welchem Forbeck befallen wurde , fing sie herzlich zu lachen an : » Na also , da haben Sie jetzt ein bißchen Arbeit ! Das wird Sie wohltuend zerstreuen ! « Der Pfiff der Lokomotive und ein rasselnd durch die Wagenreihe zuckender Stoß unterbrachen ihre Worte . In jäher Bestürzung streckte sie die Hand aus dem Fenster . » Herr Forbeck ! « Das klang wie verzehrende Angst . » Auf Wiedersehen ! « Er brachte kein Wort heraus , als er hastig ihre Hand erfaßte ; Kittys Finger klammerten sich um die seinen , und während er neben dem rollenden Wagen herlief , hing sein dürstender Blick an ihrem verstörten Gesicht . Der Wagen bekam es eilig , die beiden Hände mußten sich lassen . 7 » Tut mir leid , aber der Herr is net daheim ! « So hatte , als das Lieserl in der Nacht am Doktorhaus die Glocke gezogen , die Haushälterin des Arztes aus dem Fenster gerufen . » Um neune am Abend hat er in d ' Färleiten müssen . « Das war ein einsam gelegener Bauernhof , zwei Stunden vom Seedorf entfernt . » Wenn er heimkommt , schick ich ihn gleich . Wer is denn krank bei dir ? « Lieserl , an allen Gliedern zitternd , gab mit erwürgter Stimme die Antwort : » Der Mutter is net gut ! « » Es wird net so arg sein ! Sie soll sich derweil an Tee machen . In der Fruh kommt der Herr Doktor schon . « Das Fenster klirrte ; und Lieserl trat den Heimweg an . Ihre Tränen waren versiegt , ihre Angst verwandelte sich in dumpfe Erschlaffung . Wie Blei lag es ihr in den Knien . Schließlich begann sie aber doch zu laufen , weil die tiefe Finsternis sie gruseln machte ; dazu hatte sie die Empfindung , als striche ihr jemand mit eiskalter Hand über das Gesicht . Und das eintönige Rauschen , das neben der Straße aus der tiefen Schlucht der Ache klang , weckte in ihr die Vorstellung einer Gespensterstimme . Als sie heimkam , sah sie an den ebenerdigen Fenstern alle Läden geschlossen . Sie hörte ersticktes Schluchzen und gewahrte auf der Hausbank einen schwarzen Klumpen , an dem sich eine weiße Schürze bewegte . Vor Erschöpfung taumelnd , umklammerte Lieserl den Arm der Mutter und lallte , daß sie den Doktor nicht daheim gefunden . » Lieserl ! « schluchzte die Zaunerin und zog die Tochter auf ihren Schoß . » So a Glück hätt dir zustehn können ! Und so an Unglück muß kommen über uns ! O du mein armes , verlassens Kinderl . Da hätt jetzt auch kein Doktor nimmer gholfen . « » Mar ' und Joseph ! « kreischte Lieserl und verbarg unter Zittern das Gesicht am Hals der Mutter . So saßen sie und weinten miteinander . Endlich versuchte die Zaunerin das Mädel aufzurichten . » Komm , ich führ dich