feierlich in die Kirche getragen werden unter der Ehrenbedeckung zweier Offiziere mit gezogenem Degen ; da tritt der Rekrut zum erstenmale öffentlich mit Helm und Seitengewehr auf und zum erstenmale folgt er der Fahne seines Truppenteils , die jetzt entfaltet ist vor dem Altare des Herrn , zerfetzt wie sie ist und geschmückt mit dem Ehrenzeichen der Schlachten , in der sie getragen worden « ... Er sprach von der allsonntäglichen kirchlichen Fürbitte : » Beschütze das königliche Kriegsheer und alle treuen Diener des Königs und des Vaterlands . Lehre sie , wie Christen ihres Endes gedenken und laß dann ihre Dienste gesegnet sein zu Deiner Ehre und des Vaterlandes Besten . » Gott mit uns , « führte er weiter aus , » ist ja auch die Inschrift auf der Gürtelschnalle , mit der der Infanterist sein Seitengewehr sich umgürtet , und diese Losung soll ihm Zuversicht geben . Ist Gott mit uns - wer mag wider uns sein ? Da sind auch die allgemeinen Landes- , Buß- und Bettage , die beim Beginn eines Krieges ausgeschrieben werden , damit das Volk im Gebete des Herrn Hilfe erflehe , zugleich in der getrosten Hoffnung auf seinen Beistand und im Vertrauen auf den durch diesen Beistand zu erlangenden glücklichen Ausgang . Welche Weihe liegt für den ausziehenden Krieger darin - wie mächtig hebt dies seine Kampfes- und seine Todesfreudigkeit ! Er kann getrost , wenn ihn sein König ruft , in die Reihen der Kämpfer treten und auf Sieg und Segen für die gerechte Sache rechnen : Gott der Herr wird dieselben unserem Volke ebensowenig entziehen , wie einst seinem Volke Israel , wenn wir nur zu ihm betend die Arbeit des Kampfes thun Der innige Zusammenhang zwischen Gebet und Sieg zwischen Frömmigkeit und Tapferkeit ergiebt sich leicht - denn was kann mehr Freudigkeit im Angesicht des Todes gewähren , als die Zuversicht , wenn im Schlachtgewühl die letzte Stunde schlägt , vor dem himmlischen Richter Gnade zu finden ? Treue und Glauben in Verbindung mit Mannhaftigkeit und Kriegstüchtigkeit gehören zu den ältesten Traditionen unseres Volkes . In diesem Ton ging es noch lange fort : bald in öliger Milde , gesenkten Hauptes , mit sanftem Tonfall von Liebe , Himmel , Demut , » Kindlein « , Heil und » köstlichen Dingen « ; - bald mit militärischer Kommandostimme , bei stolz in die Brust geworfener Haltung , von strenger Sitte und strammer Zucht - scharf und schneidig - Schwert und Wehr . Das Wort » Freude « wurde nicht anders als in den Zusammensetzungen Todes- , Kampfes- und Sterbensfreudigkeit gebraucht . Vom feldprobstlichen Standpunkt scheinen eben Töten und Getötetwerden als die vornehmsten Lebensfreuden zu gelten . Alles Übrige ist erschlaffende , sündhafte Lust . Auch Verse wurden deklamiert . Zuerst das Körnersche : Vater , du führe mich ! Führ ' mich zum Siege , führ ' mich zum Tode ! Herr , ich erkenne deine Gebote . Herr , wie du willst , so führe mich , Gott ich erkenne dich ! Dann das alte Volkslied aus dem 30 jährigen Kriege : Kein sel ' grer Tod ist in der Welt , Als wie vom Feind erschlagen , Auf grüner Au ' , im freien Feld , Darf nicht hören groß Wehklagen . Im engen Bett , da einer allein Muß an den Todesreih ' n , Hier aber find ' t er Gesellschaft fein - Fallen wie Kraut im Maien . Ferner das Lenausche Lied vom kriegslustigen Waffenschmied : Friede hat das Menschenleben Still verwahrlost , sanft verwüstet , Wie er seiner That sich brüstet , Alles hängt voll Spinneweben ... Ha ! nun fährt der Krieg dazwischen , Klafft und gähnt auch manche Wunde , Gähnt man selt ' ner mit dem Munde . Kampf und Tod die Welt erfrischen . Und schließlich noch das Wort Luthers : » Sehe ich den Krieg an als ein Ding , das Weib , Kind , Haus , Hof , Gut und Ehre schützt und Frieden damit erhält und bewahrt , so ist er eine gar köstliche Sache . « » Nun ja - sehe ich den Panther als eine Taube an , so ist der Panther ein gar sanftes Tierchen , « bemerkte ich ungehört . Gern hätte ich auch auf seine poetischen Ergüsse die Verse Bodenstedts entgegnet : Ihr mögt von Kriegs- und Heldenruhm So viel und wie ihr wollt verkünden , Nur schweigt von eurem Christentum , Gepredigt aus Kanonenschlünden . Bedürft ihr Proben eures Muts , So schlagt euch wie die Heiden weiland , Vergießt so viel ihr müßt des Bluts , Nur redet nicht dabei vom Heiland . Noch gläubig schlägt das Türkenheer Die Schlacht zum Ruhme seines Allah , Wir haben keinen Odin mehr , Tot sind die Götter der Walhalla . Seid was ihr wollt , doch ganz und frei , Auf dieser Seite wie auf jener , Verhaßt ist mir die Heuchelei Der kriegerischen Nazarener . Aber unser » kriegerischer Nazarener « sah nicht , was in meinem Geiste vorging ; er ließ sich in seinem Redefluß nicht irre machen und als er sich empfahl , da hatte er das Bewußtsein , mich zweier Dinge überführt zu haben ; daß der Krieg vom christlichen Standpunkte aus ein gerechtfertigter - und an und für sich eine köstliche Sache sei . Durch diesen rhetorischen Sieg seiner Berufspflicht nachgekommen zu sein und damit dem fremden Herrn Obersten einen beträchtlichen Dienst erwiesen zu haben , war ihm sichtlich sehr befriedigend , denn als er sich zum Gehen erhob und wir ihm unseren Dank für die bereitwillige Bemühung aussprachen , erwiderte er abwehrend : » Es ist an mir , Ihnen zu danken , mir die Gelegenheit geboten zu haben , durch mein schwaches Wort , dessen ganze Wirksamkeit dem vielfach herangezogenen Worte Gottes zuzuschreiben ist , solche Zweifel zu verscheuchen , welche sowohl der Christin , als der Soldatenfrau nur quälend sein mußten . Der Friede sei mit Ihnen ! « » Ach !