« rief er fröhlich und trat an den Schlag . » Welcher gute Wind bringt Euch her ? ... Aber bringt Ihr Euren Reb Hirsch nicht mit ? « » Der kommt morgen « , sagte sie unsicher und sah ihn aus den braunen Augen , die sonst so munter und durchdringend blickten , fast zaghaft an . » Wie - wie geht ' s Euch , Sender ? « » Dank ' der Nachfrag ' « , rief er lustig . » So gut wie noch nie ! Euer Vater sagt Euch den Grund ! « » So ? « fragte sie befangen und seufzte tief auf . » Und wie geht es - « Sie stockte . » Aber ich will Euch nicht aufhalten . « » Habt Ihr in der Zwischenzeit das Seufzen gelernt ? « fragte er lachend . » Reb Hirsch kommt doch gewiß morgen ? « » Gewiß « , erwiderte sie gedrückt , » wenn es nötig ist ! « » Dann kommt er « , lachte Sender . » Denn es ist dringend nötig . Auf Wiedersehen ! Und grüßt Malke . Ich komm ' Abends , wenn nicht schon früher ! « » Auf Wiedersehen ! « murmelte sie betrübt und ließ den Kutscher weiterfahren . Er machte sich nicht viel Gedanken über das veränderte Wesen des Mädchens ; daheim erzählte er der Mutter doch davon lachenden Mundes . Auch sie lächelte . » Merk ' dir ' s , Sender ! Jedes arme Mädchen , das noch keinen Bräutigam hat , seufzt bei der Verlobung ihrer reichen Freundin . Jütte wünscht deshalb doch dir und Malke gewiß das Beste . « Er nickte fröhlich . Leise pfeifend ging er in den Laden zurück und an die Arbeit . Während er aber der Frau Putkowska einen Traum auslegte - diesmal hatte ihr nicht von einem rosa Seidenkleid geträumt , sondern von einer Geißel , - stürzte Mosche Grün herein , legte ein Briefchen vor ihn hin und lief davon . Pochenden Herzens besah er die Adresse : » An Herrn Sender Kurländer , Wohlgeboren hier . Durch Güte . « Wie fein und zierlich sie schrieb . Drinnen stand : » Lieber Freund ! Ich habe Sie dringend zu sprechen . Kommen Sie heute nachmittag vier Uhr zur Ruine . Ich werde Sie dort mit meiner Freundin Jütte erwarten . Mit herzlichem Gruß Ihre treue Freundin Regina Salmenfeld . « Selig , verzückt starrte er auf das Blättchen . Die Liebe , Gute wußte , wie sehr er sich nach ihr sehnte , und gewährte ihm freiwillig ein Stelldichein , nur um ihm für seine Werbung » zu danken « . Du lieber Himmel , sie ihm » danken « . Das hätte eine Barnowerin nicht getan , aber er hatte eben das Glück , eine » aufgeklärte « Braut zu haben . Jütte würde dabei sein , schrieb sie , natürlich , aber der alte Schloßhof war groß .... Es war halb vier . » Ich muß nun doch fort « , sagte er Dovidl , der ihn denn auch sofort entließ . » Ich muß doch als der Erste da sein « , dachte er und eilte über die Seredbrücke den Hügel empor , in den Schloßhof . Aber als er den wüsten Raum betrat , sah er schon ein Frauengewand durch das kahle Geäst schimmern . Es war Jütte . Sie saß auf der Bank neben dem verschütteten Brunnen und starrte gesenkten Hauptes vor sich hin . Als er näher trat , fuhr sie empor . » Ihr - Ihr allein ? « rief er und als er sah , wie bleich sie aussah und daß ihre Augen gerötet waren , stieß er zitternd hervor : » Was - was ist geschehen ? « In ihr Antlitz schlugen die Flammen . » Nichts « , murmelte sie . » Malke ist wohl , aber sie kommt nicht . Sie wollte es , aber es wäre ... es wäre doch wohl über ihre Kraft gegangen .... Die Ärmste , welche furchtbaren Aufregungen hat sie in letzter Zeit erlebt ! Aber auch um Euretwillen , Sender , habe ich sie davon abgebracht .... Derlei hört man aus fremdem Munde leichter . « » Um meinetwillen ? « ... Er schwankte und griff nach dem steinernen Rand des Brunnens , sich zu halten .... » Was redet Ihr da ? « » Hört mich an « , bat sie und faltete die Hände , » hört mich ruhig an . Es wird Euch hart treffen , ich weiß , sehr hart . « Wieder schossen ihr die Tränen in die Augen . » Aber es ist niemand daran schuldig .... Vielleicht mein Vater , aber auch er hat es gut gemeint . « Die Tränen erstickten ihre Stimme . » Sprecht ! « murmelte er . Sie nickte . » Ich will es kurz machen . Aus Eurer Verlobung mit Malke kann nichts werden . Sie liebt seit ihrer Kinderzeit einen anderen , ihren Vetter Bernhard . Vor zwei Jahren hat sie sich mit ihm verlobt . Reb Hirsch wollte nichts davon wissen ; ein Deutsch , der Schweinefleisch ißt - Ihr versteht . Es waren furchtbare Auftritte im Hause , auch die Stiefmutter war dagegen . Und die Frau ist sehr bös . Sie haben beschlossen , Malke mit einem Frommen zu verheiraten , auch gegen ihren Willen ... Mein Vater hat sie vielen angetragen , aber - es ist ja ein Getaufter in der Familie - es ist nicht gegangen . Darum war Reb Hirsch schließlich auch mit Euch zufrieden , obwohl Ihr auch Deutsch gelernt habt . Aber da war ja ein anderes Hindernis , Ihr wolltet ja nicht heiraten wegen Eurer Pläne . Ihr wollt ja Schauspieler werden .... « .... « Er hatte ihr wie betäubt zugehört , bleich bis in die Lippen , aber ohne Regung . Bei diesem Wort ging ein Zucken durch sein