das Papier setzte , so brachte ich ein trübseliges Gekritzel zustande , indem ich aus meiner alten Weise herauszukommen suchte , welche ich verachtete , während ich sie jetzt sogar nur verdarb . So quälte ich mich mehrere Tage herum , in Gedanken immer eine gute und sachgemäße Arbeit sehend , aber ratlos mit der Hand . Es wurde mir angst und bange , ich glaubte jetzt sogleich verzweifeln zu müssen , wenn es mir nicht gelänge , und seufzend bat ich Gott , mir aus der Klemme zu helfen . Ich betete noch mit den gleichen kindlichen Worten wie schon vor zehn Jahren , immer das gleiche wiederholend , so daß es mir selbst auffiel , als ich halblaut vor mich hinflüsterte . Darüber nachsinnend , hielt ich mit der hastigen Arbeit inne und sah in Gedanken verloren auf das Papier . Zweites Kapitel Ein Wunder und ein wirklicher Meister Da überschattete sich plötzlich der weiße Bogen auf meinen Knien , der vorher von der Sonne beglänzt war ; erschrocken schaute ich um und sah einen ansehnlichen , fremd gekleideten Mann hinter mir stehen , welcher den Schatten verursachte . Er war groß und schlank , hatte ein bedeutsames und ernstes Gesicht mit einer stark gebogenen Nase und einem sorgfältig gedrehten Schnurrbart und trug sehr feine Wäsche . In hochdeutscher Sprache redete er mich an : » Darf man wohl ein wenig Ihre Arbeit besehen , junger Mann ? « Halb erfreut und halb verlegen hielt ich meine Zeichnung hin , welche er einige Augenblicke aufmerksam besah ; dann fragte er mich , ob ich noch mehr in meiner Mappe bei mir hätte und ob ich wirklicher Künstler werden wollte . Ich trug allerdings immer einen Vorrat des zuletzt Gemachten mit mir herum , wenn ich nach der Natur zeichnete , um jedenfalls etwas zu tragen , wenn ich einen unergiebigen Tag hatte , und während ich nun die Sachen nach und nach hervorzog , erzählte ich fleißig und zutraulich meine bisherigen Künstlerschicksale ; denn ich merkte sogleich an der Art , wie der Fremde die Sachen ansah , daß er es verstand , wo nicht selbst ein Künstler war . Dies bestätigte sich auch , als er mich auf meine Hauptfehler aufmerksam machte , die Studie , welche ich gerade vorhatte , mit der Natur verglich und mir an letzterer selbst das Wesentliche hervorhob und mich es sehen lehrte . Ich fühlte mich überglücklich und hielt mich ganz still , wie jemand , der sich vergnüglich eine Wohltat erzeigen läßt , als er einige Laubpartien auf meinem Papiere mit ihrem Vorbilde zusammenhielt , Licht und Formen klarmachte und auf dem Rande des Blattes mit wenigen mühlosen Meisterstrichen das herstellte , was ich vergeblich gesucht hatte . Er blieb wohl eine halbe Stunde bei mir , dann sagte er : » Sie haben vorhin den wackern Habersaat genannt ; wissen Sie , daß ich vor siebzehn Jahren auch ein dienstbarer Geist in seinem verwünschten Kloster war ? Ich habe mich aber beizeiten aus dem Staube gemacht und bin seither immer in Italien und Frankreich gewesen . Ich bin Landschafter , heiße Römer und gedenke mich eine Zeitlang in meiner Heimat aufzuhalten . Es soll mich freuen , wenn ich ihnen etwas nachhelfen kann ; ich habe manche Sachen bei mir , besuchen Sie mich einmal , oder kommen Sie gleich mit mir nach Hause , wenn ' s Ihnen recht ist ! « Ich packte eilig zusammen und begleitete in feierlicher Stimmung den Mann und mit nicht geringem Stolze . Ich hatte oft von ihm sprechen gehört ; denn er war eine der großen Sagen des Refektoriums , und Meister Habersaat tat sich nicht wenig darauf zu gut , wenn es hieß , sein ehemaliger Schüler Römer sei ein berühmter Aquarellist in Rom und verkaufe seine Arbeiten nur an Fürsten und Engländer . Auf dem Wege , solange wir noch im Freien waren , zeigte mir Römer allerlei gute Dinge in der Natur . Aufmerksam begeistert sah ich hin , wo er mit der Hand fein wegstreichend hindeutete ; ich war erstaunt , zu entdecken , daß ich eigentlich , so gut ich erst kürzlich noch zu sehen geglaubt , noch gar nichts gesehen hatte , und ich staunte noch mehr , das Bedeutende und Lehrreiche nun meistens in Erscheinungen zu finden , die ich vorher entweder übersehen oder wenig beachtet . Jedoch freute ich mich , leidlich zu verstehen , was mein Begleiter jeweilig meinte , und mit ihm einen kräftigen und doch klaren Schatten , einen milden Ton oder eine zierliche Ausladung eines Baumes zu sehen , und nachdem ich erst einige Male mit ihm spaziert , hatte ich mich bald gewöhnt , die ganze landschaftliche Natur nicht mehr als etwas rund in sich Bestehendes , sondern nur als ein gemaltes Bilder- und Studienkabinett , als etwas bloß vom richtigen Standpunkte aus Sichtbares zu betrachten und in technischen Ausdrücken zu beurteilen . Als wir in seiner Wohnung anlangten , welche aus ein paar eleganten Zimmern in einem schönen Hause bestand , setzte Römer sogleich seine Mappen auf einen Stuhl vor das Sofa , hieß mich auf dieses neben ihn sitzen und begann die Sammlung seiner größten und wertvollsten Studien eine um die andere umzuwenden und aufzustellen . Es waren alles umfangreiche Blätter aus Italien , auf starkes grobkörniges Papier mit Wasserfarben gemalt , doch auf eine mir ganz neue Weise und mit unbekannten kühnen und geistreichen Mitteln , so daß sie ebensoviel Schmelz und Duft als Klarheit und Kraft zeigten und vor allem aus in jedem Striche bewiesen , daß sie vor der lebendigen Natur gemacht waren . Ich wußte nicht , sollte ich über die glänzende und angenehm nahetretende Meisterschaft der Behandlung oder über die Gegenstände mehr Freude empfinden , denn von den mächtigen dunklen Zypressengruppen der römischen Villen , von den schönen Sabinerbergen bis zu den Ruinen von Pästum und dem leuchtenden Golf von Neapel , bis zu den Küsten von Sizilien mit den zauberhaften