Franken am Rhodanus und Padus zu befahren . Die Scheinbewegungen Belisars unterstützten diesen Glauben : und so geschah das Unerhörte , daß die Heerscharen der Goten , die Schiffe , die Waffen , die Kriegsvorräte in großen Massen in aller Eile gerade vor dem Angriff hinweggeführt , daß Unteritalien bis Rom , ja alles Land bis Ravenna entblößt und alle Verteidigungsmaßregeln in den Gegenden vernachlässigt wurden , auf die alsbald die ersten Schläge der Feinde fallen sollten . An dem Dravus , Rhodanus und Padus wimmelte es von gotischen Waffen und Segeln , während bei Sizilien , wie wir sahen , sogar die nötigsten Boote zum Wachtdienst fehlten . Auch das ungestüme Drängen der gotischen Patrioten besserte daran nicht viel . Witichis und Hildebad hatte sich der König aus der Nähe geschafft , indem er sie mit Truppen und Aufträgen nach Istrien und nach Gallien entsandte : und dem argwöhnischen Teja leistete der alte Hildebrand , der nicht ganz den Glauben an den letzten der Amaler aufgeben wollte , zähen Widerstand . Am meisten aber ward Theodahad gekräftigt , als ihm seine entschlossene Königin zurückgegeben wurde . Witichis war alsbald nach der Kriegserklärung der Byzantiner mit einer gotischen Schar vor die Burg von Feretri gezogen , wo Gothelindis mit ihren pannonischen Söldnern Zuflucht gesucht , und hatte sie bewogen , sich freiwillig wieder in Ravenna einzufinden , unter Verbürgung für ihre Sicherheit , bis in der bevorstehenden großen Volks- und Heeresversammlung bei Rom ihre Sache nach allen Formen des Rechts untersucht und entschieden werde . Diese Bedingungen waren beiden Parteien genehm : denn den gotischen Patrioten mußte alles daran gelegen sein , jetzt , bei dem Ausbruch des schweren Krieges , nicht durch Parteiung in der Oberleitung gespalten zu sein . Und wenn der gerade Gerechtigkeitssinn des Grafen Witichis wider jede Anklage das Recht voller Verteidigung gewahrt wissen wollte , so sah auch Teja ein , daß , nachdem der Feind die schwere Beschuldigung des Königsmordes auf das ganze Volk der Goten geschleudert , nur ein strenges und feierliches Verfahren in allen Formen , nicht eine stürmische Volksjustiz auf blinden Argwohn hin , die Volksehre wahren könne . Gothelindis aber blickte jenem Verfahren mit kühner Stirn entgegen : mochten die Stimmen innerer Überzeugung auch gegen sie sprechen , sie glaubte ganz sicher zu sein , daß sich ein genügender Beweis ihrer Tat nicht erbringen lasse . - Hatte doch nur ihr Auge das Ende der Feindin gesehen . - Und sie wußte wohl , daß man sie ohne volle Überführung nicht strafen werde . So folgte sie willig nach Ravenna , flößte dem zagen Herzen ihres Gatten neuen Mut ein und hoffte , war nur der Gerichtstag überstanden , alsbald im Lager Belisars und am Hofe von Byzanz Ruhe von allen weitern Anfechtungen zu finden . Die Zuversicht des Königspaares über den Ausgang jenes Tages wurde nun noch dadurch erhöht , daß die Rüstungen der Franken ihnen den Vorwand gegeben hatten , außer Witichis und Hildebad auch noch den gefährlichen Grafen Teja mit einer dritten Heerschar in den Nordwesten der Halbinsel zu entsenden : mit ihm zogen viele Tausende gerade der eifrigsten Anhänger der Gotenpartei , - so daß an dem Tag bei Rom eine von ihren Gegnern nicht allzu zahlreich besuchte Versammlung sich einfinden würde . - Und unablässig waren sie tätig , sowohl ihre persönlichen Anhänger als alte Gegner Amalaswinthens , die mächtige Sippe der Balten in ihren weitverbreiteten Zweigen , in möglichst großer Anzahl zur Entscheidung jenes Tages heranzuziehen . So hatte das Königspaar Ruhe und Zuversicht gewonnen . Und Theodahad war von Gothelindis bewogen worden , selbst als Vertreter seiner Gemahlin gegen jede Anklage unter den Goten zu erscheinen , um durch solchen Mut und den Glanz des königlichen Ansehens vielleicht von vornherein alle Widersacher einzuschüchtern . Umgeben von ihren Anhängern und einer kleinen Leibwache verließen Theodahad und Gothelindis Ravenna und eilten nach Rom , wo sie mehrere Tage vor dem für die Versammlung anberaumten Termin eintrafen und in dem alten Kaiserpalast abstiegen . Nicht unmittelbar vor den Mauern , sondern in der Nähe Roms , auf einem freien offnen Felde , Regeta genannt , zwischen Anagni und Terracina , sollte die Versammlung gehalten werden . Früh am Morgen des Tages , da sich Theodahad allein auf die Reise dorthin aufmachen wollte und von Gothelindis Abschied nahm , ließ sich ein unerwarteter und unwillkommener Name melden : Cethegus , der während ihres mehrtägigen Aufenthalts in der Stadt nicht erschienen : er war vollauf mit der Vollendung der Befestigungen beschäftigt . Als er eintrat , rief Gothelindis entsetzt über seinen Ausdruck : » Um Gott , Cethegus ! welch ein Unheil bringst du ? « Aber der Präfekt furchte nur einen Augenblick die Stirn bei ihrem Anblick , dann sprach er ruhig : » Unheil ? für den , den ' s trifft . Ich komme aus einer Versammlung meiner Freunde , wo ich zuerst erfuhr , was bald ganz Rom wissen wird : Belisar ist gelandet . « » Endlich , « rief Theodahad . Und auch die Königin konnte eine Miene des Triumphs nicht verbergen . » Frohlockt nicht zu früh ! Es kann euch reuen . Ich komme nicht , Rechenschaft von euch und eurem Freunde Petros zu verlangen : wer mit Verrätern handelt , muß sich aufs Lügen gefaßt machen . Ich komme nur , um euch zu sagen , daß ihr jetzt ganz gewiß verloren seid . « » Verloren ? « - » Gerettet sind wir jetzt ! « » Nein , Königin . Belisar hat bei der Landung ein Manifest erlassen : er sagt , er komme , die Mörder Amalaswinthens zu strafen ; ein hoher Preis und seine Gnade ist denen zugesichert , die euch lebend oder tot einliefern . « Theodahad erbleichte . » Unmöglich ! « rief Gothelindis . » Die Goten aber werden bald erfahren , wessen Verrat den Feind ohne Widerstand ins Land gelassen . Mehr noch . Ich habe von der Stadt Rom den