, auf welchen wir dieses Mal das Ziel unserer Wanderschaft zu erreichen vermögen . Wir können dem Herrn Kornelius van der Mook von Stunde zu Stunde , von Station zu Station folgen und erzählen , wie es ihm gelang , sowohl den Baron Glimmern wie auch den Leutnant der Strafkompanie Kind einzuholen , wie beide ihm dessenungeachtet für alle Zeit entgingen und wie er im Grunde und seiner ganzen Charakterentwicklung gemäß über das letztere herzlich froh war , wenn er es sich gleich anständigerweise nicht merken lassen durfte . Wir können aber auch einen zweiten Pfad einschlagen , auf welchem die wilden Worte , die harten Taten , die schlimmen Verhängnisse uns nicht gellend und grell zu Ohr und Auge dringen , sondern nur leise aus der verschleierten Ferne uns mahnen , wie die Welt beschaffen ist , in der wir leben , unsere Freude haben und uns in allen unsern Kräften und Empfindungen zur Geltung bringen wollen . In utrumque paratus , zu beidem gerüstet , wählen wir die letztere Art zu endigen ; denn wir halten es weder für eine Kunst noch für einen Genuß und am allerwenigsten für unsern Beruf , das Protokoll bei einer Kriminalgerichtssitzung zu führen . Um zwölf Uhr mittags kam Leonhard Hagebucher mit der Frau von Glimmern in dem Walde von Fliegenhausen an , und zwar an derselben Stelle , von welcher aus man einst die bewußtlose Frau Klaudine zur Katzenmühle trug . Er geleitete die tief verschleierte Nikola durch den Wald , und nun klang nichts mehr um sie her als vielleicht der Schnee , welchen irgendein Zweig , der sich von seiner Last befreien konnte , abschüttelte . Lasset uns sehen ! Es war im Frühling , Sommer und im Herbst ein heftig Rauschen und Spülen der Wasser im obern Land . Sie wurden im hastigen Schuß über Räder gezwungen , sie wurden durch künstliche Maschinen , durch allerlei Kraft in die Höhe gezogen und abwärts gestürzt , je nach dem Willen des Menschen . Sie wurden aus ihren natürlichen Betten in künstliche Kanäle über und unter der Erde gedrängt und mußten in Schmutz und Verdrießlichkeit ihre klaren , reinlichen Gewänder zurücklassen . Wie der Mensch hatten sie wenig Vergnügen von ihrem Dasein ; es war eine ewige Qual , ein freudeloses Abarbeiten bei Tag und bei Nacht : lasset uns hören , was die einzelnen Tropfen , welche da drunten in der Tiefe , in dem abgeschlossenen Tal , bei den sieben Zwergen , über das alte , zerbrochene , vom grünen Moos überzogene Rad der Mühle klingen , von dem Leben da draußen vor den Bergen , von dem Gewühl und Treiben der Märkte und Gassen in Brabant , von dem Hofstaat der schönen Richilde zu sagen haben ! Still , still ! Der leise Fall der Tropfen an dem Rade war ja verstummt in dem weißen Walde , die Frau Klaudine hatte schon lange nicht mehr nach ihrem Klang die Zeit gezählt , und wer hatte das Recht , unter dem Dache und am Herde der Frau Klaudine nach dem Gewimmel von Brabant und nach dem Hofhalt der Prinzeß Richilde zu fragen ? Die Geduld , die Treue und mit ihnen der Sieg in seiner schönsten Gestalt standen auf der Schwelle des Hauses , die nahende , schmerzensreiche Nikola zu empfangen und zu sagen : » Sei uns gegrüßt , du bist heut noch tausendmal mehr willkommen als in jenen Tagen , in welchen du mit deinem hellsten Lachen hierhersprangest . Sei gegrüßt , wir beiden Schwestern wollen dein müdes Haupt im Arme halten ; solange du nicht über unsern Bann hinaustrittst , hast du nichts zu fürchten von den Mächten , welche dich zu diesem Orte jagten . Sei gegrüßt , wir heißen Geduld und Treue , die Menschen reden viel von uns , und wenige kennen uns ; wer aber stark ist , wie die alte Frau , deren Wohnung wir bewachen , dem gibt unser Bruder den Kranz , welchen er der Frau Klaudine gegeben hat . « Man vernahm in der Katzenmühle den Schall keiner Kirchenuhr ; aber es war zwölf Uhr mittags , und in Fliegenhausen setzten die Bäuerinnen eben den dampfenden Suppennapf auf den Tisch , als der Mann vom Mondgebirge mit der Frau Nikola die Mühle erreichte . Die Frau Klaudine schrie nicht auf und sprang nicht auf , sie streckte nur den Eintretenden beide Hände entgegen und rief : » Mein Kind , meine liebe , liebe Tochter , nun bist du heimgekehrt , nun hab ich dich ganz und lasse dich nimmermehr von mir . Siehst du , die Verlorenen , die Toten kehren doch zurück ! Die mit hundert Ketten in der tiefsten Knechtschaft gebunden lagen , können sich losringen oder können von ihren bösen Herren selbst mit Lachen in die Freiheit hinausgestoßen werden . Nikola , meine Tochter , jetzt hat niemand mehr einen Anspruch auf deine Seele als ich - hörst du ? Niemand ! Niemand ! Keiner in der Nähe und in der Ferne : keiner in der Vergangenheit und in der Zukunft ; keiner in der ganzen weiten Welt ! Die einen haben nun alle Rechte an dich aufgegeben ; die andern mußtest du selber von dir weisen ; nur mich allein darfst du jetzt lieben ; nur meine Tochter , mein Kind darfst du sein ; denn sieh , das ist das schöne süße Innerste des herbsten Schmerzes , daß , wenn es nicht so wäre , du ja auch gar nicht zu mir kommen durftest ! Du bist betäubt , aber die Stunde ist nicht fern , wo du selbst an deine Freiheit glauben wirst . Sei still und gedulde dich ; es gehen Jahre vorüber wie ein Tag , das ist ein altes Wort ; aber nicht immer ist der Mensch fähig , seinen ganzen guten und tröstlichen Inhalt zu fassen . « Es war im Anfange nur der Klang der Stimme der Frau Klaudine , welchen Nikola von Glimmern vernahm