den Park ? fiel ihr der Knabe in die Rede , der sich nach Kinderweise schnell erheiterte und dadurch auf die angenehmen Vorstellungen verfiel , welche ihn im Stillen oftmals beschäftigt haben mochten . Nein , entgegnete sie , indem sie traurig auf ihn niederblickte , nie ! Wir kommen beide nicht hinein , nicht Du , nicht ich ! Aber leben wollen wir bleiben , leben will ich bleiben für die Eltern und für Dich ! - Leben ! rief sie noch einmal , tief Athem schöpfend , indem sie sich emporrichtete ; leben und lieben , helfen und retten , und auch mich selbst erretten will ich ! Eilftes Capitel Das Zerwürfniß zwischen dem Präsidenten und seiner Freundin war ein unheilbares geblieben , aber die Kriegsräthin hörte , als eine kluge Frau , bald auf , dies zu beklagen . Sie behauptete , in ihres Mannes Freundschaft Ersatz zu finden , und die Leute waren geneigt , ihr dies zu glauben . Sie erschien nicht mehr so oft allein in der Gesellschaft und an öffentlichen Orten , Herr Weißenbach verlegte sein Arbeitszimmer neben ihre Wohnstube , und wenn er sich gegen Herrn Flies auch häufig darüber beschwerte , daß es ihm gar zu viel Zeit und Geld koste , beständig den Begleiter seiner Frau zu machen , so mußte er doch seine Gründe haben , sie nicht mehr wie früher sich selber zu überlassen . Im Uebrigen änderte das Fortbleiben des Präsidenten in der Lebensweise der Familie nichts , bis kurz vor dem Herannahen eines neuen Jahres der Kriegsrath einmal eine lange und geheime Unterredung mit seinem Hausherrn gepflogen hatte . Was dabei verhandelt worden war , darüber sprachen beide nicht ; es fiel aber den Freunden der Kriegsräthin auf , daß sie von Neujahr ab ein paar Zimmer ihrer Wohnung an den Architekten überließ , den sie in der Familie ihres Wirthes kennen gelernt hatte . Jeder , der es von ihr hören wollte , konnte jetzt von der Kriegsräthin vernehmen , wie erwünscht die Gesellschaft eines Mannes von Herbert ' s Namen und Bildung ihr für ihre stille Häuslichkeit dünke ; aber sie war jetzt eben so wenig als früher in der Lage , sich den Anforderungen ihrer weit verbreiteten Geselligkeit zu entziehen , und Herbert hatte es auch nicht auf den Umgang mit der schönen Laura abgesehen , als er sich für die Wohnung entschied , welche sie zu vermiethen wünschte . Seit er , bei seinem ersten Verweilen in der Familie Flies , Seba ' s Zusammenbrechen bei der Erwähnung der sündhaften Wette des Grafen Berka erlebt , hatte sich Herbert überzeugt gehalten , daß sie selbst der unglückliche Gegenstand jener Wette gewesen sei . Er war bald wieder in das Haus gekommen , sich , wie die Höflichkeit es forderte , nach ihrem Ergehen zu erkundigen , und ihr tiefes , stilles Seelenleid hatte ihr sein männliches Mitleid gewonnen . Fern von jener Neugier , die für den Leidenden so quälend ist , weil sie für ihn die Nothwendigkeit der Selbstbeherrschung steigert , behandelte er sie mit der Voraussetzung , daß sie unglücklich sei , und die vorsichtige Weise , mit der er ihrem trüben Sinne hier und da eine freundliche Vorstellung unterzuschieben wußte , bot ihr durch eine lange Zeit das einzige Labsal , für das sie empfänglich war . Er muthete ihr nicht zu , sich des eigenen Daseins zu erfreuen , er verlangte niemals , daß sie von sich spreche ; aber er erzählte ihr von seinen Reisen , von seinen Erlebnissen , von seinem Aufenthalte auf Schloß Richten und in Rothenfeld ; und , herzenskundig durch den eigenen Schmerz , errieth sie , was er ihr nur zögernd anvertraute : den Zwiespalt , unter dem er sich zwischen der Gräfin und Eva bewegt , die Kränkung , welche er erfahren hatte , und die Ueberwindung , die es ihn jetzt kostete , so oft er nach Richten gehen mußte . Daß er nicht völlig mit sich einig , daß auch er noch ein in seiner Entwicklung Begriffener war , machte ihn Seba nur noch werther . Wenn sie ihn ermuthigte , sprach sie sich selber damit Muth ein ; wenn sie sich gelegentlich zu erheitern strebte , erheiterte dieses Bestreben sie selbst , und wenn sie , erhoben von dem Gedanken , daß sie einem Andern , einem edlen jungen Manne doch noch etwas zu leisten und zu sein vermöge , sich einmal freier gehen ließ , so ward er für seinen selbstlosen Antheil an ihr , durch den Einblick in ein liebevolles , reiches Herz belohnt , das glücklich zu sein verdiente und sich doch des Rechtes , es jemals zu werden , für verlustig hielt . Wie man nach langer , schwerer Krankheit mit Rührung aufs Neue ins Leben tritt und mit zagendem Erstaunen wieder die ersten Schritte wagt , so bewegt fühlte sich Seba , nachdem sie zu dem Entschlusse gelangt war , sich aufzurichten , um ihrer Eltern , um des fremden Knaben willen . Alles erschien ihr neu . Die Zärtlichkeit ihrer Eltern dünkte ihr größer , als je zuvor , denn sie nannte sie ein unverdientes Glück , dessen sie sich würdig machen müsse . Sie erschrak vor der langen Reihe von Tagen , die sie in ihrem dumpfen Schmerze verloren ; sie hatte sie den Eltern entzogen und mußte diese dafür entschädigen . Jede Stunde wurde ihr werth , jeder Tag kostbar , denn es galt , eine Schuld der Dankbarkeit zu zahlen , Liebespflichten zu erfüllen und dem Lebenszwecke zu genügen , den sie sich in der Erziehung Paul ' s gestellt hatte . Wenn die Mutter ihre Freude darüber aussprach , daß der Blick der Tochter sich erhelle , wenn der Vater es mit Genugthuung bemerkte , daß sie sich wieder mit erhöhtem Eifer ihren früheren Beschäftigungen und Studien überließ , und wenn beide geneigt waren , diese glückliche Wandlung auf Herbert ' s Einfluß zu schieben , so pflegte