durch die Thür , welche in die rothe Stube führte . Oldenburg hatte sich an den Kamin gestellt , seine kalten Hände zu wärmen . Tausend Gedanken auf einmal wirbelten durch sein Hirn , er schritt ein paarmal durch das Gemach , dann stellte er sich wieder an den Kamin . Melitta hatte Recht , murmelte er . Ehe dies Unrecht nicht gesühnt ist , kann von Glück für mich nicht die Rede sein . Und wie soll es gesühnt werden ? Ist es doch der Fluch der bösen That , daß sie fortzeugend Böses muß gebären . Es war der Schatten von heute , der gestern schon auf unsere Seele fiel . Wie stumpfsinnig war ich , wie verblendet von Leidenschaft , daß ich die Mahnung nicht verstand ! Aber es ist entsetzlich , daß die Erinnyen uns bis in den Tempel verfolgen , wo wir uns reinigen wollten von aller Schuld , bis in das Heiligthum , das unser ganzes Glück umschließt . Das Rauschen eines Gewandes hinter ihm schreckte ihn empor . Er wandte sich um , und vor ihm stand Melitta , blaß und ernst , die schönen , lieben Augen glänzend von der Spur frisch geweinter Thränen . Melitta , sagte Oldenburg , die Hände nach ihr ausstreckend , kannst Du mir verzeihen ? Ich habe Dir nichts zu verzeihen , Adalbert , erwiderte sie , ihre Hände in die seinen legend , laß uns geduldig tragen , was wir doch tragen müssen . Sie sahen sich ein paar Momente schweigend in die Augen . Es liegt noch Manches zwischen uns , sagte Oldenburg traurig , ich kann Dir nicht bis auf den Grund der Seele schauen . Wir müssen eben geduldig sein , sagte Melitta . Oldenburg ließ ihre Hände los . Wie geht es ihr ? Sie ist sehr schwach ; in einem Zustand zwischen Schlafen und Wachen ; aber sie erkennt mich wohl und hat schon mehrmals nach Dir gefragt . Ist Czika bei ihr ? Ja . Darf ich sie sehen ? Laß mich erst einmal allein hingehen . Ich komme alsbald zurück . Nach einigen Minuten , während deren Oldenburg mit untergeschlagenen Armen , die Augen nicht vom Boden hebend , in dem Saale auf- und abgegangen war , erschien Melitta wieder in der Thür : Komm ! Oldenburg folgte ihr durch die rothe Stube , in ein halbdunkles Gemach , Melitta ' s Schlafgemach . Es war das erste Mal in seinem Leben , daß er es betrat , und während sie hindurch gingen , fuhr ihm der Gedanke durch den Kopf , welch ' verhängnißvoller Augenblick ihm dem Zutritt in dieses Heiligthum verschaffte . An der Thür auf der entgegengesetzten Seite blieb Melitta stehen und flüsterte : hier ist sie . Sie traten ein . Es war ein großer , äußerst stattlicher , in der Rococomanier überladen decorirter und möblirter Raum , der zu den Fremdenzimmern in der Fronte des Hauses gehörte . Schwere gelbseidene Vorhänge verhüllten die Fenster ; die Stühle und Sophas waren mit demselben Stoff überzogen , der getäfelte Fußboden blinkte in dem Schein des Feuers , das in dem Kamin brannte . Auf dem von Amoretten getragenen Sims des Kamins stand eine vergoldete Stutzuhr , die den von Genien und Schmetterlingen umflatterten Eingang einer Grotte darstellte , aus deren Oeffnung , so oft die Stunde schlug , ein Sensenmann hervortrat . Gemälde im Geschmack jener Zeit , mit gezierten Schäfern und wohlfrisirten Schäferinnen in breiten , verschnörkelten Goldrahmen schmückten die Wände . Von der Stuckdecke hing ein mächtiger Kronleuchter von Glaskrystallen , die bei dem wechselnden Licht , das in dem Gemache herrschte , in allen Farben des Regenbogens spielten . Und inmitten dieser Pracht , in einem großen Himmelbette , dessen seidene Vorhänge halb zurückgeschlagen waren , ruhte auf schneeigen Kissen , ein armes , todtkrankes Weib , das im fernen Ungarlande hinter einer Hecke das Licht der Sterne erblickt und Zeit ihres Lebens nur in Scheunen und Ställen und öfter noch auf der öden Haide unter freiem Himmel , oder im wilden Walde unter hohen Buchenhallen die Nächte zugebracht hatte . Ihre großen , im Fieber erglänzenden Augen wanderten unruhig über all ' die Herrlichkeiten , die sie umgaben , hin und blieben dann immer wieder auf ihrem Kinde haften , als sei dies der einzige Punkt , wo ihr geängstigter Geist sich wieder auf sich selbst besinnen könnte . Czika stand vor dem Bett , gekleidet in die phantastisch bunte Tracht , die sie zu tragen pflegte . Ihr schönes Gesichtchen war noch ernster und sorgenvoller als sonst . Sie verwandte keinen Blick von der Mutter . Man sah ihr an , daß sie ein volles Verständniß der Lage hatte ; daß sie sehr wohl wußte , daß es der Tod sei , der ihrer Mutter braune Wangen so gelb und die rothen Lippen so bleich machte , und mit so großen kalten Schweißtropfen die schmerzlich gefurchte Stirn bethaute . An einem Tischchen in der Nähe des Bettes stand der alte Baumann . Er war eifrig beschäftigt , einen kühlenden Trank zu bereiten , und er blickte von seiner Beschäftigung kaum auf , als jetzt Melitta und Oldenburg geräuschlos in das Zimmer traten . Aber das scharfe Ohr der Kranken hatte sie wohl gehört . Ein schwaches Lächeln der Befriedigung flog über ihr verwüstetes Gesicht . Sie winkte die Beiden mit den Augen zu sich heran . Czika war , wie sie an das Bett traten , zwischen sie zu stehen gekommen . Xenobia schien das mit Befriedigung zu sehen . Das Lächeln wurde heller , dann verschwand es wieder , und in ihrem gebrochenen Deutsch sagte sie : Legt Eure Hände auf Czika ' s Kopf ! Oldenburg und Melitta thaten es . Oldenburgs Hand zitterte , als er die weichen Locken des schönen jungen Hauptes berührte . Und gebt mir die beiden andern Hände ! Xenobi nahm die Hände und als sie die Kette so geschlossen sah , murmelte