, daß die Frösche mit Jubel einfallen , die Heimchen mitschrillen ... Alles neckt sich ... Blume und Käfer ... bis endlich die Sonne am fernen Horizont mit rosigen Streifen sich ankündigt ... Willkommen o seliger Morgen ... Alles blitzt im Thau ... es läutet zur Messe ... dann Wagengerassel ... es kommen vornehme Abbates und Prälaten ... die Kinder des Hauses spielen mit ihnen nach der Andacht , spielen selbst mit dem Strick des Franciscaners , der am Abend die Noten umschlug , und lassen ihn Pferdchens springen ... dazu summen die Bienen , schwirren die Käfer ... und wenn bei Tisch auch noch soviel Wein aus schönen hochgespitzten bunten Gläsern getrunken wird und braunglänzende Braten hoch aufgetragen werden , wie in den Bildern des Paul Veronese ... es geht doch heilig und weltlich immer in eins ... die Reste des Mahls und Wein , diesen in einer hohen strohumwundenen Flasche , schickt man dem frommen Eremiten Federigo unter den Eichen von Castellungo , der dafür die Kinder mit Bildchen beschenkt , die er in seiner einsamen Hütte malt ... oder sie das schwere , wie Steine rasselnde Deutsch lehrt , wenn es zufällig Kinder eines italienischen Conte sind ... oder ihnen in seinen hohlen Eichen Rendezvous vermittelt , wenn sie größer werden und verliebt sind ... Doch sehen Sie nur , unterbrach sie sich in ihrer Schilderung plötzlich selbst ; es gibt wirklich ein Wetter ! Sie Glückliche , lachte Benno , Sie können Ihre Phantasie zu Hülfe nehmen , wenn nicht alles auf der Dechanei so zutrifft , wie Sie ' s sich gedacht und ausgemalt haben ! Ganz recht , bestätigte Lucinde , eben die Dechanei , die dacht ' ich mir so ... mutatis mutandis - Mutatis mutandis ? wiederholte Benno und sah sie , erstaunend über ihr Latein , an . Ich meine die Kinder ... Verstehe ! Verstehe ! Es trat eine Pause ein , in der Lucinde den Triumph genießen konnte , sich sagen zu dürfen : Du kalter , eingebildeter junger Mensch , glaubtest mich so über die Schultern ansehen und nach den Aussagen der alten Renate , Grützmacher ' s und wer weiß , ob nicht auch deines so grausamen , so tugendkalten und mich glücklichunglücklich machenden Bonaventura beurtheilen zu können ! Und auch Benno fühlte vollkommen , was sie dachte . Nach einer Weile sagte er : In der Hauptsache werden Sie es wirklich so in der schönen Dechanei finden ! Sie könnte allerdings ganz in ein Gedicht von Clemens Brentano passen ! Selbst die Pfauen fehlen nicht ! Noch mehr , der Onkel hat einen alten Diener , dem er gestattet in den Sternen zu lesen ... Das ist schlimm für seine Teller ! unterbrach sie . Aber ? Frau von Gülpen ... Frau von Gülpen ? Benno zuckte die Achseln und deutete an , daß mit diesem Namen die in Kocher am Fall zu erwartende Poesie ein Ende hätte . Lucinde verstand diese Geberde . Mit tiefschneidender Ironie sagte sie : Also Frau Renate die Zweite ! Und wie sie dann hinzufügte : O Männer ! Männer ! ... so war dies doch ein Ton , als hätte Benno aufspringen müssen , ihre Arme zu fassen und sie niederzudrücken mit den Worten : Schwaches Weib , glaubst du denn allmächtig zu sein ? ... Es war der Glutenstrom , den Armgart gestern aus ihr herausgehen gefühlt hatte , der Glutenstrom , unter dessen Gewalt vielleicht die Gräfin Paula vergangen wäre , wenn sie nicht Bonaventura durch ihre Entfernung gerettet hätte ; aber auch der Glutenstrom wieder , der ihm sympathische Naturen heben und zum Gefühl der Unsterblichkeit hätte beleben können und von dem sich trennen zu müssen einst Klingsohrn zur Verzweiflung brachte . Zum Glück für Benno ' s sich mehrende Aufregung gab es Zerstreuungen am Wege und bald auch kühlte er sich ab durch Lucindens rückkehrende Koketterie . Sie sprach von Armgart und verrieth ihre Absicht , ihren Begleiter zu Vergleichungen zu veranlassen . Nun war es aber doch wie eine sanfte Musik , die über Benno sich ergoß , als er Armgart so nennen hörte . Mit jener ironischen Schärfe , die seinen Zügen nicht bitter oder gar faunisch wie Klingsohrn , nicht elegisch wie Serlo stand , sondern die eine große Anmuth in dem männlichen , edelgeformten Antlitz verbreitete , die schönsten Zähne zeigte und den Augen eine schelmische Gutmüthigkeit lieh , sagte er : Lieber Himmel , mein Fräulein ! Sind Sie denn wirklich schon so alt , daß Sie sich an Armgart ' s Jugend ewig rächen zu müssen glauben ! Lassen Sie doch die Kleine noch so kindisch sein wie sie ist ! Hedemann , wie oft haben Sie ihr die Rettungsthat aus Canada erzählen müssen ? Hedemann wandte sich und sagte , er selbst hätte das nur einmal gethan , aber Herr de Jonge wol ein Dutzend mal . Herr de Jonge ! fuhr Lucinde , die Vennon über seine Aeußerung nicht zürnte , fort . Wer ist Herr de Jonge ? Ein Reisegefährte des Herrn Hedemann ? Erzählen Sie ! Wir genießen das Gefühl , noch im Trockenen zu sitzen ! Sehen Sie nur dort drüben , oberhalb der schwarzen Berge , wie es da schon niedergießt ! In Kocher am Fall ! bestätigte Benno mit nachdenklichem und zerstreutem Tone . Also , Herr Hedemann ! Die Rettung aus Canada ! Wer ist Herr de Jonge ? Sie werden ihn vielleicht in der Dechanei finden ! erwiderte Hedemann und um gleichsam auf diese Art der Erzählung überhoben zu sein . In der Dechanei ? Um so mehr müssen wir auf ihn vorbereitet sein ! Wer ist gerettet worden ? Wer hat gerettet ? Erzählen ! Erzählen ! Diesem Humor ließ sich nicht widerstehen ... Benno zündete sich eine neue Cigarre an und begann : Das beste Schiffsbauholz - Hedemann hielt sich auf dem Bock die Ohren zu , als wollte er sagen : Diese tausendmal wiederholte Geschichte ! Ich