? Keiner braucht mehr zu zählen als drei , der hinunter will ... und wir schweben und gleiten in den Tod , dann bin ich kein Mönch mehr und darf den Arm schlingen um Euch - « Er schlug mit der Faust auf Herrn Burkhards Grab : - » Und der da unten schläft , soll mir ' s nicht wehren ! Wenn er kommt , der Alte : ich lass ' Euch nicht , und wir schweben wieder zum Turm empor und sitzen , wo wir saßen , und lesen den Virgil zu Ende , und Ihr müßt die Rose im Stirnband tragen , als wär ' nichts geschehen ... Dem Herzog schließen wir ' s Tor zu und über alle böse Zungen lachen wir , und die Menschen sprechen dann , wenn sie am Winterofen sitzen : Das ist eine schöne Geschichte vom treuen Ekkehard , der hat den Kaiser Ermanrich erschlagen , da er die Harlungen aufhing , und dann ist er mit seinem weißen Stab vor Frau Venus Berg gesessen , viel hundert Jahr und hat gemeint , er wolle bis zum Jüngsten Tag die Leute warnen , die zum Berg wallen245 ; aber hernachmals ist ' s ihm langweilig worden , und er ging durch und ward ein Mönch in Sankt Gallen und fiel sich zu Tode , und jetzt sitzt er bei einer blassen Frau und liest Virgil , und es klingt mitternächtig durchs Hegau : » Den unsäglichen Schmerz zu erneuen , gebeutst du , o Königin , mir ! « und sie muß ihn küssen , ob sie will oder nicht - der Tod holt nach , was das Leben versäumt ! « Er hatte gesprochen mit irrem Blick . Jetzt brach er zusammen in leisem Weinen . Frau Hadwig war unbewegt gestanden , es war , als ob ein Flimmer von Mitleid ihr kaltes Aug ' durchleuchte , sie beugte sich nieder . » Ekkehard ! « sprach sie , » Ihr sollt nicht vom Tod sprechen . Das ist Wahnsinn . Wir leben , Ihr und ich ... « Er bewegte sich nicht . Da legte sich ihre Hand leicht über das fieberheiße Haupt . Es strömte und flutete durch sein Gehirn . Er sprang auf . » Ihr habt recht ! « rief er , » wir leben . Ihr und ich ! « Tanzende Nacht legte sich um seinen Blick ; er tat einen Schritt vor , seine Arme schlangen sich um das stolze Frauenbild , wütend preßte er sie an sich , sein Kuß flammte auf ihre Lippen , ungehört verklang der Widerspruch . Er hob sie hoch gegen den Altar , als wäre sie ein Weihgeschenk , das er darbringen wollte : » Was hältst du die goldglänzenden Finger so ruhig und segnest uns nicht ? « rief er zum düster ernsten Mosaikbild hinauf ... Die Herzogin war zusammengeschrocken wie ein wundes Reh ; - ein Augenblick , da ballte und bäumte sich alles in ihr von gekränktem Stolz ; sie stieß den Rasenden mit starker Hand vor die Stirn und entstrickte sich seinem Arm . Noch hielt er ihre Hüfte umschlungen , da tat sich die Pforte der Kirche auf ; ein greller Strahl Tageslicht drang ins Düster - sie waren nicht mehr allein . Rudimann , der Kellermeister von Reichenau , trat über die Schwelle , Gestalten erschienen im Grunde des Burghofs . Die Herzogin war entfärbt in Scham und Zorn , eine Flechte ihres dunkeln Haupthaars wallte aufgelöst über den Nacken . » Entschuldigt « , sprach der Mann von Reichenau mit grinsend höflichem Ausdruck , » meine Augen haben nichts geschaut ! « Da rang Frau Hadwig sich von Ekkehard los . » Doch - und doch - und doch ! Einen Wahnsinnigen habt Ihr geschaut , der sich und Gott vergessen ... Es wär ' mir leid um Eure Augen , ich müßte sie ausstechen lassen , wenn sie nichts erschaut ... « Es war eine unsäglich kalte Hoheit , mit der sie ' s dem Betroffenen entgegenrief . Da erklärte sich Rudimann den seltsamen Vorgang . » Ich habe vergessen « , sprach er mit Hohn , » daß dort einer von denen steht , auf die weise Männer das Wort des heiligen Hieronymus gezogen : Ihr Gebaren ziemt sich mehr für einen Stutzer und Bräutigam denn für einen Geweihten des Herrn . « Ekkehard stand an eine Säule gelehnt , die Arme in die Luft erhoben wie Odysseus , da er den Schatten seiner Mutter umfahen wollte ; Rudimanns Wort riß ihn aus dem Fiebertraum . » Wer tritt zwischen mich und sie ? « rief er drohend . Aber Rudimann klopfte ihm mit unverschämter Vertraulichkeit auf die Schulter : » Beruhigt Euch , guter Freund , wir haben nur ein Brieflein an Euch abzugeben , der heilige Gallus kann seinen weisesten Schüler nicht länger draußen lassen in der wankenden , schwankenden Welt , Ihr seid heimgerufen ! - Vergeßt den Stock nicht , mit dem Ihr die Mitbrüder mißhandelt , die im Herbst gern einen Kuß pflücken , keuscher Sittenrichter ! « flüsterte er ihm ins Ohr . Ekkehard trat zurück . Sehnsucht , Wut der Trennung , glühend Verlangen und daraufgegossener Hohn stürmten in ihm ; er rannte auf Frau Hadwig , aber schon füllte sich die Kapelle . Der Abt von Reichenau war selber gekommen , die Freude von Ekkehards Heimrufung zu erleben . » Es wird schwer halten , daß wir ihn losbekommen « , hatte er zum Kellermeister gesagt . Es ward leicht . Mönche und Gefolgsleute traten mit ein . » Sacrilegium ! « rief ihnen Rudimann entgegen , » er hat vor dem Altar die buhlerische Hand zu seiner Gebieterin erhoben ! « Da schäumte Ekkehard auf . Der Herzens heiligst Geheimnis von frecher Roheit entweiht , eine Perle vor die Schweine geworfen ... er riß die ewige Lampe herunter , wie eine Schleuder schwang er das eherne Gefäß ; das Licht