nicht weiter zu verbreiten . Elisabeth hielt fest an ihrer Liebe , Jaromir selbst hatte diese Ueberzeugung gewonnen . Aber Thalheim war schmerzlichst bewegt . Er hatte Amalien wiedergesehen , seine treue Liebe zu ihr war plötzlich in all ihrer frühern sanften Größe wieder aufgewacht - da hatte sie ihm durch die halb wahnsinnig gesprochenen Worte gezeigt , wie unwerth sie seiner Liebe sei - und wie er jahrelang sie bei sich entsämldigt , mit ihr Geduld gehabt und Nachsicht mit ihrer Schwäche und ihren Launen , was Monate lang , als sie in steter Vereinigung zusammen lebten , ihm entgangen war , - das trat jetzt in dem einen Augenblick des Wiedersehens in seiner widerwärtigsten Gestalt vor ihn hin - als er Amalien wieder und gerade so gehässig sprechen hörte - so starb plötzlich seine Liebe zu ihr , endete sein Mitleid - er fühlte , wie sie beides nicht mehr werth sei , und sein Inneres wendete sich mit Verachtung von ihr ab . Nur fühlte er , daß sie darin Recht hatte : sie wollten sich nicht wiedersehen , sie waren getrennt für immer ; sie hatten einander auch Nichts mehr zu sagen . Am Liebsten wäre er nun gleich abgereist und hätte den Ort verlassen , wo er ihr wieder begegnen konnte . Aber Eduin von Golzenau wollte noch bleiben bis zu Jaromir ' s Rückkehr . Denn wie es manchmal geht , so hatte erst Eduin Jaromir in Hohenheim verfehlt und dann war Jaromir gerade in einer Stunde zu dem Rittmeister gekommen , als Eduin ausgeritten gewesen , so hatte Jaromir abreisen müssen und die beiden Verwandten , die einander von frühern Zeiten her noch innig zugethan waren , hatten sich noch gar nicht einmal begrüßt . - Die Gesellschaft war in dem Gartensalon des Rittmeisters von Waldow bereits versammelt - nur Jaromir fehlte noch . Eduin und Elisabeth warteten auf ihn mit gleicher Ungeduld . Dem unbestimmten Zuge der Herzen folgend , hatte dies Gefühl einer gewissen Leere und einer sehnsüchtigen Erwartung sie einander nahe gebracht , und sie freute sich innig der liebevollen Aeußerungen des Jünglings , mit welchen er schwärmerisch von ihrem Jaromir als seinem Ideal sprach . Auch Thalheim saß in ihrer Nähe und sie würde sich ganz dem freundlichen Behagen an diesem Zusammensein überlassen haben , wenn sie nicht mit einer noch süßern Erwartung für die kommenden Stunden beschäftigt gewesen wäre . Aarens war auch da , er behandelte Elisabeth mit kalter Höflichkeit und machte , wie es schien , auf eine ziemlich absichtlich bemerkbare und auffallend zudringliche Weise Aurelien den Hof . Diese , welche nicht wußte , welche andern Absichten er noch kurz vorher gehegt , nahm diese Huldigungen mit sichtlichem Wohlgefallen auf und ward durch sie in die heiterste und muthwilligste Laune versetzt . Waldow , der Neffe , war noch immer der treue Schatten der Geheimräthin von Bordenbrücken , welche , indem sie alle ihre Bemühungen , auf Szariny einen Eindruck zu machen , hatte scheitern sehen , gegen diesen nun einen erbitterten Groll gefaßt hatte , welcher sie , nachdem es ihr mißlungen war , ein blindes Werkzeug für die Untersuchungscommission ihres Gatten zu sein , vielleicht um so brauchbarer zu einem sehenden machte , da ihr gekränkter Stolz sich gern für ihre vernachlässigten Bemühungen an Jaromir gerächt hätte . Die übrige Gesellschaft bestand außer den bereits bekannten noch aus mehreren unbedeutenderen Badegästen und den Bewohnern und Besitzern benachbarter Rittergüter . Die Stunden waren vergangen - Jaromir war noch nicht gekommen . Man setzte sich zur Tafel und er war noch immer nicht da - Elisabeth ward blässer und stiller und suchte dann doch wieder durch lebhafteres Sprechen ihre innere Unruhe zu verbergen . Eduin stürzte in seinem Unmuthe manches Glas Wein hinunter und ward dadurch nur immer ungeduldiger . Die Gräfin Hohenthal sah sehr kalt und unbeweglich aus wie immer , wenn sie irgend eine innere Erregtheit zu verbergen hatte . Die Anwesenden flüsterten sich hier und da , mit Blicken auf Elisabeth , Bemerkungen zu , welche sie zum Gegenstand hatten , aber ja nicht von ihr gehört werden durften . Es schien Elisabeth , als habe man schon ewig bei Tafel gesessen , als man endlich aufstand , um in den Garten zu gehen , wo ein Feuerwerk angebrannt werden sollte . Eduin war vom Wein aufgeregter als gewöhnlich - er nahm Elisabeths Arm und sagte heftig : » Kommen Sie mit mir , denn die Andern amusiren sich und warum sollen Ihretwegen warme Herzen sich Zwang anthun und lachen , wo sie weinen mögten ? « Sie ging mit ihm . - Als sie dann im Garten von der Gesellschaft etwas entfernt im Gebüsch standen , rief es plötzlich hinter ihnen : » Elisabeth ! « Sie erkannte Jaromir ' s Stimme und sank in seine Arme . Dann bewillkommnete er Eduin : » Endlich ! « rief dieser . » Wie oft hab ' ich mich , seit ich in den Alpen Dein Bild fand , nach dieser Stunde gesehnt , nun hattest Du sie immer weiter hinausgeschoben und doch hatte ich gerade Dich jetzt Viel zu fragen , Du solltest mir erzählen von der herrlichen Frau , an die ich Dein Bild wieder zurückgab , ich muß sie wiedersehen , weißt Du , wo ich sie finden kann ? « Jaromir sah ihn verwundert an , denn er konnte ihn nicht verstehen . Aber aus Eduin sprach der Rausch , der sich jetzt nur noch vermehrt hatte , als er aufgestanden und in das Dunkel getreten war , aus dem doch jetzt die unruhigen Gebilde des Feuerwerks vor ihm aufzitterten , er rief laut : » Du liebst ja nur Elisabeth - gieb mir Bella , - aber sie liebt Dich auch - und Du konntest sie vergessen ! - Wie kann man jemals einer Bella untreu werden ? « Jaromir schwieg . » Sie ist in der Residenz - Jaromir ! - Du bist bei ihr gewesen !