' s ihm zurückgeben oder nachschicken , wenn er in Aschaffenburg ist , verschieb ' s nicht . Bettine Ich hab unwillkürlich meinem Brief da mit Aufträgen ein End gemacht und wollte Dir noch so viel anders sagen über Moose und über Pflanzen , die ich im Wald gefunden hab , reine architektonische Figuren . Sind Worte nicht einzelne architektonische Teile ? Sind sie nicht symmetrisch zu ordnen im Gedanken ? - Ein Wort ist immer schön an sich , aber Gedanken sind nicht schön , wenn die schönen Worte nicht in einer heiligen Ordnung ihn aussprechen ; es gibt aber eine gewisse romantische Unordnung oder vielmehr Zufallsordnung , die so was Lockendes , ja ganz Hinreißendes hat in der Natur ; die einem so mit Lust und Lieb durchdringt , daß sie allen Luxus und alle Erhabenheit weit überwiegt in ihrer Verwandtschaft mit der Seele ; so hab ich mir immer gedacht , wenn in Feenmärchen über Nacht ein prächtiger goldner Palast entstand gegenüber der Hütte von zwei Bettelkindern , wie traurig es sei , daß die nun die Mooshütte verlassen müßten , um in den stolzen Palast zu ziehen , und dann war mir bang , er könne die Gegend verstecken , und nichts deucht mir schöner , als wenn die Natur ihre Launen zärtlich durchflechten kann , wo der Mensch etwas einrichtet ; sollte das nicht im Gefühl , im Gedanken auch sein ? - Sollte Poesie nicht so vertraut mit der Natur sein wie mit der Schwester und ihr auch einen Teil der Sorge überlassen dürfen ? - So daß sie manchmal ihre geheiligten Gesetze ganz aufgäb aus Liebe zur Natur und alle sittlichen Fesseln sprengt und ihr sich in die Arme stürzt voll heißem Drang , ungehindert nur an ihrer Brust zu atmen . Ich weiß wohl , daß die Form der schöne untadelhafte Leib ist der Poesie , in welchen der Menschengeist sie erzeugt ; aber sollte es denn nicht auch eine unmittelbare Offenbarung der Poesie geben , die vielleicht tiefer , schauerlicher ins Mark eindringt , ohne feste Grenzen der Form ? - Die da schneller und natürlicher in den Geist eingreift , vielleicht auch bewußtloser aber schaffend , erzeugend , wieder eine Geistesnatur ? - Gibt ' s nicht einen Moment in der Poesie , wo der Geist sich vergißt und dahin wallt wie der Quell , dem der Fels sich auftut ? Daß der nun hinströmt im Bett der Empfindung , voll Jugendbrausen , voll Lichtdurchdrungenheit , voll Lustatmen und heißer Lieb und beglückter Lieb ; alles aus innerer Lebendigkeit , womit die Natur ihn durchdringt ? - In Deinen Gedichten weht mich die stille Säulenordnung an , mir deucht eine weite Ebne ; an dem fernen Horizont rundum heben sich leise wie Wellen auf beruhigtem Meer die Berglinien ; senken und heben sich wie der Atem durch die Brust fliegt eines Beschauenden ; alles ist stille Feier dieses heiligen Ebenmaßes , die Leidenschaften , wie Libationen von der reinen Priesterin den Göttern in die Flammen des Herdes gegossen , und leise lodern sie auf - wie stilles Gebet in Deiner Poesie , so ist Hingebung und Liebesglück ein sanfter Wiesenschmelz tauigter Knospen , die auf weitem Plan sich auftuen dem Sternenlicht und den glänzenden Lüften , und kaum , daß sie sich erheben an des Sprachbaus schlanker Säule , kaum daß die Rose ihren Purpur spiegelt im Marmorglanz heiliger Form , der sie sich anschmiegt ; so - verschleiernd der Welt , Bedeutung und geheime Gewalt , die in der Tiefe Dir quellen - durchwandelt ein leiser schleierwehender Geist jene Gefilde , die im Bereich der Poesie Du Dir abgrenzest . - So ist mir immer , wenn ich mich erkühne , aus meinem kindischen Treiben hinaufzuschauen nach dem Deinen , als säh ich eine geschmückte Braut , deren priesterliche Gewande nicht verraten , daß sie Braut ist , und deren Antlitz nicht entscheidet , ob ihr wohl ist oder weh vor Seligkeit . - Mir aber liegt ein Schmerz in der Seele , den ich oft unterdrückte in Deiner Gegenwart , und was mir schwer war ; aber eine geheime Sehnsucht , Dich Dir selber zu entführen , Dich Dir selber vergessen zu machen , nur einmal jene Säulengänge , vor denen die Myrte schüchtern erblüht , zu verlassen und in meiner Waldhütte einzukehren , auf ihrer Schwelle am Boden sitzend mit mir , von tausend Bienchen umsurrt , die sich satt trinken in meines Gartens blühenden Kelchen , von den Tauben zärtlich umflattert , die unter mein Dach heimkehren am Abend und da mehr zu Haus sind , mehr Wirtschaft machen als Freundschaft und Liebe der Menschen , denn sie behaupten ihr Vorrecht , alle Gedanken zu übertönen mit ihrem Gegurre . Ja , so erschein ich mir im Geist gegen Dir über , Du mein liebstes Gut ! - So seh ich Dich dahinwandeln , am Hain vorüber , wo ich heimatlich bin ; nicht anders als ein Sperling , vom dichten Laub versteckt , den Schwan einsam rudern sieht auf ruhigen Wassern und sieht heimlich , wie er den Hals beugt mit reiner Flut sich überspülend , und wie er Kreise zieht , heilige Zeichen seiner Absonderung von dem Unreinen , Ungemessnen , Ungeistigen ! - Und diese stillen Hieroglyphen sind Deine Gedichte , die bald in den Wellen der Zeiten einschmelzen , aber es ist segenwallender Geist , der sie durchgeistigt , und es wird einst Tau niederregnen , der aufstieg von Deinem Geist . Ja , ich seh Dich , Schwan , ruhig Zwiesprache haltend mit den flüsternden Schilfen am Gestade und dem lauen Wind Deine ahnungsvollen Seufzer hingebend und ihnen nachsehend , wie er hinzieht , weit , weit über den Wassern - und kein Bote kommt zurück , ob er je landete . - Aber keinen Geist tragen die Schwingen so hoch , daß er die Weite erfasse mit einem Feuerblick , es sei denn , er fache das heilige Schöpfungsfeuer mit