auch eine Rammelei dabei gibt ; und dafür , denk ' ich , ist diesmal gesorgt . « » Wie so ? « fragte ich . » Curiose Frage , das ! Es ist ja die ganze Hetze der Frommen rings aus der unendlichen Nachbarschaft hergekommen , um einmal zu sehen , wie die Gottlosen ihren Sabbath feiern , und wenn die Böcke mit ihrem Widerspiel zusammentrafen , da hab ' ich immer gesehen , daß es an ein ergötzliches Hörnerwetzen ging . « Etwas Aehnliches hatte ich bereits gehört und zwar mit dem Beisatze , man habe absichtlich eine Art Einladung an die strengen Sittenprediger ergehen lassen . Jetzt trug dies nicht wenig bei , mich noch heftiger als früher zu beunruhigen . Ich knüpfte Bardeloh ' s hingeworfene Worte mit Mardochai ' s laut ausgesprochenen Verwünschungen zusammen , gedachte des nur zur Hälfte gesehenen Apparats und tausend anderer Dinge . Davon aber gegen die beiden Alten etwas zu äußern , hielt ich für indiskret und unklug . » Wie geht ' s denn meinem Novizen ? « fragte der Castellan . » Ich möchte den armen Narren doch lebensgern noch einmal sehen ; mein Herz hängt ordentlich an ihm . Und sollte er früher sterben als ich , so mag sein trübselig reicher Bruder nur immerhin sein Wort halten . « » Ich erzählte dem Greise , was ich etwa sagen zu dürfen glaubte , ohne ihn gar zu sehr zu betrüben . Gut , erwiederte der Castellan , und da , wie Sie mir sagten , auch Bardeloh mit zu schaffen hat beim Carneval , so komme ich in sein Haus , und dann halte ich mich an Sie . Meinen Bonifacius muß ich sehen . « An der Brücke schieden wir . Der pfiffige Klapperbein steckte mir beim Weggehen ein Briefchen zu und flüsterte mir in ' s Ohr , daß , ginge sein liebes Fräulein wirklich außer Landes , er allein nicht im Lande bleiben werde . Der Brief kam aus Düsseldorf . Ich steckte ihn zu mir und beeilte mich , den Juden aufzusuchen , voll seltsam stürmischer Gedanken und süß beglückender Herzensregungen . Es dunkelte schon sehr stark , als ich an seine Wohnung kam . Friedrich saß auf einem Steine vor der Thür mit der Geige auf dem Schooß . Den Kopf hatte er in beide Hände gestützt , den Blick zur Erde gesenkt . Er schien zu schlafen , da er mein Räuspern durchaus nicht beachtete . Ich stieß ihn an und fragte , was er hier treibe . » Ei tausend , « erwiederte er mit wichtiger Miene , » sehen Sie mir ' s denn nicht an , daß ich ein stiller Wächter bin ? « » Hast Du mich nicht gehört ? « » Fühlen und hören ist bei mir all ' eins . « » Was bewachst Du denn ? « » Narr und Närrchen . « » Ist Mardochai zu Hause ? « » Ich will des Teufels werden , wenn er drinnen ist , und das wäre mehr als ein rechtschaffener Christ werden soll , denn jetzt bin ich noch durch und durch des Gottes . « » Nun so steh ' auf , Friedrich , und laß mich hinein . « » Das läuft gegen Controlle und Parole . Ei tausend , kennst Du denn meine Parole ? « » Freilich kenne ich sie , Du hast mir sie ja gesagt . Die Geige führt die Narrheit spazieren . Nicht wahr ich habe ein gutes Gedächtniß ? « » O ja , « versetzte der Blödsinnige , » heut aber trägt meine Parole eine poetische Narrenjacke , sie heißt : tolle Hunde beißen Unschuldige und werden geil , wenn die Lerchen im Himmel zwitschern . Gefällt Dir der Spruch ? « » Der Spruch ist gut , der ihn erfunden hat , aber gefährlich . « » Das will ich meinen , « lachte Friedrich , » denn vor einer halben Stunde gab ' s ein lustiges Lachen da drin . Als ich noch Junggeselle war , hörte ich den Ton gern . All ' meine lustigen Lieder gingen aus diesem Tone . Es war der Jungfernton - jetzt aber spiel ' ich Alles aus dem Strohwittwertone , und der ist recht lappig und ohne alle Sprung- und Schwungkraft . Es ist ein gewallachter Ton . « » Friedrich , « rief ich dem blöden Geiger laut und erschrocken zu , indem ich ihn , der noch immer ruhig vor der Thüre saß , heftiger schüttelte , » Friedrich , wer ist im Hause ? « » Mein Himmel , wer denn sonst , als Täubchen und Täubrich . « » Hast Du Casimir gesehen ? « » So lustbetrunken , wie noch nie . « Die Häuser wankten vor meinen Augen . Mit mächtiger Faust zerrte ich Friedrichen von der Thür hinweg und wollte sie öffnen . Sie war verschlossen . Voll Angst und Wuth schlug ich erfolglos mit beiden Fäusten dagegen ; Friedrich stimmte , vergnüglich lachend , seine Geige . Ich bat ihn , er solle mir helfen die Thür einschlagen . » Das bedarf ' s nicht , « erwiederte er , » Fromme sind unangreifliche Naturen . Aber warte nur , meine Geige soll die Mauern Jericho ' s schon umstülpen , wie eine Schlafmütze . « In diesem Augenblicke erschien Mardochai . Kalt und ruhig fragte er , weshalb ich einen solchen Lärm an seiner Thür mache ? Ich bat ihn , schleunigst zu öffnen , ein Blick auf meine Mienen , in denen Angst und Erwartung des Entsetzens mit scharfen Krallen , wie Nachtvögel an die Gitter eines erleuchteten Fensters , sich festgeklammert hatten , bewog ihn meiner Bitte zu willfahren . » Aber , lieber Sigismund , was fällt Ihnen denn ein ? « » Die Rache , « schrie ich , » die Rache , Mardochai , nimmt Rache an der Rache ! « Diese