Ho ! « versetzte Dagobert , sich mit dem Zeigfinger auf die Stirne tippend : » Jetzt weiß ich mit einemmale , woher es blitzt . Wallradchen hat mein Bettlein aufgerüttelt , und mir ' s sein bequem gemacht im Vaterhause . Recht so ; wo sich der Teufel anlehnte , macht sich auch der weißeste Ärmel voll Ruß . Was lieb Schwesterlein indessen gesagt haben mag , ... glaubt mir , lieber Vater ; es ist erlogen . Was den würdigen Ohm betrifft , so muß ich lachen , und behalte mir vor , Euch kund zu thun , wie ich meine Hand von ihm abgezogen habe . Des Papstes Breve aber , aus dem man vielleicht ein Zeugniß meiner lüderlichen Sitten machen möchte , soll Euch Pater Johannes verteutschen . Bis dahin habt mich jedoch lieb , und laßt mich das Brüderlein küssen . « - » Deinem Wunsche kann alsobald Genüge geschehen ; « erwiederte Diether : » hier kömmt so eben die Mutter sammt dem Sohne . « Frau Margarethe erschien wirklich sammt dem kleinen Hans , und stutzte merklich bei Dagobert ' s Anblick , obschon dessen Ankunft ihr bekannt . Dieses Befremden fand indessen seinen Grund in Dagobert ' s Kleidung und Gestalt . Die Stiefmutter hatte darauf gerechnet den angehenden Mönch zu finden , mit hohlem Fastengesichte und härenem Gewande , und statt dessen stand ein kräftiger junger Mann vor ihr , im Schmucke des wohlhabenden Sohns eines altbürgerlichen Geschlechts , blühender noch , als da er von dannen gezogen . Wer mag dem Getriebe des Herzens folgerechten Zwang anlegen ? Auf dieses Befremden drängte sich augenblicklich die mächtige Erinnerung vor Margarethens Seele , .... das Andenken an ihren Eintritt in dieses Haus , an jene Zeit der Sehnsucht , in welcher die Jugend nur mit Widerwillen dem Alter gehörte , und eines jugendlichen Freundes begehrte . Dieser Freund , verboten ihr durch Sitte und Kirchengebot , dennoch erkoren von ihr mit leidenschaftlichem Verlangen , dieser Freund , der feindlich sie verschmähte , und in ihr jenes wunderliche Gefühl erzeugte , das uns öfter antreibt , mit blutendem Herzen diejenigen zu hassen , die wir demungeachtet dauernd und ewig lieben , ohne sie unser nennen zu dürfen , - dieser Freund stand nun wieder vor Margarethens Augen ; er malte ihr in seinem stummen Bilde eine schmerzlich selige Vergangenheit ; - zugleich auf ihre Wangen jene zauberische Röthe , ... der Schaam wie des Entzückens heilige Farbe . - Dagobert hatte sich vorgenommen , der Stiefmutter freundlich entgegenzukommen , um sie mitleidig der ersten so begreiflichen Verlegenheit zu entreißen ; aber ihr unerwarteter Empfang , ... die Überraschung , die sich in ihrem ganzen Äußern gestaltete wie die Verwirrung einer geschämigen Braut , übte gleichwirkende Kraft auf den Jüngling . Auch er fühlte seine Wangen glühen ; auch er verneigte sich stumm , stotterte alsdann einige Worte , die unzusammenhängend seinem Munde entschlüpften , und beugte sich schnell , um der Begrüßten das Schauspiel seiner Blödigkeit zu entziehen , zu dem Knaben , der fremd und verwundert zu ihm aufschaute . » Ach ! « rief er aus : » wie schön , wie stark , wie blühend ist der Junge geworden . Werthes Stiefmütterlein , empfangt meinen Glückwunsch ; und auch Ihr , mein guter Vater , erlaubt , daß ich Euch die Hand schüttle , wie ein Freund dem andern , und dem Buben einen Kuß auf den trotzigen Mund drücke , zum Pfand meiner Liebe . Ja , herziger Knabe , wir werden Freunde seyn ; Deine hellen Augen sprechen ganz anders zu meiner Seele als Wallradens stechender , nirgends verweilender Blick . « - Er küßte den Knaben , der auch seiner Seits freundlich die Arme zu ihm emporstreckte , und wie ein Eichhörnlein auf seine Knie kletterte . » Hast Du mich lieb , kleiner Hans ? « fragte Dagobert in seiner Fröhlichkeit kosend den Knaben . » Gewiß , lieber Herr ; « antwortete Hans , den zierlichen Bart des Jünglings streichelnd : » willst Du mein Väterlein seyn ? « - » Ei , du einfältiger Hans ; « erwiederte Dagobert lachend wie ein ausgelassener Gesell : » welch tolles Zeug bringst Du zu Markte ? Haben sie Dir in Frankfurt nichts bessres gelehrt ? Dort steht Dein Vater ; « er zeigte auf Diether , der , halb abgewendet , seinen steigenden Groll kaum mehr zu mäßigen vermochte : » auch mein Vater ist er , und wir beide wollen gute Brüder seyn . Herzgeliebte Eltern ; « fuhr er fort , indem er aufstand , und den Knaben wegsetzte : » Wallrade mag von mir geplaudert haben wie und was sie wolle , - ich bin dennoch nicht so schlecht , als sie Euch überreden mochte . Glaubt ja nicht , daß ich heim komme , um den kleinen Knirbs , mein Brüderlein , zu plündern und zu verkürzen um das Erbtheil , das ich ihm abgetreten . Davor bewahre mich der liebe Gott . Er hat mir schon genugsam bescheert , da er mich vom Pfaffenthum entbinden ließ , durch seinen Statthalter auf Erden . Was ich gelernt , bringt mich schon anderweitig durch , und komme ich vielleicht einmal aus irgend einer Fehde als ein lahmer Krüppel heim , und weiß mit meinem alten Arm nichts mehr zu gewinnen , so erinnert sich wohl der Johann der Liebe , die ich für ihn hatte , und füttert mich alsdann von seinem Überfluß . « - Die biedre klare und aus voller Brust gesprochne Rede Dagobert ' s preßte in Diether ' s Augen Zähren der Rührung ; sie waren aber nicht vermögend den Panzer zu erweichen , den der Geist des Verdachts um des Schöffen Milde gezogen . Der Verblendete hatte Margarethens , Dagobert ' s Erröthen gesehen ; er hatte , von Fieberfrost geschüttelt , des Knaben unschuldige Worte vernommen , und ihnen eine giftige Deutung untergelegt . Ein Felsen lag