Überraschung in der Familie hervorbrachte . Vater , Mutter , Töchter und Kinder versammelten sich um ihn ; einem am Weberstuhl sitzenden , wohlgebildeten Mädchen stockte das Schiffchen in der Hand , das just durch den Zettel durchfahren sollte , ebenso hielt sie auch den Tritt an , stand auf und kam später , mit langsamer Verlegenheit ihm die Hand zu reichen . Beide , der Garnbote sowohl als der Schirrfasser , setzten sich bald durch Scherz und Erzählung wieder in das alte Recht , welches Hausfreunden gebührt , und nachdem man sich eine Zeitlang gelabt , wendete sich der wackere Mann zu mir und sagte : » Sie , mein guter Herr , dürfen wir über diese Freude des Wiedersehens nicht hintansetzen : wir können noch tagelang miteinander schnacken ; Sie müssen morgen fort . Lassen wir den Herrn in das Geheimnis unserer Kunst sehen ; Leimen und Zetteln kennt er , zeigen wir ihm das übrige vor , die Jungfrauen da sind mir ja wohl behülflich . Ich sehe , an diesem Stuhl ist man beim Aufwinden . « Das Geschäft war der jüngeren , zu der sie traten . Die ältere setzte sich wieder an ihren Weberstuhl und verfolgte mit stiller , liebevoller Miene ihre lebhafte Arbeit . Ich betrachtete nun sorgfältig das Aufwinden . Zu diesem Zweck läßt man die Gänge des Zettels nach der Ordnung durch einen großen Kamm laufen , der eben die Breite des Weberbaums hat , auf welchen aufgewunden werden soll ; dieser ist mit einem Einschnitt versehen , worin ein rundes Stäbchen liegt , welches durch das Ende des Zettels durchgesteckt und in dem Einschnitt befestigt wird . Ein kleiner Junge oder Mädchen sitzt unter dem Weberstuhle und hält den Strang des Zettels stark an , während die Weberin den Weberbaum an einem Hebel gewaltsam umdreht und zugleich achtgibt , daß alles in der Ordnung zu liegen komme . Wenn alles aufgewunden ist , so werden durch die Rispe ein runder und zwei flache Stäbe , Schienen , gestoßen , damit sie sich halte , und nun beginnt das Eindrehen . Vom alten Gewebe ist noch etwa eine Viertelelle am zweiten Weberbaum übriggeblieben , und von diesem laufen etwa drei Viertelellen lang die Fäden durch das Blatt in der Lade sowohl als durch die Flügel des Geschirrs . An diese Fäden nun dreht die Weberin die Fäden des neuen Zettels , einen um den andern , sorgfältig an , und wenn sie fertig ist , wird alles Angedrehte auf einmal durchgezogen , so daß die neuen Fäden bis an den noch leeren vordern Weberbaum reichen ; die abgerissenen Fäden werden angeknüpft , der Eintrag auf kleine Spulen gewunden , wie sie ins Weberschiffchen passen , und die letzte Vorbereitung zum Weben gemacht , nämlich geschlichtet . So lang der Weberstuhl ist , wird der Zettel mit einem Leimwasser , aus Handschuhleder bereitet , vermittelst eingetauchter Bürsten durch und durch angefeuchtet , sodann werden die obengedachten Schienen , die das Gerispe halten , zurückgezogen , alle Fäden aufs genaueste in Ordnung gelegt und alles so lange mit einem an einen Stab gebundenen Gänseflügel gefächelt , bis es trocken ist , und nun kann das Weben begonnen und fortgesetzt werden , bis es wieder nötig wird zu schlichten . Das Schlichten und Fächeln ist gewöhnlich jungen Leuten überlassen , welche zu dem Webergeschäft herangezogen werden , oder in der Muße der Winterabende leistet ein Bruder oder ein Liebhaber der hübschen Weberin diesen Dienst , oder diese machen wenigstens die kleinen Spülchen mit dem Eintragsgarn . Feine Musseline werden naß gewebt , nämlich der Strang des Einschlagegarns wird in Leimwasser getaucht , noch naß auf die kleinen Spulen gewunden und sogleich verarbeitet , wodurch sich das Gewebe gleicher schlagen läßt und klarer erscheint . Donnerstag , den 18. September . Ich fand überhaupt etwas Geschäftiges , unbeschreiblich Belebtes , Häusliches , Friedliches in dem ganzen Zustand einer solchen Weberstube ; mehrere Stühle waren in Bewegung , da gingen noch Spinn- und Spulräder , und am Ofen die Alten mit den besuchenden Nachbarn oder Bekannten sitzend und trauliche Gespräche führend . Zwischendurch ließ sich wohl auch Gesang hören , meistens Ambrosius Lobwassers vierstimmige Psalmen , seltener weltliche Lieder ; dann bricht auch wohl ein fröhlich schalendes Gelächter der Mädchen aus , wenn Vetter Jakob einen witzigen Einfall gesagt hat . Eine recht flinke und zugleich fleißige Weberin kann , wenn sie Hülfe hat , allenfalls in einer Woche ein Stück von 32 Ellen nicht gar zu feine Musseline zustande bringen ; es ist aber sehr selten , und bei einigen Hausgeschäften ist solches gewöhnlich die Arbeit von vierzehn Tagen . Die Schönheit des Gewebes hängt vom gleichen Auftreten des Webegeschirres ab , vom gleichen Schlag der Lade , wie auch davon , ob der Eintrag naß oder trocken geschieht . Völlig egale und zugleich kräftige Anspannung trägt ebenfalls bei , zu welchem Ende die Weberin feiner baumwollener Tücher einen schweren Stein an den Nagel des vordern Weberbaums hängt . Wenn während der Arbeit das Gewebe kräftig angespannt wird ( das Kunstwort heißt dämmen ) , so verlängert es sich merklich , auf 32 Ellen 3 / 4 Ellen und auf 64 etwa 1 1 / 2 Elle ; dieser Überschuß nun gehört der Weberin , wird ihr extra bezahlt , oder sie hebt sich ' s zu Halstüchern , Schürzen usw. auf . In der klarsten , sanftesten Mondnacht , wie sie nur in hohen Gebirgszügen obwaltet , saß die Familie mit ihren Gästen vor der Haustüre im lebhaftesten Gespräch , Lenardo in tiefen Gedanken . Schon unter allem dem Weben und Wirken und so manchen handwerklichen Betrachtungen und Bemerkungen war ihm jener von Freund Wilhelm zu seiner Beruhigung geschriebene Brief wieder ins Gedächtnis gekommen . Die Worte , die er so oft gelesen , die Zeilen , die er mehrmals angeschaut , stellten sich wieder seinem innern Sinne dar . Und wie eine Lieblingsmelodie , ehe wir uns versehen , auf einmal dem tiefsten