überwunden , in seiner schönen glanzvollen Laufbahn ganz zerstört zu sehen , der stete Gedanke an die Schmach , die wir alle erlitten , das war es , was an seinem Leben zehrte . - Er litt keinen gehörigen Verband , nahm keine Arzenei - man sagt , er wollte sterben ! « - ( Ich , wir alle konnten uns bei diesen letzten Worten Hinzmanns nicht lassen vor grimmen Schmerz , sondern brachen all in solch ein klägliches Geheul und Jammergeschrei aus , daß ein Felsen hätte erweicht werden können . Als wir uns nur einigermaßen beruhigt hatten , so daß wir zu hören vermochten , sprach Hinzmann mit Pathos weiter . ) » O Muzius ! o schau ' herab ! schau ' die Tränen , die wir um dich vergießen , höre die trostlose Klage , die wir um dich erheben , verewigter Kater ! - Ja , schau ' auf uns herab oder hinauf , wie du es nun eben vermagst , sei im Geiste unter uns , wenn du noch überhaupt eines Geistes mächtig und derselbige , der dir innegewohnt , nicht schon anderweitig verbraucht worden ! - Brüder ! - wie gesagt , ich halte das Maul über die Biographie des Erblaßten , weil ich nichts davon weiß , aber desto lebhafter sind mir die vortrefflichen Eigenschaften des Verewigten im Gedächtnis , und die will ich euch , meine teuersten geliebtesten Freunde , vor die Nase rücken , damit ihr den entsetzlichen Verlust , den ihr durch den Tod des herrlichen Katers erlitten , im ganzen Umfange fühlen möget ! Vernehmet es , o Jünglinge , die ihr geneigt seid , nie abzuweichen von dem Pfade der Tugend , vernehmt es ! - Muzius war , was wenige im Leben sind , ein würdiges Glied der Katzengesellschaft , ein guter treuer Gatte , ein vortrefflicher liebender Vater , ein eifriger Verfechter der Wahrheit und des Rechts , ein unermüdlicher Wohltäter , eine Stütze der Armen , ein treuer Freund in der Not ! - Ein würdiges Glied der Katzengesellschaft ? - Ja ! denn immer äußerte er die besten Gesinnungen und war sogar zu einiger Aufopferung bereit , wenn geschah , was er wollte , feindete auch nur ausschließlich diejenigen an , die ihm widersprachen und seinem Willen sich nicht fügten . Ein guter treuer Gatte ? Ja ! - denn er lief andern Kätzchen nur dann nach , wenn sie jünger und hübscher waren als sein Gemahl und unwiderstehliche Lust ihn dazu trieb . Ein vortrefflicher liebender Vater ? Ja ! denn niemals hat man vernommen , daß er , wie es wohl von rohen lieblosen Vätern unsers Geschlechts zu geschehen pflegt , im Anfall eines besonderen Appetits eines seiner erzielten Kleinen verspeiset ; es war ihm vielmehr ganz recht , wenn die Mutter sie sämtlich forttrug und er von ihrem dermaligen Aufenthalt weiter nichts erfuhr . Ein eifriger Verfechter der Wahrheit und des Rechts ? Ja ! - denn sein Leben hätte er gelassen dafür , weshalb er , da man nur einmal lebt , sich um beides nicht viel kümmerte , welches ihm auch nicht zu verargen . Ein unermüdlicher Wohltäter , eine Stütze der Armen ? Ja ! denn jahraus jahrein trug er am Neujahrstage ein kleines Heringsschwänzlein oder ein paar subtile Knöchelchen hinab in den Hof für die armen Brüder , die der Speisung bedurften , und konnte wohl , da er auf diese Weise seine Pflicht als würdiger Katzenfreund erfüllte , diejenigen bedürftigen Kater mürrisch anknurren , die außerdem noch etwas von ihm verlangten . Ein treuer Freund in der Not ? Ja ! denn geriet er in Not , so ließ er nicht ab selbst von denjenigen Freunden , die er sonst ganz vernachlässigt , ganz vergessen hatte . - Verewigter ! was soll ich noch sagen von deinem Heldenmut , von deinem hohen geläuterten Sinn für alles Schöne und Edle , von deiner Gelehrsamkeit , von deiner Kunstkultur , von all den tausend Tugenden , die sich in dir vereinten ! Was , sag ' ich , soll ich sagen davon , ohne unsern gerechten Schmerz über dein klägliches Hinscheiden nicht noch um vieles zu vermehren ! - Freunde , gerührte Brüder ! - denn in der Tat , an einigen unzweideutigen Bewegungen bemerke ich zu meiner nicht geringen Befriedigung , daß es mir gelang , euch zu rühren - Also ! - gerührte Brüder ! - Laßt uns ein Beispiel nehmen an diesem Verstorbenen , laßt uns alle Mühe anwenden , ganz in seine würdige Fußtapfen zu treten , laßt uns ganz das sein , was der Vollendete war , und auch wir werden im Tode die Ruhe des wahrhaft weisen , des durch Tugenden jeder Art und Gattung geläuterten Katers genießen wie dieser Vollendete ! - Seht nur selbst , wie er so still daliegt , wie er keine Pfote rührt , wie ihm all mein Lob seiner Vortrefflichkeit auch nicht ein leises Lächeln des Wohlgefallens abgewonnen ! - Glaubt ihr wohl , Traurige ! daß der bitterste Tadel , die gröbsten beleidigendsten Schmähungen ebenso jeden Eindruck auf den Verewigten verfehlt haben würden ? Glaubt ihr wohl , daß selbst der dämonische Spitzphilister , träte er hinein in diesen Kreis , dem er sonst unmaßgeblich beide Augen ausgekratzt haben würde , jetzt ihn nur im mindesten in Harnisch bringen , seine sanfte süße Ruhe verstören dürfte ? Über Lob und Tadel , über alle Anfeindungen , alle Foppereien , allen neckhaften Spott und Hohn , über allen wirrigen Spuk des Lebens ist unser herrliche Muzius erhaben , er hat kein anmutiges Lächeln , keine feurige Umarmung , keinen biedern Pfotendruck mehr für den Freund , aber auch keine Krallen , keine Zähne mehr für den Feind ! - Er ist vermöge seiner Tugenden zu der Ruhe gelangt , der er im Leben vergebens nachgestrebt ! - Zwar will es mich beinahe bedünken , daß wir alle , so wie wir hier zusammen sitzen und