ihrer Schwester , erst wenn die Kinder älter wurden , beschäftigte sie sich mit ihrem Unterrichte . Salicetti , ein großer sizilianischer Bildhauer verfertigte eine artige Gruppe zum Geburtstage des Grafen in Marmor : Klelia und Dolores standen neben einander , Dolores niedersehend auf ein Kind , das an ihrer Brust sog , und das sie mit beiden Armen hielt , Klelia blickte zum Himmel und erhob deutend die eine Hand dahin , in der andern Hand hielt sie ein Buch , worin die beiden älteren Kinder der Dolores mit gefalteten Händen lasen . Klelia war nicht untätig geworden , ungeachtet sie viel betete und der Graf einen großen Teil ihrer Geschäfte übernommen hatte ; sie war nicht bloß Quelle der Reichtümer , was jeder wohlwollenden Seele so leicht wird , sondern sie wußte mit Anstrengung diese reiche Quelle zum Besten aller selbst zu lenken . Nicht bloß der Mädchenunterricht , den sie erst nur in frommer Nachbildung des Grafen unternommen hatte , beschäftigte ihre Gedanken , sie wollte auch Erwachsene erziehen , durch streng ausgeübtes Recht , welches damals in Sizilien fast durchaus der List , der Gewalt und Bestechung gewichen war . Schon vor des Grafen Ankunft und in der Abwesenheit ihres Gemahls hatte sie mit männlichem Mute eine Schar tapferer Männer um sich versammelt , die nicht bloß Söldlinge sondern die mit heiligem Eifer für die Aufrechthaltung des Rechts und des heiligen angebornen Gütereigentumes begeistert waren ; diese sendete sie gegen die Räuber , die trotzig gegen die schwache Regierung des Landes alle Straßen und die friedliche Nacht der Hütten unsicher machten , während die Paläste sich durch Geld von ihren Einfällen loskauften . Sie selbst führte einst zu Pferde mit dem Kreuze in der Hand , das auch auf ihren weißen Mantel genäht war , ihre brave Schar gegen eine öde Gebürgsgegend , wo sich die räuberische Menge gegen sie versammelt hatte . Das Gefecht war lange zweifelhaft , der Widerhall des Schießens im Felsentale , das Gebell der großen Räuberhunde , nichts schreckte sie zurück , von beiden Seiten war gleicher Mut , dort der Teufel , bei ihr Gott . Da ritt sie kühnlich , als ihr Hauptmann gefallen , in die Mitte des Getümmels und winkte mit dem Kreuze Ruhe ; von dem wunderbaren Anblicke wie versteinert , sanken die Räuber nieder auf ihre Kniee , nieder vor dem Gnadenbilde , gegen das sie lange gestritten ; die fromme Frau , ruhig in ihrem Gott , erschien ihnen wie eine Heilige , wie die Mutter Gottes , die jammernd neben dem gekreuzigten Sohne steht , und sie wollten nicht die Kriegsknechte sein , die den Gekreuzigten verspottet . Es ist ein großes Werk in einem Volke , die sinnliche allgemeine Vergegenwärtigung einer hohen Begebenheit ; oft in der höchsten Abirrung des Lasters tritt sie bei einem geringen Zeichen richtend und belehrend mitten aus den brausenden Leidenschaften hervor . Die Herzogin segnete die Räuber für diese Zeichen der Reue und vergab ihnen ihre Lastertaten , wenn sie sich wahrhaft bekehrten und aus Verrätern in Schützer des Rechts verwandelt , ihr verfallenes Leben in würdigem Dienste beschließen wollten . Balsamo , der Anführer , schwor ihr dies am Kreuze im Namen aller ; er blieb ihr mit den meisten treu , und seiner Bekanntschaft mit den Räuberschlichen dankte bald der größte Teil von Sizilien vollständige Ruhe und Sicherheit . Dieses Ereignis hatte Klelia nie dem Grafen geschrieben , das litt ihre Bescheidenheit nicht ; kaum konnte er diesen hohen Mut begreifen , wenn er die stille sanfte Frau anblickte . Doch lernte er sie bald in der kühnen Größe ihrer Seele und in der Schärfe ihres Verstandes noch auf viel andere Art kennen . Sie hatte sich zur Aufrechthaltung des Rechts mit dessen Studien selbst ernstlich beschäftigt , was ihr durch frühere Liebhaberei an lateinischer Sprache erleichtert worden ; Rechtsgelehrte verliehen ihr bald den Ehrentitel als Doktor , die Regierung das Amt eines Königlichen Oberrichters . In diesem Amte saß sie bei den Gerichtstagen und störte mit gewandtem Verstande , wo überwiegende List und Parteilichkeit das Unrecht begünstigten ; ihr Ansehen wirkte bald so mächtig , daß Entfernte selbst ihre Angelegenheiten vor dieses Gericht brachten . Es verdient bemerkt zu werden , daß sie häufig einen Ausspruch tat , dessen Gründe sie nicht selbst gleich in Worten entwickeln konnte , der aber für alle so überzeugend war , daß die Gründe von den Gelehrten bald entdeckt wurden . - Strenge Ordnung in ihrer Lebensweise machten es ihr möglich , außer diesen Geschäften noch hinlänglich den Ihren zu leben , um ihre Gesinnung in allen fortzupflanzen . Ein Tagebuch , das sie an jedem Morgen von vorhergehendem Tage in aller Kürze verfaßte , diente ihr zur Aufmunterung und Warnung ; selten bemerkte sie darin etwas über sich und was ihr besonders und eigen , was die meisten Tagebücher gewöhnlich füllt ; oft ist es nur ein kurzes Gebet um Gnade und Erleuchtung oder um Kraft , wo ihr etwas zu schwer erschien ; zuweilen bedauerte sie etwas Versäumtes , meist sind es kurze Nachrichten von bedeutenden Ereignissen in ihrem Ländchen . Wir heben einige Tage aus als Belege : Den 1sten Mai . Algierische Seeräuber landeten bei Lido während der Hochzeit des Bauers Zampiero , sie drangen in die Häuser und raubten Gut und Kinder . Das Geschrei kam in die Kirche , wo alle Bauern versammelt , alle waren zweifelhaft was zu tun , da ergriff der geistliche Herr Anatonio den Kelch , der von starkem Silber als Geschenk von mir der Kirche verehrt worden , und jeder Bauer nahm , was er von Stühlen und Bänken in der Kirche abreißen konnte , und so gingen sie auf die Räuber los , die sorglos plündernd im Dorfe zerstreuet waren . Der geistliche Herr traf zuerst mit einem vornehmen Türken zusammen , den er mit dem Kelche so gewaltsam in die Schläfe schmetterte , daß er nicht wieder aufgestanden ; so sind noch acht andre auf