also vorerst ein Hinderniß zwischen ihnen und dem Ziele ihrer Wünsche aufgethürmt , und ich fing an gute Hoffnung zu nähren . Da zerstörte der rasende Schritt des fanatischen Menschen den ganzen Plan . Er unterzeichnete die Entscheidung . Der Alte wurde gerührt , weichherzig . Er nahm den zurückgekehrten Sohn mit größter Zärtlichkeit auf , und überschüttete die fromme Schwiegertochter mit prächtigen Geschenken . So sucht seine Erbärmlichkeit den Sinn der Bedingung , die er selbst gegeben hat , thöricht zu umgehen . Wie verächtlich sind diese Geschöpfe ! Recht beim Lichte besehen , ist Agathokles vielleicht feiner als ich dachte ; wenigstens hätte er sich , wenn er mich zu überlisten gesonnen war , nicht anders betragen können . Er hofft vielleicht , nachdem er nun einmal jetzt die Einwilligung des Vaters erschlichen hat , durch Unterwerfung und kindlichen Gehorsam eines Tages dem weichherzigen Alten auch noch die Erbschaft abzuschwatzen . Doch dafür soll Sorge getragen werden . Leucippus , ein Neffe des Alten , der , wenn er ohne Kinder stürbe , sein natürlicher Erbe wäre , ist durch mich bereits von dem Fall unterrichtet , und hundert Talente Goldes , die ihm zufallen , verlohnen schon der Mühe , daß man dem Oheim mit Fleiß und Klugheit den Hof mache . Doch nicht diese einzige Sache ist ' s , die meine Galle gegen ihn rege gemacht hat . Er hat mich vor einigen Tagen auf eine Art beleidigt und gereizt , die ich ihm zu vergelten mir fest und sicher vorgenommen habe . Die Zeit wird die Gelegenheit herbeiführen , bis dahin bleibt Alles still und ruhig . Du weißt , daß ich mich seit jenem seltsamen Zusammentreffen Calpurnien von Neuem genähert habe . Sie ist schön , sie ist reich , ihr Vater hat bedeutenden Einfluß . Aber mein Gesicht schien ihr nicht zu behagen , ihr Herz war noch zu voll von dem Bilde des christlichen Schwärmers . Genug , sie begegnete mir zuerst kalt , dann übermüthig , dann verächtlich . Ich hatte mich darüber hinausgesetzt , wenn ich hätte hoffen können , auf diese Art zum Ziele zu gelangen . Aber Calpurnia ist eigensinnig , sie reizte mich immer mehr und mehr , da übernahm mich endlich der Zorn , und in einer schwachen Stunde ließ ich mich hinreißen , nicht allein ihr zu drohen , daß ihr guter Ruf seit jener Zusammenkunft in meiner Gewalt sey , sondern auch noch denselben Abend , von Mein und Zorn erhitzt , unter einer frohen Gesellschaft die Geschichte zu erzählen . Zwei Tage darauf meldet man mir Agathokles . Ich glaubte , der Sclave habe den Namen nicht recht verstanden . Er war es wirklich . In seinen dunkelglühenden Blicken , in seiner ganzen Haltung lag der kalte Uebermuth , den diese Menschen Tugendstolz nennen . Mit empörendem Ton stellte er mich über mein Betragen gegen Calpurnien zur Rede , das er , die Götter mögen wissen wie ? erfahren hatte . Mein Blut kochte , ich bezwang mich mit Mühe so weit , daß ich ihn gelassen fragte , was ihn das anginge , und woher ihm das Recht zu dieser Frage käme ? Nun brachen die Schleußen seiner Beredtsamkeit los , er sprach von Niederträchtigkeit , von hämischer Rache , von der Pflicht jedes ehrlichen Mannes , sich der beleidigten Ehre seines Nebenmenschen anzunehmen u.s.w. , wie die Gemeinplätze der schönen Seelen alle heißen . Meine Geduld riß endlich , und ich erklärte ihm geradezu , daß ich seine Beleidigungen und sein Geschwätz nicht länger dulden wollte . Da trat er zurück , sah mich mit einem Blicke an , den ich mir noch jetzt nicht vergegenwärtigen kann , ohne jeden Tropfen Bluts in Aufruhr zu fühlen , und sagte mit empörender Kälte : » Marcius ! Wie kannst du es wagen , diese Sprache zu führen ? Weißt du nicht , daß es in meiner Macht steht , dich zu verderben ? « und nun fing er an von Dingen zu sprechen , die ihm die Furien eingegeben haben mußten . Er war von Vorfällen unterrichtet , die ich in tiefes Dunkel vergraben glaubte , er wußte Dinge , die aus einem andern Mund als dem meinen zu hören mir die Haare empor sträubte . Hatte Constantin sie erfahren ? Hatte mein böser Dämon mich verrathen ? Die Götter mögen es wissen . Genug , ich muß ihn fürchten , und schonen . Knirschend vor Wuth , leistete ich ihm das versprechen , die Erzählung als eine Posse zu widerrufen , und mich Calpurnien nie wieder zu nähern . Er ging , und ich verließ Nikomedien noch denselben Tag . Aber er soll nicht umsonst das Alles wissen , und mir gedroht haben . Ich werde mich rächen . Wie und wann ? wird der Zufall , die Klugheit bestimmen ; aber sein Haupt ist den Unterirdischen geweiht . Leb ' wohl ! 82. Theophania an Junia Marcella . Synthium , im Jun . 303 Du sollst dich nicht mehr zu beklagen haben , meine geliebte Freundin , daß ich dir , seit ich glücklich bin , so selten schreibe . Wir sind jetzt seit einigen Tagen auf unserem stillen Landhause , und meine Zeit ist freier . So lange ich in Nikomedien im Hause meines Schwiegervaters lebte , war ein großer Theil meiner Stunden der Besorgung seines sehr weitläufigen Hauswesens , und der Unterhaltung dieses gütigen Greises geweiht , der aber leider wie die meisten Menschen , die in der Zeit ihrer Jugend und vollen Kraft nur immer außer sich und in steter Zerstreuung gelebt haben , nun , da Alter und Schwächlichkeit ihm dies einzige Element , in dem sein Wesen sich fühlte , unzugänglich macht , sehr schwer zu unterhalten , und fast nie zu befriedigen ist . Hier bin ich sehr vergnügt . Hier im Schatten blühender Haine , im Gedüft von tausend Blumen , im Genusse der fröhlichsten Einsamkeit leben wir uns selbst und unserer