trunken auf den Weg nach Haßlau zurück . Er sehnte sich mit seinem Folioband voll Abenteuer unter dem Arm in die Stube Vults . Sein Herz hatte genug und brauchte keinen Himmel weiter als den blauen . Jakobine warf ihm von der Treppe , die sie hinaufging , und er herunter , das Versprechen nach , im Winter in Haßlau zu spielen . - Draußen verwelkte der rosenrote Himmel immer grauer und bis zu Regenwolken . An der Fähre mußt ' er lange warten . Es fing endlich an zu regnen . Aber da der Vorhang vor dem Singspiele der Liebe aufgegangen war : so wußt ' er , mit Augen und Ohren unter ihren Gesängen und Lichtern wohnend , wenig oder nicht , ob es auf das Dach des Opernhauses regne oder schneie . Da das Schicksal gern nach dem Feste der süßesten Brote dem Menschen verschimmeltes , wurmvolles aus dem Brotschrank vorschneidet : so ließ es den Notar hinter Joditz auf Irrwege - auf physische - laufen , was dem Verhängnis leicht wurde , da er ohnehin nichts Örtliches behielt , nicht den Riß eines Parks , in welchem er einen ganzen Sommer lang spazieren gegangen . Dann mußt ' er die gebogne weiße Hutfeder , welche ohne Kopf von einem Kavalleristen aus einem Hohlweg vorstach , für die Schwanzfeder eines laufenden Hahns ansehen und nachher den Irrtum dem Militär gutmeinend entdecken , der ihn sehr anschnauzte . In einem Kirmesdorf wurd ' ihm aus den Fenstern eines betrunknen Wirtshauses ein wenig nachgelacht . Das Rosanatal lief voll Wasser . In einem schönen Gartenhaus spielte der Regenwind auf der Windharfe einen mißtönigen Läufer und Kadenzen voll Schreitöne , da er vorüberlief . Selig flog er seinen Weg - denn er hatte Flügel am Kopf , am Herzen , an den Füßen und saß als geflügelter Merkur noch auf dem Flügelpferd - , und ohne es kaum zu merken , kam er durch die vorigen Dörfer . Gleich dem Blitze lief sein Geist nur an den Vergoldungen des Welt-Gebäudes hin . Nur Wina und ihre Augen füllten sein Herz ; an Zukunft , Folgen , Möglichkeiten dacht ' er nicht ; er dankte Gott , daß es noch einige Gegenwart auf der Erde gab . Eine Freude kleinerer Art genoß er hinter Grünbrunn , wo ihm der böheimische Schweintreiber , dessen Klagen er in Joditz gehört , mit einem Pilger-Liede aufstieß und nichts von seinem Plagevieh mehr bei sich hatte als den Hund . So trug ihn die rollende Erde ohne Erdstöße wiegend um die bedeckte Sonne . Gegen Abend sah er schon Haßlau , die Meilen waren ihm Wersten geworden . In Härmlesberg begegnete er noch einer alten Diebin , die man daraus bis an den Markstein mit dem Staupbesen gekehrt hatte . Aus Haßlau kamen ihm Feuerspritzen entgegen , welche glücklich hatten löschen helfen . Als er im nassen knappen Badegewand mit fortleuchtenden Entzückungen durch das Haßlauer Tor getreten : sah er an den Kirchturm , wo Flitte und Heering wohnten ; und nahm freudig wahr , daß der Testator Flitte , so hergestellt und gesund wie ein Fisch im Wasser , aus dem Schalloch guckte . Nr. 50. Halber Blasenstein eines Dachshunds J. P. F. R.s Brief an den Haßlauer Stadtrat P. P. Hier übersend ich den trefflichen Testaments-Exekutoren durch den Student und Dichter Sehuster die drei ersten Bände unserer Flegeljahre samt diesem Briefe , der eine Art Vor- und Nachrede vorstellen soll . Von dem geschickten Schön- und Geschwindschreiber Halter , bisherigen Infanteristen beim Regiment Kurprinz - der zum Glücke des elend geschriebenen Manuskripts gerade in diesem Monat aus Bregenz mit freundlichem Abschied und gesunder Schreib-Hand nach Hause an das Schreibpult kam , nachdem er über 4 Jahre sich auf mehreren Schlachtfeldern mit den Franzosen gemessen und geschlagen - von diesem sind , darf ich hoffen , sowohl die drei Bände als dieser Brief so gut geschrieben , daß sie sich lesen lassen ; folglich setzen und rezensieren ohnehin . Will ich mich über das Werk hier bis zu einem gewissen Grade äußern : so müssen einige allgemeine Sentenzen und Gnomen vorausgehen : Nicht nur zu einer Perücke , auch zu einem Kopfe gehören mehrere Köpfe Ferner : Jedem muß seine Nase in seinen Augen viel größer und verklärter , ja durchsichtiger erscheinen als seinem Nebenmenschen , weil dieser sie mit andern Augen und aus einem viel fernern Standpunkte ansieht - Weiter : die meisten jetzigen Biographen ( worunter auch die Romanciers gehören ) haben den Spinnen wohl das Spinnen , aber nicht das Weben abgesehen - Ferner : die Verdauung spüren , heißet eben keine spüren , sondern vielmehr Unverdaulichkeiten - Weiter : zur zweiten , bessern Welt , worauf alle Welt aus ist und aufsieht , gehöret auch der Höllenpfuhl samt Teufeln - Ferner : der Schatten und die Nacht sehen weit mehr als Gestalten und Wirklichkeit aus als das Tageslicht , das doch nur allein existieret und jene scheinen lässet - Und zuletzt : man reiche dem Leser etwas in einer Nuß , so verlangt ers noch enger als Nuß-Öl ; man breche für ihn aus der steinigen Schale eine köstliche Mandel , so will er um diese wieder eine Hülse von Zucker haben - Bloß diese wenigen schwachen Sätze wende ein verehrlicher Stadtrat auf das Buch und sich und den Leser an und frage sich : » Ist noch jetzt die Frage von diesen und jenem ? « Noch vier Punkte hab ' ich außerdem zu berühren . Der erste Punkt ist nicht der erfreulichste . Noch hab ich nicht mehr als Nummern vom Kabelschen Naturalienkabinett ( denn dieser Brief ist für den halben Dachshunds-Blasenstein ) erschrieben ; und fahre schon mit drei Bänden vor , die abzuladen sind ; da nun das Kabinett 7203 Nummern in allem besitzt : so müssen endlich sämtliche Flegeljahre so stark ausfallen als die Allgemeine deutsche Bibliothek , welche sich doch von ihnen im Gehalte so sehr unterscheidet . Ich sage letzteres nicht aus Bescheidenheit