, ward von den Herakleoten noch denselben Tag aus ihrer Stadt verwiesen . An dem Schicksal des letztern soll Antisthenes Ursache gewesen seyn , der einige Jünglinge aus Pontus , die nach Athen gekommen waren den Sokrates zu sehen , zum Anytus führte , und spöttisch sagte , das sey der Mann , den man für weiser und tugendhafter halte als den Sokrates . Die Athener fühlten die Wahrheit dieses Spotts so sehr , daß Anytus sogleich die Stadt räumen mußte . Dem Sokrates ward eine Statue aus Bronze an dem vornehmsten Platze der Stadt aufgestellt , und die große Folge der ganzen Begebenheit war , daß man nach dieser Zeit kein Beispiel von einer ähnlichen Anklage und Verurtheilung in Athen findet . So suchten die Athener dem unschuldig hingerichteten Weisen so viel Genugthuung zu geben als damals möglich war . Es scheint ungerecht , über diese plötzliche und heftige Reue zu spotten ; denn man muß das Volk von den Richtern unterscheiden . Das Urtheil der Richter war nicht Urtheil des ganzen Volks , und das Betragen des letztern war nicht sowohl Reue , als Gefühl der anerkannten Unschuld des Sokrates , und Bestreben den Fehler einiger Bürger wieder gut zu machen und von sich zu entfernen . Auch geschah dieses nicht so plötzlich : Sokrates war 30 Tage im Gefängniß , ohne daß man daran dachte das Urtheil der Richter aufzuheben . Vielmehr scheint alles nach und nach durch seine Freunde bewirkt zu seyn , deren Vertheidigungen des Sokrates die Athener nun mit kühlerem Blut prüften , und die Unschuld des Sokrates und die Bosheit seiner Feinde entdeckten . Vielleicht trugen auch die Nachrichten von seinem großen und standhaften Bezeigen im Gefängniß dazu bei . Das Betragen des Volks ist also die schönste Rechtfertigung sowohl für den Sokrates , als für die Athener selbst . - Während scheint daher den Kleonidas hier sehr hart urtheilen zu lassen , aber freilich - er läugnet auch die ganze Begebenheit . Die Gründe , die ihn dazu bewogen , sind von Barthélemy in Bd . 5. der Reise des Anacharsis aufgeführt sur les prétendus regrets que les Athéniens témoignèrent après la mort de Socrate . 174 Plinius erwähnt dieser Anekdote im 10ten Kap . des 35sten Buchs : Magnis suffragiis superatus a Timanthe Sami in Ajace armorumque judicio , herois nomine se moleste ferre dicebat , quod iterum ab indigno victus esset . W. 175 Diese Vermuthung des Timanthes ist bekanntlich in vollem Maß eingetroffen . Plinius folgte in seinem Urtheil über den angeblichen Kunstgriff , welchen der Maler durch Verhüllung des Agamemnon angebracht haben sollte , allem Ansehen nach bloß der damals schon allgemein angenommenen und seitdem von unzähligen Neuern ( ohne nähere Untersuchung , wie es scheint ) nachgesprochenen Meinung . Timanthi plurimum adfuit ingenii ; ejus enim est Iphigenia , oratorum laudibus celebrata , quâ stante ad aras periturâ , eum moestos pinxisset omnes , praecipue patruum Menelaum , cum tristitiae omnem imaginem consumsisset , patris ipsius vultum velavit , quem digne ostendere non poterat , l. cit . Ich müßte mich sehr irren , oder die Erklärung , welche Timanth in dieser Erzählung des Kleonidas den drei jungen Kunstkennern gibt , bedarf keiner weitern Beweise , um für die einzig wahre Darstellung seines Verfahrens und der Gründe desselben erkannt zu werden . W. Ohne Zweifel dachte Wieland hiebei auch an das , was Lessing hierüber gesagt hat in dem Laokoon S. 34 fgg . 66. Brief . 176 Ein Schüler des Pythagoräers Archytas von Tarent , soll die Pythagorische Lehre zuerst öffentlich bekannt gemacht , so wie die Bewegung der Erde um die Sonne zuerst gelehrt haben . 67. Brief . 177 Wie Lais den Schluß ihrer Antwort unter den angegebenen Umständen hat schreiben können , überlasse ich denen auszumachen , welche gern Räthsel lösen . 68. Brief . 178 Uebertrieben subtile und pedantische Grübler , wahrscheinlich ein von Aristophanes in den Wolken zuerst in diesem Sinne gebrauchtes Wort . W. Eine ausführliche Abhandlung über die Wörter Phrontis , Phrontizein , Phrontisten und Phrontisterion hat Wieland geliefert in seinen , der Uebersetzung der Wolken beigefügten Erläuterungen ( Att . Mus . II. 2 , 35-47 ) . - Voß hat das Aristophanische Phrontisterion übersetzt durch Denkwirthschafteri , und Phrontist ( merimnoprontisths ) durch Tiefsinnesdenker . 179 Anspielung auf eine merkwürdige Allegorie Platons , wodurch er zu Anfange des siebenten Buches seiner Republik den menschlichen Zustand in Ansehung des Wissens und Nichtwissens zu versinnlichen sucht . 180 Aus Sesamon , einer kornartigen Hülfenfrucht , bereitet , mit Honig , Käse und Oel gemischt , war ein bei den Athenern sehr beliebtes Backwerk . 181 Es war eine alte Sitte bei den Athenern , daß jeder Gast seinen eigenen Bedienten mitbrachte , um sich von ihm bei der Tafel bedienen zu lassen , und vornehmlich um von den verschiedenen Gerichten , wovon jedem Gast eine reichliche Portion vorgesetzt wurde , alles was dieser nicht selbst verzehrte und was transportabel war ( z.B. Stücke gebratnen Wildbrets , Würste , Hühner , Fische , wildes Geflügel , Kuchen u.s.w. ) , in einen bei sich habenden Korb oder Sack stecken und nach Hause tragen zu lassen . W. 69. Brief . 182 Dieß kann sich nur auf Hippasos von Metapont beziehen , der das Feuer für das Grundelement hielt , wodurch in periodischem Wechsel die Welt entstehe und untergehe . 183 Für die menschliche Erkenntniß gibt es eine doppelte Quelle , entweder die Sinnlichkeit oder Verstand und Vernunft . Jene zeigt die Dinge nur als einzelne , eigenthümliche , in ihrer Besonderheit , diese in ihrer Allgemeinheit , nach dem , was allen Dingen einer Art gemeinsam ist . Hienach unterschied Platon eine doppelte Welt , die Sinnenwelt und die Verstandeswelt ( die intelligible , die nur durch den Verstand und nicht durch den Sinn erkennbar ist ) . Nach seiner Ansicht erkennt man nur in dieser Verstandeswelt die Dinge wie sie an sich sind ( als ontos onta ) ,