glaube , das Thermometer sank um einige Grade , wenn sie anrückte . Kommen Sie zu uns , Fräulein Paula , Sie werden es nicht bereuen . In dem Hause , wo meine Frau regiert , da ist gut sein , und ich bin schließlich auch ein Mensch , mit dem sich leben läßt . Unsere kleine Bande wird Ihnen ja manchmal zu schaffen machen mit ihrer Wildheit , aber schlimm ist sie nicht . Wie die Kletten werden sich die kleinen Rangen an Sie hängen mit ihrer Zärtlichkeit . Machen wir die Sache gleich auf der Stelle ab – schlagen Sie ein ! « Er streckte ihr fröhlich die Hand hin , und Paula schlug ein – wie gern ! Sie machte kein Hehl aus ihrer freudigen Dankbarkeit . Zwar stutzte sie ein wenig , als der Professor von den Bedingungen sprach , die er nur so obenhin berührte , denn sie waren glänzend , aber das junge Mädchen war viel zu glücklich , um darüber nachzudenken , sie wäre ja mit dem geringsten Gehalt zufrieden gewesen . Der Professor dagegen schien seelenvergnügt über ihre Zusage , meinte aber , die Gnädige brauchte vorläufig noch nichts davon zu wissen , es wäre Zeit genug , wenn sie es bei der Trennung erfahre . Paula stimmte auch diesem Vorschlage sofort zu . Nach acht Tagen reiste Professor Rosner wieder ab , und Berneck brachte ihn selbst nach der Bahnstation . Er schien überhaupt die alte Vertraulichkeit mit seinem einstigen Lehrer wieder aufgenommen zu haben , zur Verwunderung von Frau Almers , welche sich diese ungewohnte Liebenswürdigkeit ihres sonst so schroffen und unzugänglichen Neffen nicht erklären konnte . Sie fand , daß der Besuch ungemein günstig auf ihn gewirkt hätte . Es war am Tage nach der Abfahrt Rosners , gegen Abend , als die beiden Damen von einem Spaziergange zurückkehrten , den sie in der näheren Umgebung des Schlosses unternommen hatten . Diese Spaziergänge waren jetzt nichts weniger als angenehm für Paula . Frau Almers hatte einen verletzend eisigen Ton , wenn sie ungnädig war , und den bekam das junge Mädchen jetzt immer zu hören , sobald Berneck nicht zugegen war . Heute nun hatte man ihr , als von der bevorstehenden Abreise die Rede war , einen sehr deutlichen Wink gegeben , daß die ihr gewährte Bedenkzeit nunmehr abgelaufen wäre . Paula hatte das schweigend hingenommen , ohne Widerspruch , zur großen Genugthuung der alten Dame , die in dem Schweigen den Beweis dafür erblickte , daß der » Trotzkopf « seine Thorheit eingesehen hätte und bereute . Das stimmte sie so gnädig , daß sie abwehrte , als das junge Mädchen sie wie gewöhnlich begleiten wollte , um ihr vorzulesen , und es klang zum erstenmal wieder etwas wie Güte in ihrer Stimme , als sie sagte : » Ich brauche dich heute nicht , mein Kind . Bleibe noch eine Stunde auf der Terrasse , du siehst recht blaß aus und klagst ja auch über Kopfschmerz . Die kühle Abendluft wird dir gut thun . « Damit ging sie , und Paula atmete auf bei der ihr gewährten Erlaubnis . Sie empfand es trotz alledem als eine Art Unrecht , daß sie ohne Wissen und Willen ihrer bisherigen Beschützerin über ihre Zukunft verfügt hatte , aber Frau Almers hatte ihr ja bereits mit der Trennung gedroht und würde zweifellos Ernst machen , wenn sie bei ihrem Nein blieb . Gott sei Dank , daß sie nun nicht ziellos hinauszugehen brauchte unter Fremde ! Kurz vor der Abreise Rosners war noch ein Brief seiner Frau gekommen , die er benachrichtigt hatte . Sie erklärte sich ganz einverstanden mit seiner Wahl und hieß die künftige Hausgenossin in den herzlichsten Worten willkommen . Ebenso herzlich war der Abschied des Professors selbst gewesen . Paula wußte gar nicht , womit sie all diese Güte und Freundlichkeit verdient hatte , man schien ihr ja fast die Stellung einer älteren Tochter anzuweisen . Sie hätte doch nun sehr glücklich und dankbar sein müssen bei dieser unverhofften Wendung , und war es auch , wenigstens sagte sie sich das immer wieder von neuem , aber mitten in diesem Glück und dieser Dankbarkeit quoll oft ein heißes Weh , das sie nie vorher gekannt hatte , in ihrem Inneren auf . Vielleicht war es das Bangen vor der letzten , unvermeidlichen Auseinandersetzung mit Frau Almers , in der sie doch nur zu wiederholen brauchte , was sie bereits so energisch ausgesprochen hatte . Aber wohin war der Mut gekommen , mit dem sie sich damals gewehrt hatte gegen den fremden , den ungeliebten Mann , den man ihr aufdrängen wollte ! Eine einzige Stunde hatte ihn vernichtet . Es war eine so düstere Stunde gewesen , dort an der Marienkapelle , in dem Weben der Dämmerung , an dem nebelatmenden See , wo das weiße Dunstmeer wogte und wallte . Was sie enthüllte , war noch düsterer gewesen und doch war aus all diesen finsteren Schatten etwas so Süßes emporgetaucht , das Paula auch noch nicht gekannt hatte – das Bewußtsein , geliebt zu werden ! Sie hatte ja die Hand des Mannes zurückgewiesen , der ihr das nun endlich verriet . Freilich , da kannte sie ihn noch nicht , aber er hatte doch jene herbe Abweisung gehört und verzichtet , wie ernst es ihm damit war , das zeigte er ihr täglich . Es war vorbei – und dem jungen Mädchen war zu Mute , als hätte das Glück , von dem sie so oft geträumt , das sie sich retten wollte mit jenem Nein , so lange neben ihr gestanden , unerkannt , ungeahnt – und sei nun entflohen ! Da fiel ein matter Lichtschein auf die Terrasse . Ullmann hatte drinnen im Salon , wo es schon dunkelte , die große Hängelampe angezündet und trat nun heraus zu dem jungen Mädchen , das still und träumerisch an der Brüstung lehnte . » Eben ist Herr Ulrich zurückgekommen , « sagte