als sie sich dem Häuschen näherte . „ Ja wohl , “ versetzte Max gleichgültig . „ Agnes hat Besuch bekommen . Ah , da ist sie ja . “ Frau Agnes erschien jetzt wirklich und wechselte einen schnellen Blick des Einverständnisses mit ihrem Manne , der in demselben Augenblicke ein ebenso hinterlistiges wie geschicktes Manöver ausführte . Er ließ den arglosen Freund vorantreten , schob ihn dann ohne Weiteres über die Schwelle und schlug die Thür hinter ihm zu . Dann wandte er sich triumphirend zu seiner Frau : „ So , jetzt sitzen sie in der Falle . Und gnade Gott dem Georg , wenn er nicht als Bräutigam wieder zum Vorschein kommt ! Nun gilt es aber vor allen Dingen , eine etwaige Störung fern zu halten . Es schickt sich zwar durchaus nicht mehr für einen Ehemann und Vater , bei einer Liebeserklärung Schildwache zu stehen , aber in Anbetracht der ganz besondere Umstände will ich mich noch einmal dazu herablassen . Geh ’ in das Haus , Agnes , und sage dem Papa , es wäre ausgezeichnet geglückt ! “ Während Frau Agnes der Weisung ihres Gatten nachkam , spielte drinnen im Pavillon eine kurze , aber inhaltreiche Scene . „ Gabriele ! “ rief Georg und machte eine Bewegung ihr entgegen zu stürzen , besann sich aber und blieb stehen . „ Baroneß Harder ! “ „ Georg ! “ sagte Gabriele mit sanftem Vorwurf . „ Verzeih ’ – ich wußte nicht – ahnte nicht . Wie kommst Du hierher ? “ Gabriele senkte die Augen ohne zu antworten , aber gerade in diesem Schweigen lag eine Verheißung , und sie wurde verstanden . „ Wie kommst Du hierher ? “ wiederholte Winterfeld mit Leidenschaft . „ Gabriele , sprich – wußtest Du , daß ich hier sei ? “ „ Ja , “ war die leise , aber feste Antwort . Georg stand jetzt neben der Geliebten , aber er hatte noch nicht einmal ihre Hand erfaßt . „ Wie soll ich das deuten ? “ fragte er mit forschender Unruhe und aufquellender Zärtlichkeit ; „ es ist ja nicht unser erstes Wiedersehen seit dem Tage , wo wir uns fremd wurden , aber Deine Augen haben mir stets gesagt , daß wir uns auch fremd bleiben müßten . Darf ich jetzt endlich etwas Anderes darin lesen ? “ Er las es in der That in diese Augen , die sich ihm voll und bittend zuwendeten . „ Georg , “ sagte Gabriele innig , „ ich habe Dir einst wehe gethan . Du weißt , was uns trennte , was noch Jahre lang zwischen uns lag . Ich vernichtete damals Dein ganzes Lebensglück ; Du hattest keine Klage , kein Wort des Vorwurfs für mich und littest doch so schwer darunter . Ich möchte Dir jetzt so gern das Verlorene zurückgeben . Habe ich denn noch die Macht dazu ? “ Es hätte dieser Frage nicht bedurft . Die glühende Innigkeit , mit der Georg die Geliebte an sein Herz schloß , gab ihr [ 616 ] die Antwort , noch ehe seine Lippen sie aussprachen . Sie lag wieder in seinen Armen und hörte das Geständniß seiner Liebe , wie einst vor Jahren . Damals freilich kannte sie noch nicht die stürmische , alles überfluthende Seligkeit , die sie einst in Arno ’ s Armen bis zur Sonnenhöhe des Daseins emporzutragen schien und ihr in wenigen kurzen Stunden das Glück eines ganzen Lebens gab , um sie dann auch den ganzen Schmerz des Lebens auskosten zu lassen – aber es strömte doch wieder warm und hell wie Sonnenschein durch ihre Seele . Gabriele hätte ja kein Weib sein müssen , wenn sie nicht freudig aufgeathmet hätte bei dem Gedanken , so treu und fest geliebt zu sein , und es ist ja auch ein Glück , Anderen das Glück zu geben . Draußen lag die Landschaft im Sonnenglanze ; der weite schimmernde See , die reichumkränzten Ufer und das blaue Gebirg in der Ferne – und vor den Beiden , die jetzt den Bund für das Leben schlossen , lag auch dieses Leben so weit und offen da , mit seinen reichen Hoffnungen , seiner lichten Zukunft , mit einer langen Reihe froher , glücklicher Tage . Es war ringsum Alles so klar , so sonnig und hell , und doch umwehte es die junge Braut wie Geisterhauch , wie das leise Grüßen einer Mondnacht und das ferne Rieseln eines Quells , und einen Moment lang verschwand all das goldene Sonnenlicht vor ihren Augen , verdunkelt von einer Thräne . Gabriele fühlte es ja , daß sie dem Leben und der Liebe zurückgegeben war , aber – um hohen Preis .