um Unfug zu verhüten ? “ „ Lassen wir das Volk gewähren , verehrter Kollege , “ meinte der Andere . „ Es ist uns nicht wohlanständig , uns in solche Händel zu mischen . Sie ist unseres Schutzes nicht würdig und die gerechte Entrüstung der Leute wird sich nur in Worten Luft machen , die zu hören , ihr nicht schaden kann . Volkes Stimme Gottes Stimme ! “ „ Ja wohl , ja wohl ! “ bestätigte der Erstere . „ Man darf dem sittlichen Gefühl des Volkes in solchen Fällen keinen Abbruch tun . Uns wollte sie nicht hören — so möge sie nun die Wahrheit aus dem Munde der Bauern vernehmen . Vielleicht wirkt diese Art von Predigt mehr auf sie , als die gebildeter Männer wie wir ! “ „ Hoffen wir es ! “ sagte der katholische Herr freundlich , indem er sich mit dem protestantischen Amtsgenossen an einen der leeren Tische setzte und ihm von dem Schöpplein alten Roten eingoß , den der Wirt vor ihm hinstellte . _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ „ Was ist das ? “ fragte Johannes leise , als plötzlich von ferne ein Summen nahender Stimmen und Tritte erscholl . Er hatte seine Hand noch immer geduldig unter Käthchens Kopf liegen und wollte sie nicht herausziehen , um das Kind nicht zu wecken . Der Schulmeister schlich auf den Zehen an das Fenster und sah hinab . „ Ich kann nichts erkennen , “ sagte er . „ Ein mühender Schwarm zieht die Straße herauf , aber ich unterscheide nicht — wer und was es ist . “ „ Die Menschen sind noch aufgeregt von dem Ereignis des Tages , “ meinte Johannes . Indessen kam der Lärm näher . Man hörte einzelne Schimpfreden , es war , als fielen geworfene Steine auf das Pflaster nieder . Keifende Weiberstimmen schrieen ganz deutlich : „ Nicht hierherein ! “ „ Zurück ! “ „ Hinaus mit ihr ! “ Knaben jauchzten und pfiffen zwischendurch . „ Um Gotteswillen , “ rief der Schulmeister , „ sie verfolgen eine Dame — das ist ja — Herr Professor sehen Sie doch — sie will in die Häuser flüchten , — die Weiber lassen sie nicht hinein , sie schlagen die Türen vor ihr zu — “ „ Die Bestien , “ knirschte Johannes außer sich vor Wut , denn er hatte den Blick durchs Fenster geworfen und erkannt , um wen es sich handle . „ Jesus Maria ! Sie werfen mit Steinen und Äpfeln nach ihr , “ kreischte Frau Keller . Johannes war schon aus dem Zimmer , als sich der Lehrer mit dem Rufe : „ Es ist ja das Fräulein von Hartwich ! “ nach ihm umwandte . Schon hatte Johannes die Treppe erreicht , da stürzte Keller bleich und verstört herein und warf die Tür ins Schloß . „ Was soll das heißen , “ rief Johannes , „ wollen Sie mich hier einsperren ? “ „ Ach , Herr , “ flehte Keller und stellte sich ihm in den Weg , „ machen Sie nicht auf , — die Hartwich will herein — “ „ Nun , so lassen Sie sie doch herein , nur schnell , was zögern Sie ? “ „ Um Gottes willen nicht ! “ sagte Keller . „ Sind Sie von Sinnen , “ fuhr ihn Johannes an , „ daß Sie einer Mißhandelten , Hilfesuchenden Ihr Haus verschließen wollen ? Öffnen Sie , oder ich brauche Gewalt ! “ „ Herr , Herr — ich werde mein Hausrecht wahren dürfen , wenn ich auch nur ein armer Bauer bin , “ schrie Keller sich gegen den Eingang stemmend . „ An der Schwelle klebt der Schweiß ehrlicher Arbeit und kein verfluchter Fuß soll sie überschreiten . “ Jetzt schien sich die tobende Flut vor dem Hause zu stauen . Ein Steinwurf gegen die Tür von Außen zeigte , daß die Verfolgte ihre Flucht hierher gelenkt habe . Johannes war seiner Sinne nicht mehr mächtig , Das sonst so ruhige , edle Blut kochte in ihm , sein Herz drohte zu zerspringen . Mit Riesenkraft faßte er den Bauern an den breiten Schultern und schleuderte ihn zur Seite , daß ihn der herbeieilende Lehrer im Sturze auffing . Dann riß er die Türe auf und Ernestine fiel ihm halb ohnmächtig vor die Füße . Er zog sie mit unbeschreiblichem Blick an seine Brust empor und schlang seine Arme schützend um sie . Dann rief er mit einem Ausdruck , der keinen Zweifel an seinen Worten ließ : „ Den Ersten , der sich dieser Dame noch zu nahen wagt , schlage ich nieder ! “ Ein dumpfes Gemurmel erscholl . „ Er soll ’ s einmal versuchen ! “ hieß es und geballte Fäuste erhoben sich gegen ihn . „ Ja , ich wird ’ s versuchen — aber wen der Versuch trifft , der kann des Todes sein , “ drohte Johannes und der Eindruck seiner entschlossenen Haltung war so übermächtig , daß Keiner sich herantraute , nur Steine und Schimpfwörter flogen herüber . Johannes schmiegte Ernestines Kopf noch fester an sich : „ Schämt Euch , Ihr Feiglinge , daß Ihr so tückisch aus der Ferne kämpft , weil Ihr Euch nicht in meine Nähe wagt . “ Er wandte sich an Keller . „ Wollt Ihr dieser Dame noch immer den Eintritt wehren ? Ihr seht doch , daß sie sich kaum mehr aufrecht hält ! “ Keller sah sich nach seiner Frau um , die herzugelaufen war . „ Laß sie nicht herein , “ bat sie , „ um Himmels willen nicht