Er schied als Fähnrich aus dem Regiment Prinz Ferdinand ( in Ruppin ) , in dem er bis dahin gestanden hatte . Da er selber fühlen mochte , daß dies wenig sei , so war er bestrebt , einigermaßen nachzuhelfen , und erwarb sich ein Johanniterkreuz . Er hieß nun nicht länger Fähnrich von Kleist , sondern Johanniter von Kleist , und unter diesem Namen , der in dieser eigentümlichen Verwendung wohl nur einmal vorkommen dürfte , hat er vierundzwanzig Jahre lang seine Regierung von Protzen geführt . Unser » Johanniter-Kleist « war ein braver Mann , dem im Kirchenbuche die » Aufrechterhaltung guter Ordnung « eigens nachgerühmt wird . Er muß diesen Ruhm , aufs allgemeine hin angesehen , umso mehr verdient haben , als er im besonderen mit seinem Geistlichen , dem Prediger Friedrich Arnold Dietrich Sachse , in einer beständigen Fehde lebte . Über die damaligen Beziehungen zwischen Patron und Pfarrer ein kurzes Wort . Friedrich Arnold Dietrich Sachse , aus Soest in Westfalen gebürtig , war , wie es scheint , ein echter Westfälinger , groß , stark , ein tapferes Herz , aber auch rücksichtslos wie so oft die » tapferen Herzen « , besonders wenn sie von der roten Erde stammen . Vor allem war er ein Original . Die Bekanntschaft zwischen Kleist und Sachse machte sich bei Tisch im Herrenhause zu Lenzke , wo damals Baron de la Motte-Fouqué lebte , der Sohn des berühmten Generals und der Vater des berühmten Dichters . In diesem Hause fungierte Sachse als Präzeptor . Als das Dessert aufgetragen wurde , fragte Fouqué seinen Gast ( von Kleist ) , » wie es mit der Pfarre in Protzen stehe , und ob er die Vakanz schon wieder besetzt habe ? « – » Seit einer halben Stunde hab ' ich sie besetzt « , antwortete dieser . – » Mit wem ? « – » Mit dem hier sitzenden Kandidaten Sachse . « Es scheint danach , daß die bedeutende Persönlichkeit des letzteren ihres Eindrucks auf von Kleist nicht verfehlt hatte . Sachse übersiedelte nun , und mochte sich anfangs seinem Patron gegenüber , der ihn , in so schmeichelhafter Weise , in die Protzener Pfarre eingesetzt hatte , zu Dankbarkeit verpflichtet fühlen . Aber Dankbarkeit dauert nicht lang , am wenigsten , wenn die Interessen in Krieg geraten . Sachse glaubte sich benachteiligt , und so entstand ein Prozeß , der im Herrenhause so böses Blut machte , daß Kleist , als um eben diese Zeit ein Spritzenhaus errichtet werden mußte , dasselbe so aufführen ließ , daß der Bau wie ein Schirm zwischen ihm und der Pfarre stand . Er wollte die Pfarre nicht mehr sehen . Sachse überlebte seinen Patron um viele Jahre , stand im allgemeinen , wie fast immer imponierende Persönlichkeiten , auf gutem Fuß mit der Gemeinde , war ihr Orakel , ihr Ratgeber und Helfer , und vereinigte , neben einzelnen Schwächen , alle Tugenden des alten Rationalisten in sich . Das Protzener Kirchensiegel bewahrt sein Andenken . Die Inschrift desselben rührt allerpersönlichst von ihm her und lautet : » Natur und Vernunft . « Damit ist alles gesagt . Protzen von 1803 – 1826 Der Johanniter-Kleist starb schon 1794 . Wieder trat eine Witwenherrschaft ein , die wenigstens bis 1803 , vielleicht auch noch um einige Jahre länger dauerte ; dann ging das Gut , aber durch Kauf , an einen Neffen oder Vetter des Johanniter-Kleist über , und zwar an den damaligen Rittmeister oder Major Louis von Kleist , Sohn des sogenannten Magdeburg-Kleist , welcher letztere 1806 durch Übergabe dieser Festung an den Feind so viel Unheil für das Land und zugleich so viel Bitteres und Schmerzliches für die Familie heraufbeschwor . Ich verweile hierbei nicht , nur das mag gesagt sein , daß mir diejenigen nicht ganz unrecht zu haben scheinen , die der damaligen , militärischen Oberleitung – seitens deren ein kranker , beinahe achtzigjähriger Mann mit der Verteidigung der wichtigsten Festung des Landes betraut wurde – die größere Hälfte der Schuld zuzuschieben geneigt sind . Louis von Kleist litt in seinem Herzen schwer unter der Verschuldung des Vaters . Er selbst war eine hervorragend entschlossene Persönlichkeit , groß , schön , ein brillanter Reiter , und zeichnete sich während der Befreiungskriege bei den verschiedensten Gelegenheiten aus . Er blieb Soldat auch nach dem Feldzug , und traf immer nur besuchsweise in Protzen ein . 1815 war er Oberst 1831 stand er in Neiße , wahrscheinlich als Kommandeur einer Division . Bei seinem Hinscheiden war er Generalleutnant . Als Beweis für seine Energie erzählen sich die Protzener , daß er sein seitens der Ärzte schlecht kuriertes Bein ( er hatte sich beim Sturz mit dem Pferde den Oberschenkel gebrochen ) durch einen » Wunderdoktor « aus der Fehrbelliner Gegend neu brechen und dann wieder heilen ließ . Die Prozedur glückte voll kommen . Er hatte seitdem eine geringe Meinung von der Kunst der rite promovierten Doktoren , der er bei jeder Gelegenheit Ausdruck gab . Schon 1826 , also fünf , sechs Jahre vor dem Tode von Kleists , war Protzen durch Kauf an den Freiherrn von Drieberg übergegangen . Kammerherr von Drieberg in Protzen von 1826-1852 Kammerherr von Drieberg in Protzen von 1826 – 1852 Kammerherr von Drieberg , vielen meiner Leser aus den vierziger Jahren her als » Luftdrucks-Drieberg « bekannt , war um 1790 geboren . Sein Vater , seinerzeit Rittmeister im Regiment Gardes du Corps , besaß das zwei Meilen von Protzen gelegene Gut Kantow . Der junge Drieberg wuchs wild auf . Die Gründe für diese Vernachlässigung seiner ersten Erziehung gehören nicht hierher . Erst von seinem vierzehnten Jahre an änderte sich ' s , und was bis dahin versäumt worden war , wurde nun nachgeholt . Hauslehrer und Sprachmeister mußten ihr Bestes tun . Besonders wurde die Musik gepflegt , für die von Drieberg ebenso viel Liebe wie Beanlagung zeigte . Diese Beanlagung war so groß , daß eine Zeit