mir ein Bote Gottes ist ? Und kann nicht unsere Liebe zu Thekla uns beide so einig machen , daß jeder einsieht : dein Nächster bist du selbst ? Wiederum kam über mich stilles Glück . Auf Stufen klomm ich , die führten hinan zur lichten Friedenshöhe . Mir nach aber schleppte sich der matte Zetteritz . Da war Thekla auf einmal bei uns . Mit flehender Liebe sahe sie mir ins Auge , und meine Hand reichte sie dem sich anklammernden Zetteritz . Was dann geschehn , liegt mir umschleiert , daß ich die wirren Bilder nicht mehr zu deuten vermag . Besinnung kam mir erst , als mir ein Licht ins Antlitz fiel und ich über mich gebeugt den Oheim erkannte . Auch er mußte am Kopfe eine Wunde haben , denn der war verbunden . Die Schläfen wusch er mir , feuriger Wein rann in meinen Mund . » Tobias « , lallte ich und tastete nach seiner Hand ; » hilf auch dem Zetteritz ! Er ist mein Nächster ! « Seitdem ward es heller in und bei mir . Ein wärmend Holzfeuer hatte Tobias angezündet , es flammte vor dem thronenden Riesenpaar , und der rote Flackerschein huschte über die rätselvollen Steingesichter . Kühle Verbände machte mir der Oheim und letzte mich mit Nahrung . Wie ich nach erquickendem Schlummer abermals bat , Zetteritz solle doch ja nicht vergessen werden , erhielt ich zu meinem Staunen die Antwort : » Der Zetteritz ist allbereits seit dreien Tagen droben in der Grotte und so genesen , daß er morgen helfen wird , dich hinaufzutragen . « Richtig stund nach etlicher Weile neben dem Oheim Zetteritz vor mir . In seinem Angesicht , das die Laterne beleuchtete , zuckte es seltsam , als ringe ein weich Gefühl den Trutz des Mannes nieder . Herkniend ergriff er meine Hand und stammelte : » Dank , Johannes , du hast mich gerettet , und ich war dein Feind . Vergib mir ! « Antworten wollt ich , konnte aber nur stumm seinen Händedruck erwidern . Dann überwältigte mich erneutes Leid um jene , die uns beide widereinander gebracht , weil wir beide sie begehrten ; und die wir gemeinsam nun verloren hatten . Oder war ' s vielleicht doch nur ein Traum gewesen , daß Berthulde sie umgebracht ? Gewißheit mußt ich haben ! » Ich bitte dich , Oheim , und auch dich , Zetteritz , wollet alsogleich mir Aufschluß geben über Thekla . Ist sie wirklich tot ? « Beschwichtigen wollte der Oheim , Zetteritz schwieg düster , an seine Lippe die Faust gepreßt . » Ihr foltert mich « , rief ich flehend . Da seufzete schwer der Oheim : » Fasse dich ! Ja , sie ist tot . « Nun erlosch meines Hoffens letztes Fünklein , nichts blieb mir übrig , als jenem heiligen Schatze nachzutrachten , den mein Vater angedeutet . Dumpf fragte ich weiter : » Wie starb sie ? Ist es wahr , daß Berthulde sie umgebracht ? « Traurig nickte der Oheim : » Berthulde hat es eingestanden . « - » Bringt mir Berthulden , ich muß sie sprechen ! « Der Oheim wehrte mit der Hand : » Berthulde ist tot , selbst hat sie sich gerichtet , doch frage jetzo nicht weiter . Das alles ist so voller Grauen , daß du es nicht hören darfst , solange du krank . Versuche jetzo , aufzustehen , mein armer Johannes . Lege den Arm um meinen Nacken ; Herr Zetteritz , wollet auf der andern Seite als Stütze dienen , recht so , vorwärts ans Tageslicht ! Mach dich aber bereit , Trauriges zu schauen . Was wir unternommen haben , arg hat es sich gewandelt in diesen sechs Tagen . « - » In sechs Tagen ? « staunte ich . Der Oheim versetzte : » Daß du die Wunde davontrugest , ist noch länger her . Das war ja ein paar Tage vor Johanni . « - » Und vor sechs Tagen ? « forschte ich weiter - » was hat sich denn da zugetragen ? « - » Da hat der Feind die Abendburg erstürmt und alles wüst gemacht . « Zusammenzuckend nahm ich meinen Arm von des Zetteritz Schulter . Er blickte trübe und sagte dumpf : » Ich tat das nicht , brauchst mir darob nicht zu grollen . Stütze dich nur wieder fest auf mich , ich möchte dir vergelten , was du mir Gutes getan - wiewohl ich nicht hehle , daß ich zu deinen Feinden gehörte und damals gern getan hätte , was die andern taten . « Ich hatte wieder den Arm um seinen Nacken gelegt , schleppenden Schrittes ging es vorwärts . » Welcher Feind hat die Abendburg überwältigt , und was ist aus unsern Leuten geworden ? « - » Colloredos Volk , die Besatzung des Kynast hat den Wachstein erstürmt und ist zur Abendburg heraufgedrungen , hat uns einen Tag und eine Nacht belagert und dann mit blutiger Waffe überwältigt . Alles haben sie geplündert und wüste gemacht . Haben auch drunten des Dorfes nicht geschont , wie denn mein Häusel , mein lieb Häusel niedergebrannt , mein Laboratorium zerstört ist . Beate , unsre gute Beate - vor Schrecken starb sie - der Schlag hat sie gerührt , oh ! « - Und es weinte der Oheim , auch mir kamen Zähren . Nach einer Pause sprach er weiter : » Was unsere Leute betrifft , so sind die einen tot , die andern gefangen , die letzten geflüchtet . Doch laß gut sein , Johannes , uns bleibt ein Trost : Das Niedergerissene werden wir neu errichten . Diese Höhle ist geblieben , wie sie war . Niemand ist eingedrungen oder hat davon erfahren , niemand sonsten als hier der Ritter , der aber hat gelobt , verschwiegen zu sein . « Zetteritz beteuerte das aufs neue , und der Oheim meinte : »