Hartnäckigkeit in dem einmal Begonnenen , die sich später so oft wieder an ihm herausstellt . Langsam , vorsichtig , oft allzu bedenklich ging er an die Unternehmungen , aber das einmal Begonnene führte er mit der tödlichen Ruhe eines Fanatikers zu Ende , der sich dem einmal gefaßten Entschlusse verfallen glaubt . Es ist dies vielleicht ein religiöses Element , das bei Skrzynecki überhaupt mehr hervortritt als das nationale . Von der polnischen Volkstümlichkeit bemerkt man außer der schwärmerischen Vaterlandsliebe fast nur das elegische Wesen an ihm , welches sich so leicht über ein unterdrücktes Land verbreitet , und sich zu einer schwärmerischen Religiosität ausdehnt . Hier sah Valerius den neuen Generalissimus zum ersten Male deutlich . Von einigen Offizieren begleitet ritt er bei den letzten Strahlen der noch kraftlosen Frühlingssonne in das Dorf ein . Das Antlitz strahlte , als ob ein Gebet darauf ausgebreitet wäre , und das matte aber große Auge richtete sich einen Moment lang nach der Himmelsdecke . Dann nahm der Held des Tages ein Glas hervor , betrachtete noch einmal in größerer Nähe die eroberte Stellung , und gab einige Befehle . Er ritt , wie es schien , noch dasselbe hohe Pferd , das ihn bei Wavre getragen hatte ; nachlässig saß die große , edle Figur darauf , aber ein Reitverständiger konnte schnell erkennen , daß es nicht die Ungeschicklichkeit Friedrichs II. oder die Napoleons in der edlen Reitkunst war , welche aus seiner nachlässigen Stellung hervorguckte , sondern vielmehr die erworbene Sicherheit , welche natürliche Anlage und eine stete Übung erzeugt . Die langen Beine des Reiters lagen fast wie eingewachsen am Sattel , und der schön proportionierte volle Oberkörper wiegte sich leicht und gerade in unbekümmerter Sicherheit . Der sanfte , nachdenkliche Ausdruck seines Gesichts , welchen die Siegesfreude nur flüchtig verdrängt hatte , das sinnende poetische Auge erinnerten eher an einen Denker , und nur zuweilen schärfte der Ernst seiner Züge die weichen Formen bis zum befehlshaberischen , kriegerischen Ansehen . Die Order für die Kickischen Ulanen , den tätigsten Anteil an der Verfolgung des Feindes zu nehmen , unterbrach die Betrachtung des Deutschen . Er konnte nur noch einen flüchtigen Blick auf den neben Skrzynecki reitenden Prondzinski werfen , und fort riß ihn die rasche Bewegung seines Regiments . Jetzt begann nun das eigentliche Lager- und Biwakleben des polnischen Heeres , der Feind wurde zwar immer wieder auf der Chaussee zurückgedrängt , bei und in Iganie selbst , das Prondzinski mit dem Bajonett in der Hand nehmen ließ , in einem mörderischen Gefechte geschlagen , und bis hinter Siedlce , den Hauptort seiner Magazine und Kranken , zurückgeworfen . Aber der vorsichtige , bedenkliche Skrzynecki wagte nicht weiterzudringen , in Siedlce war ein Lazarett mit Cholerakranken , er betrat diese Stadt nicht , und der blutige Sieg bei Iganie wurde nicht weiter verfolgt . Allmählich zog der Gegner Diebitsch seine Truppen enger zusammen und rückte mit überlegenen Kräften wieder vor , und so trat denn die lange Periode des Krieges ein , wo sich die Heere bald vor-bald rückwärts auf der Chaussee hin und her bewegten . Zuweilen ließ es sich an , als würden sie sich in eine Schlacht verwickeln , wie zum Beispiele in dem Treffen bei Minsk , aber es kam nicht dazu . Diebitsch war wohl auch durch die Tage bei Praga und Grochow zu der Überzeugung gelangt , daß er nur mit erdrückender Überlegenheit auf einen Erfolg rechnen dürfe , und wartete deshalb ungeduldig auf die Garden , welche von Petersburg her eintreffen sollten . So beobachteten sich die Heere , neckten sich , schützten sich durch Positionen , und der warme Frühling war indessen rings um sie eingekehrt , das Moos der öden Wälder , die jetzt überall von Kriegern wimmelten , glänzte mit jungem Grün , das unter der Schneedecke gediehen war , die Nadeln der sonst so eintönigen Kieferwälder schimmerten in junger Frische , dunkle Fichten und Tannen hoben das monotone Kolorit . Wenn er mit den ewig muntern Reitern dahinzog beim warmen Morgensonnenscheine , welcher spielend hin und her prallte an den Waffen , da fühlte Valerius in seinem Herzen oft wieder die lang ' vermißten Regungen der Jugend , hinauszuschweifen über die Felder ohne Absicht und Plan , singend und träumend auf den schaukelnden Sonnenstrahlen . Die stete Bewegung in der freien Luft , der lebhafte Wechsel des Krieges , die tägliche Gefährdung und tägliche Rettung des Lebens - alles das hatte ihn nicht zu seinen Gedanken zurückkommen lassen , er war ein Krieger geworden wie die andern , von einer Stunde zur andern lebend , nichts vor Augen habend als den nächsten Zweck . Nur wenn ein müßiger Tag eintrat , da nahten leise aus der Ferne die alten quälenden Fragen : » Kannst du nichts Besseres tun , als Menschen erwürgen ? Willst du so fortleben , ohne Zweck und Absicht ? « Aber sie wurden nicht laut und traten nicht nahe genug . Das Leben um ihn her ließ keine Zeit dazu übrig , und Konstantiens heiße Küsse beherrschten die Träumereien . Diese Art Krieg zu führen begünstigte aber mehr als jede andere das eigentliche Biwakleben . Es gab keine Schlachten , die alle Kräfte in Anspruch genommen hätten , und doch war man fortwährend in solcher Spannung und Aufmerksamkeit , daß alle Fähigkeiten geweckt blieben . In der nächsten Stunde stand den Leuten Gefahr und Tod an der Seite , was Wunder , wenn sie alle gesellige Rücksicht und Ängstlichkeit beiseite setzten , solange sie nebeneinander am Feuer lagen , und ihre Lebensgeschichten oder dies und jenes erzählten ! Hätte Valerius noch einen Zweifel gehabt über den Leichtsinn , die Liebenswürdigkeit , das Unglück und alle die Fehler dieses Volkes , die Biwakszenen hätten ihn gelöst . Es waren namentlich zwei Offiziere aus den älteren polnischen Provinzen , mit denen er am öftesten verkehrte , für die er sich am meisten interessierte . Der älteste von ihnen war aus Litauen , der jüngere