Ihr Opfer an , weil ich weiß , daß es für Sie von großem Interesse ist , an meinen psychologischen Beobachtungen teilzunehmen . Kommen Sie noch vor zehn Uhr zu mir ! Es ist nötig , daß ich Sie vorbereite . « Er ging . Als er fort war , stellte John sich hoch und breit vor mich hin , sah mir mit listigem Augenzwinkern in das Gesicht und fragte mich : » Es ist Euch doch wohl ein Sihdi , welcher Gedichte macht , bekannt , Charley ? « » Freilich ! « lachte ich . » Kann dieser Sihdi auch solche Reime machen , wie wir vorhin gehört haben ? « » Er hat sich vorgenommen , es zu versuchen . « » Ihr wollt mir entweichen . Also gerade und glatt heraus : Hat dieser Sihdi jenes Gedicht gemacht ? « » Nein ! « behauptete ich . » Halloo ! Ich kenne Euch als einen streng wahrheitsliebenden Mann ; jetzt aber scheint Ihr doch eine Ausnahme machen zu wollen ! Ich möchte diese Verse keinem Andern als nur Euch zuschreiben ! « » Nehmt Herzensdank für die gute Meinung , die Ihr von mir habt ! Aber ich sagte soeben , daß man zwischen Harfe und Spieler zu unterscheiden habe . Wenn sich der Betreffende nicht nennt , so tut er das jedenfalls aus Gründen , die wir achten müssen . Warum also nach ihm forschen und fragen ? « » Well ! Ihr habt in einem so bestimmten Tone Nein ! gesagt , daß - - - « » Bitte , « unterbrach ich ihn ; » diese Antwort galt nicht Eurem Fragegedanken , sondern Eurer Ausdrucksweise . Ihr fragtet , ob dieser Sihdi jenes Gedicht gemacht habe . Es gibt freilich tausende und abertausende von Gedichten , welche gemacht worden sind ; sie werden für Gedichte ausgegeben , sehen ihnen auch ähnlich , sind aber keine Gedichte . Wahre , wirkliche Gedichte werden nicht gemacht , wenigstens nicht hier bei uns ; sie entstehen in jenen Sphären , aus denen die Inspiration auf Engelsflügeln niederschwebt , um dem nach oben lauschenden Poeten die Stirn zu küssen und ihm das Auge und das Ohr für eine Welt zu öffnen , die Anderen verborgen bleibt . Der Dichter ist darum zugleich auch Seher . Das ist das untrüglichste Erkennungszeichen . Wer nicht Seher ist , kann auch nicht Dichter sein ! Schaut in die Heilige Schrift ! Wie oft beginnen die Reden der Propheten : Und ich sah oder Und ich hörte eine Stimme . Sie waren Seher , und lest nun ihre Worte , so werdet Ihr erkennen , daß sie als Seher Dichter waren . Das Eine ist nicht von dem Andern zu trennen ! Dem wahren Dichter kommt aus einer Welt , die mit der unsrigen zusammenhängt , auf leisen Schwingen schöngebor ' ne Kunde ; er nimmt sie auf ; er gibt sie weiter fort , und wer sie hört , der wird von ihr berührt , als sei sie ein Gedicht aus Engelsmunde . Das ist die Poesie , die aus dem Himmel stammt ; kein Geist , kein Mensch kann sie uns niederbringen ; dort oben , wo das Meer des Lichtes flammt , muß jeder Strahl in goldnen Reimen schwingen . Und steigt er nieder , nimmt er Formen an , um sich dem Menschensinn zu offenbaren , und diese Formen , sie bestehen dann für unsre Nachwelt noch nach tausend Jahren ! « Raffley und der Governor standen da und sahen mich aus großen Augen an . Es war wie eine Begeisterung über mich gekommen , und ich hatte gesprochen , ohne vorher zu überlegen , oder gar die Worte metrisch abzuwägen . » Wißt Ihr nun , was ein Gedicht ist ? « fragte ich . » Und wißt Ihr nun , wer eigentlich das Recht besitzt , sich einen Dichter zu nennen ? « Da antwortete der Neffe : » Ich habe es nicht mit der Heimat der inspirierenden Kräfte zu tun , sondern mit der von ihnen auserwählten Persönlichkeit , und diese ist für mich der Dichter . Sagt mir nun noch hundert- oder tausendmal Alles , was ihr wollt , aber das Gedicht , von dem die Rede ist , wird doch mit keinem andern Namen , als nur mit dem Eurigen gedruckt ! Ich bitte , mir dann mitzuteilen , in welchem Werke ; es muß sofort in meine Bücherei ! « - Es war halb zehn Uhr , als ich zu Tsi ging . Er befand sich in seinem Zimmer und sagte mir , er habe Mary mitgeteilt , daß ich wachen wolle , und sie sei damit dankbar einverstanden gewesen . Dann fuhr er fort : » Ich hatte die Absicht , Ihnen eine ausführliche Erklärung des Krankheitszustandes zu geben , und dann wollte ich Ihnen für jeden in der Nacht möglichen Fall die betreffenden Verhaltungsmaßregeln vorschreiben ; aber ich will doch lieber davon absehen , dies zu tun . Sie sollen Ihres heutigen Amtes in möglichster Unbefangenheit walten . Sie sollen diesen scheinbar Geisteskranken nicht von meinem Standpunkte , sondern von dem Ihrigen aus betrachten , und dann werden wir sehen , welche Differenzen sich zwischen beiden ergeben . Kommen Sie also ! Ich führe Sie nach der Krankenstube ! « Er ging voran und öffnete die Tür . Das Zimmer war groß ; der schöne Abendhauch hatte ungehindert Zutritt . Auf dem Tische brannte eine halb verhangene Lampe . Der Kranke lag unter einer leichten Decke lang ausgestreckt im Bette , an welchem Mary saß . Als sie mich sah , stand sie auf . » Wie recht , daß Sie kommen ! « sagte sie leise . » Sie werden ihn kaum wieder kennen ; aber ich bin nicht mehr traurig , sondern froh , denn Herr Tsi hat mir versichert , daß Vater gerettet sei . Er kennt mich noch nicht , ist aber in den Zwischenräumen