Streitsucht ; immer hatte sie den Ruhseligen unter ihren energischen Willen zu ducken verstanden . Jetzt wendete sich das Blättchen . Jetzt wollte er ihr zeigen , daß es auch umgekehrt gehe ; er hatte Wohlgefallen am Schlechtsein gefunden . In Karl hatte all die Zeit über etwas geschlummert , etwas wie die versteckte Wildheit des Stieres , die nur ausbricht , wenn die Gelegenheit sie hervorlockt . In diesem Bauernsohne lag eine Summe von tierischer Kraft angesammelt , wie sie seine Vorfahren im harten Ringen mit der Natur wohl gebraucht ; aber ihm waren alle jene edleren und feineren Gaben versagt geblieben , die den Landmann zu einem guten Wirt und Hausvater , zu einem Pfleger und damit in höherem Sinne zu einem Überwinder der Natur machen . Solange er in guter Obhut gewesen unter der strengen Fuchtel des alten Bauern , auf dem väterlichen Gute wie ein Knecht gehalten , waren die wilden Seiten seines Wesens nicht hervorgebrochen ; aber jetzt , wo er , losgerissen von der Heimat , den Boden unter den Füßen verloren hatte , in Verhältnisse geworfen war , denen er mit seiner gering entwickelten Intelligenz nicht gewachsen , fiel er mit Notwendigkeit in jene angeborene Roheit zurück . Geschlagen hatte er seine Frau noch nicht wieder seit dem Zweikampfe an jenem Morgen . Er hatte sich , als er die Folgen seiner Tat gewahr geworden , doch vor sich selbst entsetzt . Dann kamen wieder Augenblicke , wo sie ihn durch ihre spitzen Redensarten , denen seine plumpe Zunge nicht gewachsen war , zum Grimm reizte . Da juckte es ihm in den Fingern , loszuschlagen . Aber das Bewußtsein , daß er neulich haarscharf daran vorbeigegangen war , zum Gattenmörder zu werden , hielt ihn immer wieder zurück . Es ging wenig erquicklich zu in dem Haushalte der beiden ; zum häuslichen Unfrieden kam auch noch Krankheit . Die Kinder legten sich der Reihe nach . Das Achtmonatskind , welches Therese von Toni zur Pflege überkommen hatte , siechte von dem Augenblicke an , wo die Mutter es verlassen hatte . Therese sagte wie oft : » Wenn ack der Racker blußig starben wullte , daß Ruhe wirde ! « - Aber ihre Taten waren besser als ihre Worte . Manchmal trug sie das elende Würmchen eine halbe Nacht lang im Zimmer umher und suchte es in Schlaf zu wiegen . Karl fing jetzt an , des Abends regelmäßig auszugehen . Es hatte sich herumgeredet , daß Büttnerkarl im Besitze einer größeren Summe Geldes sei . Wie immer hatte das Gerücht vergrößert . Karl fand daher in den Schenken Kredit . Therese war außer sich . Sie lief bei den Leuten umher und verbreitete , Karl besitze von dem Gelde - keinen Pfennig mehr . Aber der Eifer , mit dem sie das erzählte , machte ihre Behauptung unglaubwürdig . Ihr Mann bekam nach wie vor Schnaps geschenkt , soviel er nur wollte . Auch den Kretscham von Halbenau besuchte Karl öfters . Kaschelernst kicherte vergnügt , sobald er des Neffen ansichtig wurde . Mit der Miene des teilnehmenden Verwandten erzählte er ihm auch gelegentlich , was » der Alte « mache . Seinen Vater hatte Karl noch nicht wieder gesehen , seit er im Frühjahr nach Wörmsbach gezogen war . Natürlich war Kaschelernst äußerst neugierig , zu erfahren , wie es mit des Neffen Gelde stehe . Bald hatte er auch herausbekommen , daß Karl da nicht ' ran dürfe . Die Geschichte ergötzte den alten Gauner aufs höchste ; dergleichen Angelegenheiten waren ganz nach seinem Sinne . Eines Tages kam er mit geheimnisvoller Miene an Karl heran , tuschelte ihm ins Ohr : Wenn er noch etwas von seinem Gelde sehen wolle , möge er sich dazuhalten ; Therese sei drauf und dran , ein paar Ziegen davon zu kaufen . Karl lief spornstreichs nach Haus . Diese Nachricht hatte den Trägen in Aufruhr gebracht . Therese Ziegen kaufen , von seinem Gelde ! - Jetzt wollte er ' s heraushaben von ihr ! Aber auf dem Wege von Halbenau nach Wörmsbach hatte er Zeit , sich die Sache zu überlegen . - Wenn er was sagte , würde sie ' s merken , und er hatte wieder das Nachsehen . Diesmal wollte er ' s schlauer anfangen . Sie hielt ihn zwar für dumm ; zehnmal am Tage bekam er einen » Uchsen « an den Kopf geworfen , aber nun wollte er sie gerade mal überlisten . Er beschloß , zunächst den Mund zu halten und zu warten . Am nächsten Morgen zog Therese die Sonntagskleider an , band eine frische Schürze darüber und legte ein buntes Kopftuch an . Sie wollte mal zum » Duchter « gehn wegen der Kinder , erklärte sie . Er möchte die Töpfe auf dem Herde beobachten und gelegentlich rücken , damit ' s nicht überkoche . Der freundliche Ton , in dem sie das sagte , war verdächtig . Er paßte genau auf jede ihrer Bewegungen auf . Ob sie das Geld schon bei sich hatte ? - Sie ging in die Kammer nebenan . Er lauschte . Fast klang es , als steige sie auf einen Stuhl . Sie rückte etwas . Dann konnte er ein schwaches Klimpern vernehmen . Das war das Geld ! Nach einiger Zeit kam sie wieder ins Zimmer . Nun wolle sie aber gehen , sagte sie , sie habe sich nur noch ihr Sacktuch geholt . Er ließ sie durch die Türe schreiten ; aber dann war er auch sofort hinter ihr drein . Noch ehe sie ins Freie gelangt , hielt er sie am Arme . Auf der anderen Seite des Hausflurs war ein leerer Stall ; eben der Ort , den sich Therese für ihre Ziegen ausersehen hatte . Dahinein riß er sie , schob den hölzernen Riegel vor , sobald er sie drin hatte . » Gibst de ' s Geld raus ! « knurrte er . » De hast '