auch der Apostel Paulus Bilder aus dem Kriegsleben . Er sagt ( Römer 13 , 4 ) , daß die Obrigkeit das Schwert nicht umsonst trägt , sondern Gottes Diener und ein Rächer ist , über den , der Böses thut . « » Nun also - dann liegt in der heiligen Schrift selber der Widerspruch , den ich meine . Indem Sie mir zeigen , daß derselbe in der Bibel auch zu finden ist , räumen Sie ihn nicht weg . « » Da sieht man die oberflächliche und zugleich anmaßende Urteilsweise , welche die eigene , schwache Vernunft über Gottes Wort erheben will . Widerspruch ist etwas Unvollkommenes , Ungöttliches ; indem ich also nachweise , daß ein Ding in der Bibel vorkommt , ist der Beweis erbracht , daß es in sich - mag es der menschlichen Einsicht noch so unverständlich sein - keinen Widerspruch enthalten kann . « » Wenn nicht vielmehr durch das Vorhandensein des Widerspruchs der Nachweis geführt wäre , daß die betreffenden Stellen unmöglich göttlichen Ursprungs sind . « Diese Antwort schwebte mir auf den Lippen , doch habe ich sie unterdrückt , um das Streitobjekt nicht gänzlich zu verrücken . » Sehen Sie , Herr Konsistorialrat , « mischte sich jetzt Friedrich in das Gespräch ; » noch viel kräftiger als Sie , hat ein Oberststückhauptmann im 17. Jahrhundert die Zulässigkeit der Kriegsgreuel durch Berufung auf die Bibel dargethan . Ich habe mir das Schriftstück aufgehoben und auch meiner Frau schon vorgelesen , sie wollte sich aber mit dem darin ausgesprochenen Geiste nicht befreunden . Ich gestehe , mir kommt das Ding auch etwas - stark vor ... und ich möchte gern Ihre Ansicht darüber hören . Wenn Sie erlauben , so bringe ich das Dokument . « Er holte aus einem Schubfach ein Papier hervor , entfaltete es und las : » Der Krieg ist von Gott selbst inventieret und den Menschen gelehret worden . Den ersten Soldaten setzte Gott ein mit einem zweischneidigen Schwert vor das Paradies , um dem ersten Rebellen , Adam , solches zu verbieten . Im Deuteronomium ist zu lesen , wie Gott sein Volk durch Moses zum Sieg encouragieren läßt und ihnen sogar seine Priester als Avantgarde gibt . Das erste Stratagema ward der Stadt Hai beigebracht . In diesem Judenkrieg mußte die Sonne zwei ganze Tage aneinander am Firmament stehend leuchten , damit der Krieg und die Victori konnte persequieret und viele Tausende erschlagen und die Könige aufgehenkt werden . Alle Kriegsgreuel sind vor Gott gebilligt , denn die ganze heilige Schrift ist voll davon und beweiset genugsam , daß der rechtmäßige Krieg von Gott selber inventieret ist , daß also ein jeder Mensch von gutem Gewissen in demselben dienen , leben und sterben kann . Seine Feinde mag er verbrennen oder versengen , schinden , niederstoßen oder in Stücke zerhauen - es ist Alles recht , mögen Andere daran judizieren was sie wollen ; Gott hat in diesen Stücken nichts verboten , sondern die grausamsten Manieren , Menschen umzubringen , gebilliget . Die Prophetin Deborah nagelte dem Kriegsobersten Sissara den Kopf am Erdboden an . Gideon , der von Gott verordnete Führer des Volks , rächte sich an den Obersten zu Senhot , die ihm etwas Proviant verweigert hatten , soldatisch : Galgen und Rad , Schwert und Feuer waren zu schlecht ; sie wurden mit Dornen gedroschen und zerrissen - gleichwohl war es recht vor den göttlichen Augen . Der königliche Prophet David , ein Mann nach dem Herzen Gottes , inventierte die grausamsten Martern über die schon überwundenen Kinder Ammon zu Rabboth : er ließ sie mit Säbeln zerschneiden , mit eisernen Wagen über sie fahren , zerschnitt sie mit Messern , zog sie herdurch wie man Ziegelsteine formieret , und also that er in allen Städten der Kinder Ammon . Ferner hat - « » Das ist greulich , das ist abscheulich ! « unterbrach der Oberpfarrer . » Nur einem rohen Söldling aus der verwilderten Zeit des 30 jährigen Krieges sieht es gleich , solche Beispiele aus der Bibel heranzuziehen , um darauf die Berechtigung der Grausamkeit gegen den Feind zu stützen . Wir verkünden jetzt ganz andere Lehren : im Kriege darf weiter nichts erstrebt werden , als die Unschädlichmachung des Gegners - bis zum Tode - ohne böswillige Absicht gegen das Leben eines Einzelnen . Tritt solche Absicht , oder gar Mordlust und Grausamkeit gegen Wehrlose ein , dann ist das Töten im Kriege gerade so unmoralisch und unzulässig wie im Frieden . Ja , in vergangenen Jahrhunderten , wo Landknechtsführer und fahrendes Volk den Krieg als Handwerk betrieben , da konnte der Oberststückhauptmann solches schreiben ; aber heutzutage wird nicht für Sold und Beute und nicht ohne zu wissen , gegen wen und warum , zu Felde gezogen , sondern für die höchsten idealen Güter der Menschheit - für Freiheit , Selbständigkeit , Nationalität - für Recht , Glaube , Ehre , Zucht und Sitte ... « » Sie , Herr Konsistorialrat , « warf ich ein , » sind jedenfalls sanfter und menschlicher als der Stückhauptmann ; Sie haben daher aus der Bibel keine Belege für die Statthaftigkeit der Greuel - an welchen unsere mittelalterlichen Vorfahren und vermutlich noch mehr die alten Hebräer - ihre Lust hatten - beizubringen ; aber es ist doch dasselbe Buch und derselbe Jehova , der nicht sanfter geworden sein kann , von dem aber Jeder nur so viel Bestätigung sich holt , als zu seiner Anschauung paßt . « Auf dieses hin erhielt ich eine kleine Strafpredigt über meinen Mangel an Ehrerbietung dem Worte Gottes gegenüber und über meinen Mangel an Urteil bei dessen Auslegung . Es gelang mir jedoch , das Gespräch wieder auf unser eigentliches Thema zurückzuleiten und jetzt erging sich der Konsistorialrat in lange , diesmal ununterbrochen bleibende Ausführungen über den Zusammenhang zwischen soldatischem und christlichem Geiste ; er sprach von der religiösen Weihe , » die dem Fahneneid innewohnt , wenn die Standarten mit Musikbegleitung