hob er den Blick und sprach laut zu den Versammelten einige Worte , die Robert natürlich nicht verstand , die aber offenbar andeuten sollten , daß sich Jubinal in gnädiger Stimmung befinde und daß es seine Verehrer wagen dürften , ihr Antlitz zu erheben . Robert bemerkte auch sehr bald , wie einer nach dem anderen schüchtern emporsah , wie sich diese , in ständiger Todesgefahr aufgewachsenen und sonst so mutigen Männer scheu aneinander drängten , wie sie kaum zu atmen und kaum die Köpfe zu erheben wagten , weil eine unförmige Steinpuppe vor ihnen auf dem Felsentisch stand . Dann griff der Zauberer zu dem blanken Messer . Ein Wink brachte die Opfertiere in seine Nähe . Zuerst schnitt er dem weißen Kälbchen die Stirnhaare ab , ebenso dem Hahn und dem Habicht die kleinen Federn über den Augen , und warf sie in das Feuer , das sie knisternd verzehrte . Hierauf zog er aus den Taschen seines weiten Gewandes eine Handvoll Gerstenkörner , bestreute damit alle drei Tiere und begann dann das Schlachtopfer . Eine Kufe von Holz stand bereit , das Blut aufzufangen , mehrere Männer hielten die zuckenden Glieder der Tiere und nach wenigen Minuten war dieser vorbereitende Teil des Festes lautlos vorübergegangen . Robert fühlte sich ziemlich enttäuscht . Er hatte bis jetzt nichts gesehen , was ihm irgendwie feierlich vorgekommen wäre ; auch die nun folgende Handlung fand er eher widerwärtig als erhebend . Der Zauberer nahm das Holzgefäß mit dem angesammelten Blut und begann ringsumher sowohl den Opferstein als auch den Fußboden und die greuliche Figur zu bespritzen . Durch die sofort gerinnenden schwärzlichen Tropfen sah die Gestalt nun erst recht abschreckend aus . Robert begriff nicht , wie es möglich sei , ein so unschönes Bild anzubeten . Von diesem Augenblick an wurde jedoch die Sache etwas erträglicher . Der Zauberer nahm aus dem Fleisch der getöteten Tiere die Lebern , Herzen und Lungen heraus , dann warf er alles übrige in die Flammen , während er dazu mit lauter Stimme ein Gebet sprach . Dichter , schwarzer Rauch wälzte sich in die Nachtluft empor , Massen von Funken wirbelten auf , und ein nahes Echo warf den Schall zurück . - Noch während die Knochen langsam verkohlten , während der Zauberer immerfort betete , steckte er die herausgenommenen Teile der Opfertiere an einen Spieß , den er über dem verglimmenden Feuer langsam drehte . Von Zeit zu Zeit übergoß er das Fleisch mit einigen stark duftenden Tropfen aus einer kleinen Flasche . Der Geruch , der sich entwickelte , war angenehm , aber fast betäubend . Robert konnte sich nicht erinnern , ihn schön früher irgendwo kennengelernt zu haben . Und dann begann eine Feierlichkeit , die durchaus dem christlichen Abendmahl glich . Die gebratenen Herzen , Lungen und Lebern wurden in ebenso viele Stückchen zerschnitten , wie Andächtige versammelt waren , und darauf eine mit Stroh umflochtene Flasche hervorgeholt , die dem Geruch nach einen starken , alten Wein enthalten mußte . Der Zauberer nahm seinen Platz neben dem Götzenbild ein und hielt in einer Hand eine Schüssel mit den Fleischstücken , in der anderen die große Flasche . Auf ein gegebenes Zeichen bewegte sich der erste , dem Altar am nächsten stehende Lappe mit scheuem , langsamem Schritt bis vor den Opferstein , wo er demütig und mit auf der Brust gekreuzten Armen das Steinbild begrüßte , um dann von der Platte des Zauberers einen Bissen und aus der Flasche einen Schluck zu erhalten . Ihm nach folgte der zweite und darauf in ununterbrochener Reihe alle Anwesenden . Während dieser Handlung wurde kein Wort gesprochen , keine einzige unnötige Bewegung gemacht . Schweigend , wie er gekommen war , trat jeder Lappe wieder an seinen Platz zurück , und eben in diesem Ernst , in dieser strengen Feierlichkeit lag etwas Erhebendes . Das Feuer war fast erloschen , nur manchmal knisterten und flammten rote Brände noch plötzlich empor , sonst aber versank nach und nach der Holzstoß in graue , stäubende Asche , der Rauch lichtete sich , die Umrisse der dunklen Gestalten verschwammen allmählich , und nur der feine , durchdringende Duft blieb in der Luft zurück . Robert fühlte sich tiefer ergriffen , als er selbst für möglich gehalten hätte . Unwillkürlich erinnerte er sich des Tages , als er in der Dorf kirche zu Rellingen das Abendmahl empfing . Wenn auch jenes christliche Sakrament und dieses heidnische Opfer der armen Lappen ganz verschiedenen Anschauungen entsprangen , beide waren der Ausdruck einer Religion , des allen Menschen gemeinsamen Bedürfnisses , sich einer höheren , unbeirrbaren Macht schutzsuchend anzuvertrauen . Was aber der jugendlichen Unbefangenheit Roberts bisher ganz entgangen war , das lernte er hier in der Wildnis kennen : die geistige und nicht bloß äußerliche Bedeutung eines Gottesdienstes . Jeden Sonntag war er früher mit Vater und Mutter zur Kirche gegangen , ohne Widerrede zwar und ohne leichtfertige Gedanken , aber doch auch nur gewohnheitsmäßig , während ihm durchaus nichts gefehlt haben würde , wenn der sonntägliche Kirchenbesuch unterblieben wäre . Die armen , ungebildeten Hirten dagegen brauchten für die bevorstehenden Käufe und Verkäufe , für den Fischfang und die Reise nach dem Süden vor allen Dingen den Segen und den Beistand Jubinals , sie pilgerten meilenweit nach Norden , um auf den alten , geweihten Steinen ihrer Vorväter das Opfer darzubringen und ihre Gebete mit denen des Zauberers zu vereinen . Der Gottesdienst war jetzt beendet . Die Steinpuppe wurde hinter den beiden bewegliehen Felsblöcken verborgen , die Asche in alle vier Winde verstreut und das hölzerne Gefäß sowie Schüssel , Messer und Flasche einem der Männer überantwortet . Stillschweigend , wie sie gekommen waren , entfernten sich die Lappen . Robert hatte im Augenblick ganz vergessen , daß ihm der Tod drohte , wenn er entdeckt werden würde . Sorglos sprang er , nachdem der letzte der Andächtigen verschwunden war , bis an den Fuß des geweihten Felsens , um jetzt den Opferplatz genauer