Herrn von Zehren ' s Freund und Gönner , ihn nicht hielte - freilich nur noch mit schwacher Hand ; denn Altenberg ist hoch bei Jahren und krank und kann jeden Tag sterben . Unterdessen wirkt man , wie man kann , und sammelt Material , das hoffentlich Wasser auf die Mühle der nächsten Excellenz ist . Und nun hören Sie : Der Assessor Lerch , mein guter Freund , ist gestern bei dem Präsidenten . » Lieber Lerch , « sagt der Präsident , » Sie können mir wohl eine Relation über diesen Fall machen . Es ist wieder einmal eine Denunciation gegen den Director von Zehren . « - » Wieder einmal , Herr Präsident ? « fragt Lerch . » Leider , wieder einmal ! ich lasse das Meiste ungerügt , wenn auch nicht unbeachtet ; dieser Fall ist aber so eclatant , daß ich ihn in die Hand nehmen , respective Sr. Excellenz Bericht erstatten muß . Denken Sie sich , lieber Lerch , da hat der gute von Zehren die ( wie soll ich gleich sagen ? ) Sottise begangen , den jungen Menschen , der aus dem Contrebande-Proceß in Uselin sich einen so traurigen Namen gemacht hat « - und nun kommt es : » daß der Director Sie nach der Katastrophe , aus der natürlich der Denunciant die schönste Seide gesponnen , nicht in das alte , vom Schwamm zerfressene Krankenhaus , in welchem Sie unfehlbar gestorben wären , sondern hierher in seine Wohnung hat schaffen lassen ; daß er Sie hier behalten hat und behält , trotzdem Sie bereits seit drei Wochen in der Reconvalescenz sind ; daß er mit Ihnen wie mit seines Gleichen verkehrt ; daß er Sie in seine Familie eingeführt , ja , daß Sie so zu sagen ein Mitglied der Familie geworden . Was brauche ich deutlicher zu sein ? Hm , hm , hm ! « Der Doctor hatte sich in die höchsten Töne des höchsten Registers hinaufgekräht und mußte mindestens zwei Octaven tiefer brummen , um sich die tröstliche Gewißheit zu verschaffen , daß er kein Hahn sei . » Und Sie halten wirklich jenen Menschen für den Denuncianten ? « rief ich , indem ich , meinen Reconvalescenten-Zustand ganz vergessend , zornig aufsprang . » Ich brauche nichts zu halten , denn ich weiß es . Würde ich sonst heute so grob gewesen sein ? « Ich mußte unwillkürlich lachen . Als ob Phylax einer besonderen Provocation bedurft hätte , um Lips Tullian in die Waden zu fahren ! Aber die Sache hatte ja auch ihre sehr ernste Seite . Der Gedanke , daß Herr von Zehren , dem ich so unendlichen Dank schuldig war , den ich so hoch verehrte , meinetwegen in noch dazu so ernste Ungelegenheiten kommen könnte , war mir unerträglich . » Rathen Sie , helfen Sie , Herr Doctor , « bat ich dringend . » Ja , rathen , helfen ! - Nachdem ich immer gesagt , daß Euch dies nicht so hingehen werde ! Indessen , das haben Sie richtig gerathen : geholfen muß werden . Und zwar giebt es nur einen Ausweg . Wir müssen der Natter zuvorkommen , dann ist ihr für diesmal der Giftzahn ausgebrochen . Ich kenne unsern Director . Wenn er eine Ahnung davon hätte , daß man Sie ihm nehmen will - er würde sich eher die Hand abhacken lassen , als Sie hergeben . Deshalb klagen Sie noch heute Abend über Kopfschmerzen und morgen Abend um dieselbe Zeit wieder . Ihr Zimmer liegt zu ebener Erde ; ein anderes ist für den Augenblick nicht vacant . Intermittens - Chinin - höhere , luftige Wohnung - übermorgen sitzen Sie wieder in Ihrer alten Zelle - lassen Sie mich nur machen ! « Und ich ließ den Doctor Willibrod Snellius machen , und zwei Tage später schlief ich wieder , wenn nicht hinter Schloß und Riegel , so doch hinter den Eisengittern meiner alten Zelle . Sechsundzwanzigstes Capitel . Hinter diesen Eisengittern stand ich am nächsten Morgen und schaute melancholisch durch das offene Fenster . Seltsam , ich hätte den Abend zuvor nicht gedacht , daß diese Gitter in mir noch eine unangenehme Empfindung hervorrufen könnten , und doch war es der Fall . Sie mahnten mich ernst an das , was ich in den letzten Wochen so gut wie vergessen hatte , mahnten mich daran , daß ich trotz alledem ein Gefangener war ! » Es bleibt beim Alten , « hatte gestern der Director gesagt , als ich mich von ihm verabschiedete , und Alle hatten sie gewetteifert , den letzten Tag , den ich als Gast unter ihrem Dach weilte , zu einem Familienfeste zu machen - aber , so oder so , es war doch nicht das Alte . Das Frühstück hatte mir heute Morgen nicht geschmeckt wie die Tage vorher , wo ich es unter den hohen Bäumen des stillen Gartens in Gesellschaft von Frau von Zehren und Paula eingenommen , und wenn ich auch , sobald ich wollte , in den Garten , der freundlich zu mir heraufgrüßte , hinabgehen konnte - ich mußte doch nach einer gewissen Zeit hierher zurückkehren . Hierher ! Ich sah mich in der Zelle um und bemerkte jetzt erst , wie sie sich bemüht hatten , mich vergessen zu machen , wo ich war . Da hing das Bild der Sixtinischen Madonna mit dem Knaben , das mir während meiner Krankheit so lieb geworden war , meinem Bette gegenüber , gerade wie es in Paula ' s Zimmer gehangen hatte . Da standen auf der Commode dieselben beiden Vasen aus Terracotta und in jeder ein paar frische Rosen . Da war der Lehnstuhl - derselbe Stuhl , in welchem ich also nicht , wie Doctor Snellius prophezeit , zum letzten Male gesessen hatte - und auf der Lehne lag eine gehäkelte Decke , an der ich gestern Abend noch Paula hatte arbeiten sehen . Da hing dieselbe Etagere mit