eines anständigen Hauses - - « » Gut « , sagte Hans , der Zusel mit seltener Leidenschaftlichkeit das Wort abschneidend , » als christliche Mutter wird sie nichts dagegen haben , wenn ich nun dem Kranken den Pfarrer hole . « Das war die rechte Antwort , um über das Peinliche dieses Augenblickes so schnell als möglich hinauszukommen . Zwar war der Doktor dagegen , aber man kam nun doch wieder auf andere Gedanken , so daß es Hansen leichter war , das Zimmer zu verlassen . Er war sehr unzufrieden mit dem Knechte und folgte der Mutter weniger aus Gehorsam , als damit er sich nicht mehr von Angelika und den anderen um ihre Rede ansehen lassen müsse . Angelika wollte nicht ins Bett , und der Doktor mußte sie ernstlich daran erinnern , daß sie nicht nur für den Gatten , sondern auch für Margretles Mutter zu sorgen habe . Es war schon spät , als sie den Kranken einigen von Zusel hergebetenen Nachbarsleuten überließ . Also wieder im Vaterhause ! Zum erstenmal seit der Geburt ihrer Schwester , die der Mutter das Leben kostete und sie zuerst aus dem Hause und dann auch aus dem Herzen ihres Vaters verdrängte . Schlafen konnte sie nicht , oder war es etwa schon ein Traum , in dem sie , sobald sie das Licht löschte , wie noch in jeder großen Stunde die unvergeßliche Mutter vor sich stehen sah ? Sie blickte jetzt wieder gerade so ernst wie damals , als Angelika , zum Teil fast aus wunderlichem Trotze , sich dem Andreas versprechen wollte . Die Erscheinung schien Angelika das Buch ihres Lebens aufgeschlagen zu haben . Sie sah nicht Buchstaben , wohl aber ihre Reden und Handlungen viel klarer , als das je vorher der Fall gewesen war . Ach Gott , an so vielem lag die Schuld auf ihr ! Dem Hans verargte sie es , daß der Familienstolz der Mutter ihn schwach machen konnte , und sie selbst hielt dieser Stolz ihrer Basen vom Hause des Vaters fern ! Freilich tat ihr das weh , aber wohl nicht weher als Hansen und auch dem guten Vater . Und dann ließ sie den Gatten empfinden , welches Opfer sie brachte , da sie sich mit ihm statt mit Hansen verband . Sie wollte ob ihm stehen und seine Führerin sein , nicht sein Weib . Das nun hatte ihn aus dem Hause getrieben ins Weite , wo er , an nichts gefesselt , von der ersten Strömung erfaßt und wehrlos fortgetrieben werden mußte . Angelika lebte sich immer tiefer in das Elend ihrer letzten Jahre hinein . Eins nach dem anderen sah sie entstehen und wachsen in dem Riß , der zwischen ihr und dem Gatten sich aufgetan hatte . Sie sann und betete , bis der rötliche Morgen über die Berge heraufzog . Nun aber eilte sie ans Bett des kranken Gatten . Sie traf ihn furchtbar leidend , aber augenblicklich bei vollem Bewußtsein . » Angelika , wir hätten uns nie heiraten sollen « , sagte er mit schwacher Stimme . » Mir kommt das Feuer und alles wie eine Strafe Gottes vor , wenn ich auch nicht weiß , wie alles aufeinander geht . « Angelika war unfähig zu antworten . Andreas fuhr nicht ohne Anstrengung fort : » Es macht mich fast verrückt , wenn ich daran denke , wie schlecht ich in letzter Zeit worden bin . Wir haben keine guten Tage gehabt in dem hübschen Haus , und das Unglück , daß es zugrunde ging , ist wohl bei weitem nicht das größte . « » Oh , es hat nicht am Hause gefehlt , sondern einzig an uns , hauptsächlich an mir ! « klagte Angelika , die sich vergebens noch zu beherrschen suchte . » Dann ist nichts , was mich entschuldigt . Ich hab ' mir schon gedacht , mein Reichtum sei mein Unglück gewesen , weil er mich von jung auf daran gewöhnte , nichts und niemandem etwas nachzufragen . « » Mein Vater dagegen war arm « , sagte des Krämers Tochter . » Der wurde unglücklich durch seine Geldgier . Tröst ' ihn Gott ! « » Ist er gestorben ? « » Ja « , sagte das Weib und erzählte ganz kurz , wie er ihr Kind habe retten wollen . » Er ist also doch noch viel besser als ich « , jammerte der Kranke . » Er geht dem Kinde nach , ich aber komme im Schrecken bloß dazu , ihm zu rufen . Dann eile ich , der Verschwender , dem Stalle zu . So gehen wir jetzt beide als Retter zugrunde . Gerechter Gott ! « Angelika setzte sich auf das Bett des Kranken , welcher zitternd nach ihrer Hand langte . » Gelt , es hat nur an uns gefehlt ? « fragte er mit schwacher Stimme . » Ja . « » Sag ' herzhaft : nur an mir ! Schone mich nicht mehr ! Ich muß die letzte Rechnung machen . « » Will ' s Gott , nicht ! Ich hab ' viel , viel noch gutzumachen an dir . Bisher war ich nur die Predigerin , aber ich hatte nicht Liebe , Demut und Billigkeit neben der strengen Wahrheit . Du warst nur trotzig gegen mich Stolze , nicht schlecht . « » So ist denn das doch wahr « , sagte er demütig . » Zuzeiten hab ' ich das auch geglaubt . Aber ich wollte schlecht sein aus Hochmut und solchen zum Trotz , die doch nichts Gutes mehr von mir erwarteten . Ja , diese Erfahrung hat mir weh getan , und ich mußte sie mit Gewalt vergessen , ertränken . Drum ging mir Dorotheens Freundlichkeit so tief ins Herz und war wie ein Strahl aus dem Himmel ! Aber im unreinen Gefäße wird alles Wasser trüb . Sogar dieses Glücks hab ' ich mich unwert gezeigt . Ich war damals