entzog . Nun ging er sehr langsam und verwunderte sich über die Kinder , die sich vor seiner Haustür versammelt hatten und auf den Flur starrten . Noch einige Schritte , und er sah über ihre Häupter weg auch in die Tür und sah vier Lichter um einen Sarg brennen . Die Base Schlotterbeck war gestorben und ließ ihn durch den Oheim Grünebaum grüßen und ließ ihm noch manches andere durch den Oheim bestellen ; der Sarg war schon am Morgen zugenagelt worden , und das Begräbnis war auf vier Uhr nachmittags festgesetzt . Die Grube , die Hans Unwirrsch auf dem Friedhof gesehen hatte , war eben für die gute , alte Base Schlotterbeck bestimmt ; es war alles in der Ordnung zugegangen , aber Hans konnte doch nicht begreifen , daß es so sein müsse . Da war der Oheim Grünebaum . Er erkannte den Neffen nicht , und es dauerte geraume Zeit , ehe es ihm klar wurde , wer der Herr war , der solchen Anteil an ihm und der Jungfer Schlotterbeck nahm . Es mochte viele Leute geben , die den Oheim für einen Schuster hielten , der sich um die meisten seiner fünf Sinne getrunken hatte , aber sie taten ihm unrecht . Der Oheim hatte viel Durst in seinem Leben gehabt und ihn oft gestillt , aber er hatte auch » ein Herz im Leibe « , und das hatte ihm » jetzo den Dampf angetan « . Der Oheim Nikolaus Grünebaum war ein hinfälliger , halb kindischer Greis geworden ; er saß im Winkel und winselte und verlangte nach der Base . Es waren noch andere Leute zugegen : der Maurer mit seiner Familie , viele Nachbarn und Nachbarinnen , die dem Leichenkuchen zugesprochen hatten und sich jetzt halb verlegen , halb zudringlich um den Herrn Kandidaten drängten , um die Verstorbene zu rühmen und ihre Meinung dahin auszusprechen , daß es gut sein würde , wenn der Himmel nun auch baldigst den Meister Grünebaum zu sich nähme . Hans zog halb mit Gewalt den guten Oheim aus dem kläglichen Gewirr , das er nicht aus dem Hause bannen konnte . Er führte ihn sorglich gleich einem guten Sohn die Treppe hinauf in das Gemach , in welchem einst Anton Unwirrsch und der Oheim an Hansens Geburtstag zusammengesessen hatten , welches dann des Schülers Studierstube geworden war und wo zuletzt des Oheims Bett stand . Hier setzte der Neffe den Alten nieder , setzte sich zu ihm und tröstete ihn , so gut er es vermochte , und hier kam der Oheim allmählich wieder zu klarerem Bewußtsein der Vorgänge der letzten Tage . Sanft und schmerzlos war die Base eingeschlafen , nachdem sie vorher noch dem Oheim aufgetragen hatte , wenn Hans ankäme , ihm zu sagen , daß sie ihn sehr , sehr liebgehabt habe , daß er immer in ihren Gedanken gewesen sei , daß er nimmer aus ihren Gedanken kommen könne und daß sie im ewigen Leben für ihn bitten wolle , daß es ihm gut gehe in seinem Erdenleben . Ferner ließ sie vermelden , sie wisse ganz genau , daß das , womit ihr Hans sich jetzo plage , gut ausgehen müsse , doch könne sie nicht sagen , auf welche Art. » Ja , mein Junge , wir haben viel über dir konversieret « , sagte der Oheim Grünebaum . » Wir hatten ja die gehörige Zeit darzu und gingen in allen Nähten auf , wenn die Rede auf dir kam . Wenn wir uns tüchtig gekatzebalgt haben , so haben wir doch in punkto deiner in ein Loch geguckt , was ich nicht gedacht hätte , wenn ich dir in deine unschuldige Jugend übers Knie legte . O liebster Hans , ich hätte auch nie geglaubt , daß ' n Schuster so knickebeinig werden könne als wie ich anjetzo . ' s ist aus mit dem Meister Grünebaum , und wenn du nicht für die Base zur rechten Zeit gekommen bist , so bist du ' s für mich , was an und für ihm auch ' n Trost ist . Ach die Base , die Base , die Base ! Solch ne kuraschierte Perschon mit solchem Instinkt für Klocke zehn und ' s richtige Zubettegehen ! Ich kann nicht auskommen ohne die Base , und drunten haben sie ihr vernagelt , und hier sitze ich nun noch und kann ' s mir nicht vorstellen . Jetzt gibt ' s keinen mehr in der Welt , der mit einem ein vernünftiges Wort reden kann ! Der Anton und die Christine sind tot , und die Freundschaft ist auch immer mehr auf der Bank zusammengerückt , und die Besten sind zuerst heruntergerutscht . Ich will mir auch begraben lassen , Hans ; ich will dich nicht länger auf ' m Halse liegen . Du bist zwar ' n guter Kerl und ein geistlicher Pastor , aber du hast auch deine Wege , und verliebet bist du auch , wie die Base noch zu allerletzt herausspintisieret hat ; wir wollen derohalben adjes sagen am Wegweiser , Bruderherz , und ' n letzten Schluck nehmen aufs vergnügte Wiedersehen in die große Herberge , wo Meister , Altgesell , Gesell und Junge die Füße unter einen Tisch strecken . « Vergeblich suchte Hans den alten Oheim zu ermuntern und aufzurichten . Er wollte von keinem Trost hören und schüttelte zu allen Ermahnungen nur den Kopf . Er war jetzt in seiner Niedergeschlagenheit ebenso steifnackig und widerborstig wie sonst . » Der Deibel nimmt die Graden und die Ungraden « , sagte er . » Erst hat er die Base Schlotterbeck bei der Jacke genommen , und jetzt stellt er mir das Bein , aberst , was dem einen recht ist , das ist dem andern billig . Komm , Hans , ich höre , sie werden ungeduldig da unten ; wir wollen ein Ende mit der Alten machen , daß sie zur Ruhe kommt . « - Es gaben