? sagte Oldenburg nachdenklich , von Ihnen neulich , ohne Zweifel aber er kam mir gleich so bekannt vor . Stammt das Wort von Ihnen ? Nein , von Frau von Berkow , sagte Oswald , den Blick fest auf Oldenburg richtend . So so ; sagte der Baron . Es war das erste Mal , daß Melitta ' s unter den beiden Männern Erwähnung geschah , und es war bezeichnend genug , daß sofort eine Pause in dem Gespräch eintrat . Bei welcher Gelegenheit hat denn Frau von Berkow die Bekanntschaft der Zigeunerin gemacht ? fragte der Baron nach einiger Zeit . Oswald erzählte in kurzen Zügen die Geschichte von der braunen Gräfin , so wie sie ihm Melitta mitgetheilt hatte . Oldenburg lächelte . Ja , ja , sagte er , jetzt erinnere ich mich . Frau von Berkow hatte mir die Anekdote schon vor ein paar Jahren erzählt . Die Geschichte ist allerliebst , besonders für den , welcher sich für Frau von Berkow interessirt , weil sie den liebenswürdigen , aus Muthwillen , Schalkheit und Gutmüthigkeit wunderbar gemischten Charakter dieser Dame so vortrefflich charakterisirt . Der Baron sagte das einfach und ruhig , als hätte es niemals eine Zeit gegeben , wo er für ein Lächeln dieser Dame sein Leben auf ' s Spiel gesetzt haben würde . Aber wollen wir nicht hineingehen , fuhr er fort , ich sehe , Hermann , mein Rabe und Factotum , hat einen Tisch mit allerlei Appetitlichem gar zierlich gedeckt , und dort kommt auch Thusnelda , seine Gemahlin und meine Amme , um uns feierlich zum Vesperbrod zu laden . Eine alte , würdig aussehende Frau von stattlichem Umfange erschien in der Glasthüre , machte einen tiefen Knix und sagte : Herr Baron , es ist servirt . Schön , sagte Oldenburg ; hast Du die Czika nicht gesehen ? Ich dachte , sie wäre beim Herrn Baron , antwortete die Matrone , ängstlich umherblickend . Nein . Bring ' sie doch herauf , wenn sie unterdessen kommen sollte . Du kannst Dich einmal nach ihr umsehen . Kommen Sie , Doctor , ich hoffe , der weite Weg hat Sie hungrig , zum mindesten durstig gemacht : Thusnelda hat für beide Fälle gesorgt . Während sie an dem mit Erfrischungen aller Art reichlich besetzten Tische Platz nahmen , schaute Oswald sich in dem Zimmer um . Der weite Raum wurde durch einen großen Schreibtisch von Eichenholz und durch Stühle und Sophas von mancherlei Formen , die den Platz häufig zu verändern schienen , wesentlich verringert . An den Wänden standen Eichenschränke mit Büchern angefüllt . Bücher lagen auf dem Boden . Einige Büsten nach der Antike , und ein paar große Kupferstiche waren der einzige Schmuck des Zimmers , das im Uebrigen offenbar auf Eleganz nicht den mindesten Anspruch machte ; zwischen zwei der Schränke , wo ein Kupferstich hingehörte , war eine grünseidene Gardine , die entweder ein ungeschickt angebrachtes Fenster oder ein Bild verdeckte , welches der Besitzer aus diesem oder jenem Grunde dem Blicke neugieriger Besucher nicht ausgesetzt wünschte . Sodann wurde seine Aufmerksamkeit wieder von dem Baron selbst in Anspruch genommen , der ihm heute in einem kurzen gelben , leinenen Rock , welcher seiner langen , hagern Figur gar seltsam stand , ein ganz Anderer zu sein schien . Mehr aber noch , als der veränderte Anzug war es der veränderte Ausdruck des Gesichtes , der Oswald auffiel . Der höhnische Zug um den Mund , den selbst der dichte Bart nicht ganz verdecken konnte , die scharfen kleinen Fältchen auf der hohen Stirn , um die Augen und die Nasenflügel - Alles war von einem freundlichen Lächeln ausgelöscht , das den grauen , sonst so stechenden Augen einen Ausdruck von Milde und Gutmüthigkeit gab , den Oswald , soweit er auch von seinem Vorurtheil gegen den Baron zurückgekommen war , niemals für möglich gehalten haben würde . Ja , der Gedanke , daß ein Weib diesen seltsamen Mann von ganzem Herzen lieben könnte , schien ihm nicht mehr so wunderlich , wie auf dem Balle von Barnewitz . Er dachte an das Blatt in Melitta ' s Album , er dachte an seine eigenen Worte : Dieser Mann wird niemals glücklich sein , weil er niemals wird glücklich sein wollen , und an Melitta ' s Antwort : Darum ist dieser Mann aus meinem Leben losgelöst , wie sein Bild aus diesem Album , und er sagte jetzt : er hätte glücklich sein können , wenn er gewollt hätte ; warum wollte er es nicht ? was trennte diese Beiden ? wer von ihnen sprach das Wort , das sie - wie es scheint - auf ewig trennte ? Diese Gedanken erweckten heute in Oswald nicht mehr jene wilde Eifersucht , die sein Herz an dem Tage , wo er dem Baron zuerst im Walde begegnete , und hernach auf dem Balle in Barnewitz , zerfleischt hatte - aber das geheimnißvolle Dunkel , welches über diesen Vorgängen lag , das er nicht lüften konnte und , was schlimmer war , nicht einmal zu lüften wagte , erfüllte seine Seele mit tiefer Trauer . Oswald suchte dieser trüben Stimmung Herr zu werden ; es war ihm , als wenn des Barons scharfe Augen lesen könnten , was in seiner Seele vorging . Indessen schien dieser vollkommen unbefangen und ganz von dem Thema ihres Gesprächs in Anspruch genommen , das , wie erklärlich , sich hauptsächlich um Czika und die braune Gräfin drehte . Beide Männer versuchten ihren Scharfsinn vergeblich an der Lösung der vielen Räthsel dieser wunderbaren Angelegenheit . Was hatte die braune Gräfin bestimmt , ihr Kind , an welchem sie doch mit so großer Liebe zu hängen schien , so ohne Weiteres fremden Männern zu überlassen ? Woher nahm sie zu dieser Entsagung den Muth in dem Augenblicke , wo sie durch die brutalen Scherze der jungen Edelleute ( der Reitknecht des jungen Grafen Grieben hatte Oldenburg ' s Kutscher