schönsten Jugendtagen , und nach dem , was er jetzt von ihr höre , müsse er glauben , daß sie immer noch so leichtfertig sei , wie damals , und für Jeden zu haben . Ich meinte , das Letztere sei nun gar nicht wahr und als leichtfertig kenne sie Niemand ; sie sei immer eine spröde Jungfrau gewesen und lebe auch jetzt ganz ehrbar mit ihrem Gemahl . Aber er lachte und sagte : Das müsse er besser wissen ; da sie noch Mädchen gewesen , habe er selbst ihre Gunst besessen , aber sie aufgegeben , weil er keine Lust gehabt , dieselbe mit Andern zu theilen - und wie ich selbst ja wohl , gleich der ganzen Stadt , wissen müsse , daß sie es darauf anlege , wenigstens so lange der römische König in Nürnberg sei , seine Buhlerin zu sein - wie sie daneben aber auch es nicht verschmähe , seit Jahr und Tag eine Liebschaft mit einem armen Steinmetzgesellen zu haben . « Der Propst hielt inne , wie um zu beobachten , welchen Eindruck diese Worte wohl auf Ulrich machen würden . Dieser war allerdings überrascht , auch den Propst ihm gegenüber von Elisabeth sprechen zu hören , und noch mehr über diesen Schluß ; seine Wangen glühten vor Zorn und Scham bei den letzten Worten , aber ruhig , fest und stolz blickte er in die Augen des Propstes und sagte nur : » Vollendet ! « » Ich schüttelte zu solch ' unsinnigem Mährlein den Kopf , « fuhr der Propst fort ; » aber der Ritter meinte , er wisse es ganz gewiß , und fügte hinzu , daß es noch dazu ein Baubruder sei , den ich kennen müsse , da er in der Lorenzhütte arbeite , und nannte ihn : Ulrich von Straßburg - « » Das hat der Bube nur gewagt , weil er wußte , daß ich von Nürnberg fern war im Benediktinerkloster ! « rief Ulrich , jetzt Alles errathend . » Nicht wahr , der saubere Ritter von Streitberg hat ' s Euch zugeflüstert ? Der haßt mich freilich auf Leben und Tod . Und Ihr könntet wirklich mehr auf das Wort eines so frechen Ritters geben , der nichts ist als ein Placker , Straßenräuber und Frauenentführer , als auf das meine ? König Max glaubte mir mehr , als ihm , und verwies ihn damals aus Nürnberg , wo ich zum ersten Male mit ihm und der Scheurlin zusammen getroffen und er wider mich und Hieronymus klagbar geworden - aber Ihr glaubtet ihm ! « » Das war damals derselbe Ritter von Streitberg ? « fragte Kreß erstaunt , denn damals war weder in der Bauhütte noch außerhalb der Name des Ritters , dem Ulrich das Schwert abgerungen , genannt worden . » Derselbe , « wiederholte Ulrich ; » und damit ich es nun gestehe : es war auch derselbe , den ich und der mich zu Tod verwundete , da ich zum zweiten Male die Scheurlin vor ihm rettete - derselbe , der mir jetzt auf dem Wege nach dem Kloster begegnete , wo Junker Pirkheimer mit mir sprach , und ich durch ihn die wahrscheinlich auch jetzt noch von ihm Verfolgte vor ihm warnen ließ . Er hatte sie nicht in seine Gewalt bekommen können , und nun versucht er es durch Verleumdungen , durch schnöde Angriffe auf ihre und meine Ehre . Um ihrer Frauenehre Willen habe ich gegen Alle und gegen Euch geschwiegen , wo sie es schon verletzen könnte , daß solch ' ein wüster Geselle sie verfolgt und ihr selbst Alles an diesem Schweigen gelegen zu sein schien , denn sie hat für mich nie ein Wort des Dankes oder des Vertrauens gehabt - es schien ihr eben Alles darauf anzukommen , daß ihr Begegniß mit diesem Menschen ein Geheimniß bleibe , ja daß es auch von mir selbst vergessen würde . Da müßt Ihr nun freilich der verleumderischen Beredtsamkeit mehr glauben , als meinem rücksichtsvollen Schweigen . « Gerade dieser Eifer , mit dem Ulrich jetzt sprach , erschien dem Propst bedenklich , obwohl er Ulrich ' s Worten vollkommen glaubte und von dem ihm übrigens unbekannten Streitberg gleich durch dessen Betragen nicht die beste Meinug hatte , die sich nun leicht zu einer schlechten wandelte . Aber waren diese Beiden nicht eben darum Feinde , weil sie Nebenbuhler ? War denn etwas natürlicher , als dies ? Der Propst hatte viel gelebt in der Welt und kannte seine Zeitgenossen , die Geistlichen wie die Laien , den Adel und die Patrizier , wie das niedere Volk , die Männer wie die Frauen - und er kannte sie nicht von der besten Seite . Die großen Verbrechen und heimlichen Sünden , die man ihm im Beichtstuhle bekannt , waren noch nicht die schlimmsten ; es gab dunkle Thaten , die selbst dies Bekenntniß scheuten , und Gedankensünden , die es nicht einmal bis zur Erkenntniß brachten , um wie viel weniger , daß sie hätten laut werden mögen . Er war selbst nicht frei von Fehltritten , deren er sich bewußt war , und die er doch mit der Schwachheit der menschlichen Natur entschuldigte , und über die er sich , weil sie eben nur aus dieser hervorgegangen , keine großen Gewissensskrupel machte ; er hatte weder je an seine eigene , noch an die Tugend Anderer schwärmerische Ansprüche erhoben , und so auch sich selbst mehr auf der Mittelbahn des Lebens erhalten ; aber er wußte , daß , wer titanenhaft nach den Höhen strebe , oft am leichtesten in einen Abgrund falle ; daß , wer seiner Zeit in vielen Dingen voraus sei und über blinde Vorurtheile sich erhoben , sich auch an manche Vorschriften der herrschenden Moral oder des Glaubens minder gebunden achte , als Andere und so Gefahr laufe , mit dem falschen Vorurtheil selbst das richtige Urtheil zu opfern über gut und böse , recht und schlecht . Gerade