du über die Sturmflut wandelnd ihm die Hand gereicht und gesprochen : Kleingläubiger , warum Zweifelst du ? « Aber es geschah kein Zeichen . Ekkehards Denken war zerrüttet . Es rauschte durch die Kapelle wie Frauengewand . Er hörte nichts . Frau Hadwig war heruntergestiegen , eine seltsame Anwandlung trieb sie . Seit sie dem Mönch gram geworden , stand das Bild ihres alten seligen Ehgemahls öfter vor ihrer Seele denn ehedem . Natürlich . Wenn sich dieser niederlegt , muß sich jener heben . Das neuerliche Lesen im Virgilius hatte auch dazu beigetragen ; es war so mannigfach vom Gedächtnis an Sichäus die Rede . Morgen neute sich der Todestag Herrn Burkhards . In der Kapelle lag der alte Herzog mit Schild und Lanze begraben . Eine rohe Platte deckte sein Grab seitwärts vom Altar . Matt brannte die ewige Lampe drüber . Ein Sarkophag aus grauem Sandstein stand dabei , unförmliche kleine Halbsäulen mit jonisch gewundenem Knauf waren an den Ecken angefügt ; sie ruhten auf fratzenhaften Tiergestalten . Den Steinsarg hatte Frau Hadwig einst für sich selber anfertigen lassen . Jeweils an des Herzogs Gedächtnistag ließ sie ihn mit Korn und Früchten gefüllt hinauftragen und verteilte seinen Inhalt den Armen - die Mittel zum Leben aus der Ruhstatt der Toten : es war ein frommer Brauch so242 . Sie wollte heute an ihres Gatten Grab beten . Des Ortes Halbdunkel deckte den knieenden Ekkehard . Sie sah ihn nicht . Da schreckte sie auf aus ihrer Andacht . Halblaut , aber schneidig schlug ein Lachen an ihr Ohr , sie kannte die Stimme . Ekkehard hatte sich erhoben , er sprach itzt die Worte des Psalms : » Beschirme mich , o Herr , unter dem Schatten deiner Flügel , beschirme mich vor dem Antlitz der Gottlosen , die mich plagen . Meine Feinde haben meine Seele umgeben ; ihr Herz ist mir verschlossen , ihr Mund hat Hochmut geredet . « Er sprach ' s mit bösem Tone . Das war kein Beten mehr . Frau Hadwig neigte sich zum Sarkophag . Sie hätte gern einen zweiten drauf getürmt , daß er sie verberge vor Ekkehards Blick . Sie wünschte kein Alleinsein mehr . Ihr Herz schlug ruhig . Er ging zur Pforte . Da plötzlich wandte er sich ; die ewige Lampe schwebte leise über Frau Hadwigs Haupt hin und her , das schwebende Dämmerlicht hatte sein Aug ' getroffen ... mit einem Sprung , mächtiger als der , den der heilige Bernhard in späteren Tagen durch den Dom zu Speier tat , da ihm das Marienbild gewinkt , stand er vor der Herzogin . Er schaute sie lang ' und durchbohrend an . Sie erhob sich vom Boden , mit der Rechten den Rand des Steinsarges fassend , stand sie ihm gegenüber , an seidener Schnur wiegte sich die ewige Lampe über ihrem Haupt . » Glückselig sind die Toten , man betet für sie ! « brach Ekkehard das Schweigen . Frau Hadwig erwiderte nichts243 . » Betet Ihr auch für mich , wenn ich tot bin ? « fuhr er fort . » O , Ihr sollt nicht für mich beten ! ... einen Pokal laßt Euch aus meinem Schädel machen , und wenn Ihr wieder einen Pörtner holt aus dem Kloster des heiligen Gallus , so müßt Ihr ihm den Willkommtrunk draus reichen - ich lass ' ihn grüßen ! Dürft auch selber Eure Lippen dran setzen , er springt nicht . Aber das Stirnband müßt Ihr dabei ums Haupt tragen und die Rose drin ... « » Ekkehard ! « sprach die Herzogin , - » Ihr frevelt ! « Er fuhr mit der Rechten an die Stirn : » O ! « sprach er wehmütig - » o ja ! ... der Rhein frevelt auch : sie haben ihm mit riesigen Felsen den Lauf verbaut , aber er hat sie durchnagt und braust drüber weg in Schaum und Sturz und Vernichtung , Glück auf , du freier Jugendmut ! ... Und Gott frevelt auch , denn er hat den Rhein werden lassen und den hohen Twiel und die Herzogin von Schwaben und die Tonsur auf meinem Haupt . « Der Herzogin begann es zu grausen . Solchen Ausbruch zurückgepreßten Gefühles hatte sie nicht erwartet . Aber es war zu spät . Sie blieb gleichgültig . » Ihr seid krank ! « sprach sie . » Krank ? « sprach er - » es ist nur eine Vergeltung . Vor Jahr und Tag am Pfingstfest , da es noch keinen hohen Twiel für mich gab , hab ' ich beim festlichen Umgang aus unserer Klosterkirche den Sarg des heiligen Gallus getragen , da hat sich ein Weib vor mir niedergeworfen : Steh auf ! hab ' ich ihr zugerufen , aber sie blieb liegen im Staub ; schreit ' über mich , Priester , mit deinem Heiltum , daß ich gesunde ! sprach sie , und mein Fuß ging über sie hinweg 244 . Sie hat am Herzweh gelitten , die Frau . Jetzt ist ' s umgekehrt ... « Tränen unterbrachen seine Stimme . Er konnte nicht weiter sprechen . Er warf sich zu Frau Hadwigs Füßen und umschlang den Saum ihres Gewandes . Der ganze Mensch zitterte . Frau Hadwig wurde mild , mild gegen ihren Willen , als zucke es vom Saum des Gewandes zu ihr herauf von unsäglichem Herzeleid . » Steht auf « , sprach sie , » und denkt an anderes . Ihr seid uns noch eine Geschichte schuldig . Verwindet ' s ! « Da lachte Ekkehard in seinen Tränen . » Eine Geschichte « , rief er - » o , eine Geschichte ! Aber nicht erzählen ... kommt , laßt sie uns tun , die Geschichte ! Droben von des Turmes Zinnen schaut sich ' s so weit in die Lande und so tief hinunter , so süß und tief und lockend , was hat die Herzogsburg uns zu halten