sie unglücklich geworden und geschlagen , das Mannli seine Sache doch nicht wieder hätte , doch vom Höflein komme , mit den Kindern dem heiligen Almosen nach müsse , daß sie nicht imstande seien , ihn mit Geld zu sühnen ; was sie auf-und anbringen möchten , gehöre Joggeli , dem alten Gläubiger , und wie es herauskäme , wenn sie diesem geben würden , was sie ihm nicht schuldig seien , und da nicht zahlen , wo die Schuld verschrieben sei ? Das plagte ihns . Es sagte sich freilich , das Mannli sei auch etwas schuld an der Sache , es habe sich immer sehr hässig gebärdet und aufbegehrt ; wenn es freundlicher getan , so hätte Uli vielleicht nachgegeben . Indessen hatte eben das Mannli recht und Uli unrecht . Vreneli wußte sich nicht anders zu helfen , als die Sache auf Gott zu stellen , ihn zu bitten , dort gut zu machen , was selbst zu tun er ihnen selbst die Hände gebunden . Das Haus war ihnen also nicht verbrannt , aber alles , was auf dem Gute grünte , verhagelt worden . So geht es oft ; man fürchtet etwas als das größte Unglück , damit wird man verschont , dagegen bricht ein anderes über uns herein , an das man nicht gedacht , welches aber viel größer und schwerer ist . Der Morgen nach einem Brande ist ein trauriger Morgen , da steht man an der Brandstätte und denkt ans Haus , wie es gewesen und was alles darin gewesen . Dann geht man auf die Brandstätte , sucht im rauchenden Schutte dieses , jenes ; das eine findet man nicht , von anderm Bruchstücke , die nicht zu brauchen sind ; dann will man traurig weg und kann doch nicht , und immer wieder zieht es einem zurück , zu suchen nach diesem , nach jenem , zu schauen , wie es jetzt ist , zu denken , wie es gewesen . Aber nicht viel weniger traurig ist der Morgen nach einem großen Hagelschlag , besonders für einen Pächter , der den verschiedenen Pflanzungen nachgeht , traurig die Stummel und Trümmer betrachtet und überschlägt : Soviel hätte mir dieses ertragen , soviel jenes , und jetzt nichts ; die Bäume betrachtet und denkt : So manches Jahr sind sie nun unfruchtbar , und viele sterben ; denken muß : Wo jetzt zu essen nehmen , was jetzt pflanzen , daß man im Herbst doch noch einen kleinen Ertrag hat , etwas für die allerhöchste Not , Das sind traurige Wanderungen , besonders wenn bei der Heimkunft der Pachtherr unter dem Dache steht und sagt : » Höre du , was ich sagen wollte , es wäre mir lieb , wenn du mir geben könntest , was du mir vom vorigen Jahre noch schuldig bist , es war diesen Morgen jemand bei mir und ich sollte Geld haben . « Besonders wenn man dazu noch angegriffen ist an Leib und Gemüt , alle Glieder schmerzen , die Beine so schwer sind , daß man glaubt , sie gingen knietief in der Erde , und die Seele so voll ist , daß man sich hinlegen , sterben möchte , der Mut zu allem fehlt . Vreneli munterte Uli auf , gab verständigen Rat , tröstete ihn über Joggelis Unverstand , daß der nichts zu bedeuten hätte , doch alles umsonst . Uli blieb zerschlagen in Gliedern und Gemüt . Nachmittags sagte ihm Vreneli , sie wollten zusammen die mit dem Gute nicht zusammenhängenden Äcker besuchen . Auf einem derselben , der durch einen Hügel vom Ganzen getrennt war , hatten sie eine sehr bedeutende Kartoffelpflanzung . Mit großer Mühe konnte Vreneli ihn dazu bewegen und bloß durch die Vorstellung , daß sie doch zusehen müßten , ob man noch irgend einen Ertrag erwarten könne oder neue setzen müsse . Wenn man gleich dran hingehe , so könne man bis im Spätherbst noch Erdäpfel erwarten , besonders von rasch wachsenden , schnell reifenden Sorten . In den nähern Äckern fanden sie die gleiche Verheerung , mit großer Not bewegte Vreneli den Mann , noch zu den Erdäpfeln zu gehen . Er möge nicht , sagte Uli , es seien ihm die Beine wie zusammengebunden . Vreneli gab nicht nach . Uli ging . Als sie auf der Höhe waren , sahen sie zu ihrer großen Verwunderung den ganzen Acker fast unversehrt . Je stärker ein Hagelschlag ist , desto schärfer ist er zumeist begrenzt . Auf der einen Seite eines Weges oder eines Zaunes sieht man alles zerschlagen , auf der andern keine Spur eines Hagelkorns . Fast laut auf hätte Vreneli gejauchzt . Es fühlte so recht die Freude über etwas , welches man verloren geglaubt und unversehrt wieder gefunden . Es nahm es als ein Pfand , daß alles besser kommen werde , als es den Anschein habe . » Nun freue dich , Uli , « sagte es ; » hat man Kartoffeln , so hat man alles , die Sache wird sich schon machen . « » Ja , wenn es mit dem Essen gemacht wäre , « sagte Uli . » Es wäre schier besser , es wäre alles im gleichen Loch , so wüßte man , woran man wäre ; was helfen Erdäpfel ? « Dem Mutlosen gilt alles nichts , dem Mutigen wenig viel . Am folgenden Tag fuhr ein Wägelchen an ; Vreneli stieß einen Schrei der Freude aus , Uli hob kaum den Kopf , denn ihm war noch schlimmer als am vorigen Tag . Auf dem Wägelchen saßen der Bodenbauer und seine Frau . Sie waren lange nicht dagewesen , hatten das Unglück vernommen , kamen nun selbst , zu sehen , wie es stehe und welche Hülfe die beste sei ; es waren wahre Freunde in der Not . Sie sahen mit innigem Mitleid die Verwüstung , wie ihnen seit langem keine vorgekommen , besonders erbarmten sie die armen Bäume , welche jahrelang