. » Es ist wahr , wir wollen uns vor Anton in Acht nehmen ! Franz hat mir ein Mal erzählt , wie es auch in andern Verhältnissen , unter den Bürgern zum Beispiel , solche Leute gebe , die am Schlimmsten auf Vorgesetzte schimpften und dagegen lärmten , nur damit man ihnen beistimme und sie Einen hernach anzeigen könnten ! Vorsicht ist nöthig , « mahnte ein anderer Arbeiter . Eben trat ein ältrer Arbeiter mit verstörtem Gesichte herein . » Gebt mir einen Schnaps , daß man sich den Jammer vertrinken kann - weiter giebt ' s ja doch keinen Trost auf der Welt für unser Einen ! « » Was hast Du denn , Berthold ? Du siehst ja ganz grimmig aus und wie zerschmettert obendrein ! « bestürmten ihn Einige fragend . » Bin ' s auch - bin auch grimmig und zerschmettert , da habt Ihr ganz Recht ! « » Nun und was hast Du denn ? « » Was ? Da habt Ihr gut fragen - mein Weib ist eine Leiche ! « » So schnell ? « » Hatte sie nicht Aussicht auf Mutterschaft ? « » Ich habe sie doch noch heute früh gesehen ? so fragte man ihn wieder . » Das war ' s , « sagte Berthold und schrie in schmerzlicher Wuth : » Sie hatte heute noch eine Arbeit in der Fabrik , wobei sie Schweres heben mußte , sie hat gesagt , das könne sie nicht - aber ein Aufseher meint , es sei Ziererei und sie muß - sie hat aber Recht gehabt - bis zum Feierabend schleppt sie sich noch so hin - wie sie zu Hause kommt , legt sie sich - und da ist sie nicht wieder aufgestanden - das Kind ist todt , weil ' s zu früh kam und es hat auch ein gräßliches Ende gehabt - « - « er stürzte den Branntwein hinter und trank seine bittern Thränen mit hinab , die in das Glas fielen . » Das ist Jammer ! « » Es ist schändlich ! « » Das ist doppelter Mord . « » Ein abscheuliches Verbrechen ! « » Das müßt Ihr auf Mord klagen ! « so hallten die Antworten der Arbeiter durch einander . » Donner und Teufel ! Davon werden Weib und Kind nicht wieder lebendig . Und denkt Ihr , daß die Unmenschen , die sie in den Tod brachten - Etwas auf ihren Tod geben werden ? Es ist weniger Bettelvolk auf der Welt , so sprechen sie - ihr habt nun weniger zu sorgen - es ist eine Wohlthat ! « rief Berthold . » Ja ! « sagte Wilhelm , der jetzt hervortrat , » die einmal todt sind , die stehen nicht wieder auf ! Aber wir , wir leben noch und das wollen wir ein Mal unsern Peinigern beweisen . Sie sollen vor der Lebenskraft erschrecken , die noch in unsern ausgehungerten Körpern wohnt ! - Verthold , wir wollen alle mit Deiner Frau zu Grabe gehen - und dann , wenn wir armes Volk einer armen Todten die letzte Ehre angethan haben - dann wollen wir hingehen und ein Mal ein deutliches Wort mit den reichen Lebenden reden ! « Ein allgemeines Geschrei und Gelärm erhob sich , man stimmte Wilhelm jauchzend bei und wechselte damit ab , ihm Recht zu geben , den Fabrikherrn , ihre ganzen Bedrücker , alle Reichen zu verfluchen , Berthold zu beklagen und mit Zerstörung aller Maschinen und der ganzen Fabrik zu drohen . Wilhelm und August mahnten zur Ruhe , warnten davor , den Plan laut werden zu lassen , und die Meisten folgten diesen Mahnungen . Während sich hier Entsetzliches vorbereitet , gab der Rittmeister von Waldow auf seinem Gut in nächster Nähe ein großes Fest . Es galt , die Rückkunft seines Sohnes Karl zu feiern , während Thalheim und Eduin noch anwesend waren . Die sämmtliche Gesellschaft des Kurortes war geladen und die Familie Hohenthal . Ein paar Tage waren seit Jaromirs und Elisabeths Verlobung vergangen und diese eben jetzt durch Karten und Zeitungen die große Neuigkeit des Tages geworden . Jaromir hatte gleich am Tage nach derselben wegen eines dringenden literarischen Geschäftes in die Residenz reisen müssen , und ward erst am Tage des Waldow ' schen Festes wieder zurück erwartet . So hatte er Elisabeth noch nicht wieder gesehen und so auch sein Wort nicht halten können , ihr sein Leben zu erzählen . - Als an jenem Morgen Aarens bei dem Grafen Hohenthal gewesen , hatte der unglückliche Bewerber , der so plötzlich aus seinem Himmel , den er eben mit sichern Schritten hatte betreten wollen , herabgeworfen worden war , sich nicht gleich in seine gewohnte Stellung wieder zurecht finden können und war kleinlich genug gewesen , dem Grafen Hohenthal Vorwürfe zu machen , daß er sein Wort um eines Szariny willen habe brechen können , an dem er allerdings schon oft das Talent kennen gelernt habe , Frauenherzen zu bethören , aber jetzt auch das neue : verständige Eltern zu betrügen . « Mit dieser Unart war er gegangen und hatte dadurch erreicht , was er am Allerwenigsten bezweckt hatte : sowohl der Graf als die Gräfin waren erfreut , den nicht Schwiegersohn nennen zu müssen , der im Stande war , wenn er sich gekränkt fühlte , sogar alle äußeren Formen so sehr zu verletzen . Den Auftritt mit Amalien hatte man zu verbergen gesucht , so gut es eben gehen wollte . Nur daß die getrennten Gatten sich unerwartet wiedergesehen , war der Familie Hohenthal und Treffurth bekannt geworden , die Sache war zu delicat , um weiter danach zu fragen - auch interessirte die Aristokratin sich wenig für dieses bürgerliche Paar , das sie nur in einem untergeordneten Verhältniß zu sich betrachtete . Amaliens Aeußerung über Jaromir hatte freilich für Aurelie und Pauline Manches zu denken gegeben - aber Beide hatten Zartgefühl genug , das Gehörte