Krone und Szepter gönne . « Es wurde Leonhard peinlich , länger das Geschwätz des Törichten anzuhören ; er fragte also , um abzubrechen , wo man wohl in der Stadt am besten einkehre , und der Plauderer sagte : » O ja nirgend anders , als im goldnen Rad-Brunnen . Da sind zwei alte , prächtige Leute , und ich bin auch viel da , und ein junger Freund , ein frommer , stiller Mann , der Braueigner Lamprecht . Wir bilden dort oft ein sehr geistreiches Konvivium . Im roten Roß ist es auch immer noch gut , aber viel teurer ; denn der Gasthof bleibt bisher noch der erste in der Stadt . Aber beim Rad-Brunnen wollen wir absteigen ; es ist ja auch sehr möglich , daß mein Freund Lamprecht Sie bei dieser Gelegenheit gleich bekehrt ; denn Sie sind doch gewiß noch ein Weltkind , das habe ich vorher wohl an Ihrem Lachen bemerkt . Und der Lamprecht hat eine außerordentliche Force im Bekehren ; ehe man sich ' s versieht , ist man fromm geworden . Es ist eine wahre Lust , wie es ihm von der Hand geht . Ja , ja , das wird einen rechten Spaß geben , wenn Sie so in sich schlagen und einen ganz neuen Menschen anziehen . Haben Sie ' s wohl schon mal probiert ? Es wird einem dabei ganz schnurrig zumute . Aber nachher die unendliche Seelenbefriedigung , und unserm Herrgott so viel näher zu rücken durch solche Protektion : das ist doch auch mitzunehmen . « So ging es wieder unermüdet fort , nachdem er diese neue Straße eingeschlagen hatte . Leonhard hörte wenig mehr hin und freute sich , als sie in das Tor hineinfuhren . Es war schon später Abend , und aus allen Fenstern schienen ihnen die goldenen Lichter entgegen , als sie durch die große Stadt und die herrlichen Gassen zwischen den hohen Häusern hinrollten . In diesen Augenblicken fühlte sich Leonhard sehr glücklich , sich als ein ganz Einsamer und Unbekannter in der Fremde zu befinden , sich seiner Jugend zu erinnern , und die damals empfangenen Eindrücke zu erneuern . Man hielt wirklich jetzt vor dem Rad-Brunnen , und die Diener kamen den Reisenden freundlich entgegen . » Ei ! Herr Franke , kommen Sie auch schon wieder ? « riefen sie , und begrüßten so mit Handschlag und Lachen den Törichten . Dieser dankte nur kurz und obenhin seinem Reisegefährten , um sich eifrig nach Lamprecht zu erkundigen . Man wies ihn nach einem entlegenen Stübchen , in welchem dieser Freund schon seiner harre , obgleich man geglaubt , der Reisende könne erst morgen kommen . Als Leonhard die freundlichen Wirtsleute begrüßt und sein Zimmer in Augenschein genommen hatte , trat er mit hoch klopfendem Herzen seine Wanderung durch die geliebte , ihm so bekannte und doch jetzt fremd gewordene Stadt an . Wie feierlich begrüßten ihn die hohen Kirchen , rätselhaft aus der dunkeln Nacht hervortretend . Er stieg die kleine Anhöhe bei Sebald hinauf , wo er auch ehemals so oft gestanden hatte , und sah wieder die erleuchteten Häuser gegenüber . Dann ging er nach der Lorenzkirche , stand bei dem künstlichen Brunnen still , und hörte andächtig dem Geplätscher und Plaudern seiner feinen Wasserstrahlen zu . Er kehrte um , ging die Straße hinauf , und unten an der einsamen , stillen Burg vorüber . Er freute sich , daß er selbst in der Nacht das Haus wiedererkannte , in welchem Albrecht Dürer gewohnt , so fleißig gearbeitet und so viele Schmerzen erlitten hatte . Er fühlte sich wunderbar gerührt , und jedes Wort Vorübergehender , im bekannten fränkischen Dialekt gesprochen , ging durch sein Herz . So kehrte er um , und zauderte noch den Gasthof zu betreten , um diese poetische Stimmung nicht zu vernichten . Wie glücklich , sagte er zu sich selbst , eine solche alte edle Stadt als seinen Geburtsort zu kennen , in ihr zu erwachsen und sich mit jedem Denkmal , jedem merkwürdigen Stein vertraut zu befreunden . Alles Große , Edle , Wunderliche gehört dem Eingebornen , er erlebt es täglich von neuem ; jeder Gedanke und jede Vorstellung wächst mit den früheren Jahrhunderten und ihren Begebenheiten zusammen ; jeder Vorsatz , jede Arbeit klingt wie ein nötiger , schöner Ton in das vollstimmige Konzert hinein , das immerfort musiziert , und so alles , was entsteht und sich neu erzeugt , in seine wohltätige Regel und ihren Wohlklang zart und mütterlich aufnimmt . Als er in den Gasthof trat , fand er nur wenige Menschen an der Tafel , eine stille Gesellschaft , die seine Gedanken und Gefühle nicht störte . In der Nacht schlief er gut in seinem ruhigen Zimmer , und erwachte erquickt und neu gestärkt mit der Frühe des Morgens . Es war Sonntag , und indem er die Glocken schlagen und läuten hörte , war es ihm so heimisch , so bang schaurig und so heiter und still sehnsüchtig , wie in der frühesten Kindheit . Er ließ diese Sabbatstille in seinem Herzen gewähren , und die Gestalten und Gefühle ruhig beseligt walten , die aus seinem Innern , wie aus unsichtbarer , lautloser , ferner Gegend , emporquollen und ihn anlächelten . - Wie sonderbar dünkte es ihm , daß gar viele hochbegabte Menschen einer Absonderung von den übrigen , einer Sekte und in dieser wieder der Redensarten , der willkürlichen Zeichen bedürften , um sich fromm zu fühlen . Welche Süßigkeit des Himmels entfaltet sich so oft , und verbreitet sich durch unser ganzes Innere , wenn wir den Engel nur gewähren lassen , der mit melodischem Flügelschlag den Teich anrührt , daß seine bewegten zitternden Wogen mit heilender und heiligender Gesundheit emporrauschen . Bei diesen Worten kam der alte Joseph und dessen Grillen über Sprache in seine Gedanken , und um nicht ganz sich in Träumerei zu versenken , ging er in das gemeinsame Zimmer , um