als ich Lord Membrocke desselben Weges Euch nacheilen sah . Ich kehrte daher schnell zu diesem warmen Zimmer zurück , hätte auch auf keinen Fall einen so langen Lehrgang ausgehalten , wie Ihr mit Lord Membrocke zurückgelegt . Maria hatte sich zu Anfange dieser Rede der Lady genähert . Während des Verlaufs ihrer Worte blieb sie stehen und blickte voll Erstaunen in die bitter lächelnden Züge der Marquise . Sie war sich eines gegen sie gerichteten bösen Willens so wenig gewärtig , daß sie im ersten Augenblicke zweifelte , ob sie recht höre ; als sie sich überzeugen mußte , ihr Zusammentreffen mit dem verhaßten Lord werde als ein verabredetes angesehen , und laut und mit Hohn als solches beleuchtet , fühlte sie sich empört . Ihr Antlitz ward von einer hohen Röthe überdeckt , ihre schlanke Gestalt hob sich zu einer edeln Majestät , und der ernst gebietende Glanz ihrer Augen setzte Richmond in Staunen . - Ich muß zwar annehmen , Mylady , daß Ihr so eben scherzen wolltet ; aber Ihr habt in Eurer guten Laune übersehen , daß Ihr einen Gegenstand wähltet , der selbst im Scherze das Gefühl einer Frau beleidigt , und ich bin beschämt , Euch an diesen Mißgriff erinnern zu müssen . Haltet zu Gnaden , stolzes Kind , rief die Marquise , hochroth von Zorn ; glaubt Ihr in mir einen so lehrbegierigen Schüler zu finden , wie in Lord Membrocke , so seid Ihr im Irrthum . Erlaubt , daß ich Euch auf diesen Mißgriff Eurerseits aufmerksam mache . Ihr aber , Lord Membrocke , seid kühl geworden in Euerm Ritteramte ; warum bekennt Ihr denn nicht den Zufall , dem wir Euer empfindsames Zusammentreffen zuschreiben sollen . Könnt Ihr nicht ? setzte sie lachend hinzu , da Membrocke mit einem zweideutigen Lächeln die Achseln zuckte . Wie dürfte mein Mund widersprechen , zischelte er , wo die schöne Lady Melville sich so bestimmt erklärt hat . Diese Worte wurden mit Willen halb leise gesprochen , wenn auch deutlich genug , um von den zunächst Stehenden verstanden zu werden , und das Gelächter , welches die Marquise ihnen nachschickte , vollendete das Beleidigende derselben . Aber schon erreichten sie nicht mehr das Ohr des unschuldigen Opfers dieser Bosheiten . Denn die alte Herzogin , auf alle ihre Gäste ein wachsames Auge habend , hatte die erhöhten Stimmen am Ende des Saales bemerkt , und , der schutzlosen Maria stets mütterlich gewogen , hatte sie schnell ihren Pagen gesandt , sie an ihre Seite zu rufen . Schon hatte das liebliche Mädchen , ihre Leiden vergessend , neben der alten Lady Platz genommen , ohne die Vollendung einer Beleidigung zu ahnen , die sie muthig von sich abgelehnt zu haben wähnte . Richmond war ihr gefolgt . Wie auch seine innere Empfindung über dies neue Zusammentreffen mit dem Lord sein mochte , dessen bekannter Karakter dem Rufe einer jeden Frau schaden mußte , die man in irgend einem Verhältnisse zu ihm denken konnte : jedenfalls hatte die Art , wie Lady Melville von der boshaften Marquise angegriffen ward , ihm empörend gedünkt . Wenn er sich seine Meinung auch vorbehalten zu müssen glaubte , wollte er doch nimmer dulden , daß man in seiner Gegenwart und in dem Hause seiner Verwandten ein junges schutzloses Wesen zu beleidigen wage . Der Achtung sich wohl bewußt , die man seinem Karakter zollte , widerlegte er durch die ehrfurchtvollste Höflichkeit gegen die eben Beschuldigte in den Augen der meisten Anwesenden das eben Gehörte . Er bediente sie selbst mit der liebenswürdigsten Galanterie bei dem Frühstück , und der anfängliche Zwang und die Absichtlichkeit , die er sich auferlegte , wichen bald dem Vergnügen , das Keinem in der Nähe Mariens fremd bleiben konnte . Ihr Geist besaß heute eine besondere Elastizität , und die Freude hatte zu vollständig in dem lebhaft erregten Herzen Raum gewonnen , um nicht bald über Alle dazwischen getretenen Eindrücke zu siegen . Diese Erschütterungen selbst trugen bei , sie noch lebhafter und anziehender erscheinen zu lassen , da sie ihr ganzes Wesen in Aufregung gebracht hatten . Ihre wundervollen klaren Augen wechselten mit einem fesselnden Ausdruck , und ihr leicht bewegtes Mienenspiel deutete schon , ehe noch Worte ihn bezeichneten , den Gegenstand ihrer Empfindungen an . Es war Richmond nicht möglich , die Augen von ihr zu wenden , obwol er sich einstweilen mehr noch ein Beobachter , als ein Bewunderer , dünkte . Und warum war denn meine liebe Maria so erzürnt , als ich sie zu mir rufen ließ ? frug jetzt die alte Lady , zärtlich Lady Melville anblickend . Unsanft berührt mitten in dem heiteren Gespräch mit Richmond , schien sie ihm fast zusammen zu schrecken , und schnell ernst und erröthend niederblickend , blieb sie die Antwort zu lange schuldig , um nicht dadurch aufzufallen . Ich war unhöflich , fuhr die alte Herzogin gütig fort , ich hätte Dich nicht stören sollen , da Du eben heiter warest ; aber das war nur die Neugierde der alten Frau , auch möchte ich nicht zugeben , daß Dir etwas zu Leide geschehe ; denn ohne Grund erzürnst Du Dich nicht . Innig küßte Maria ihre Hand . Das Gefühl dieses Schutzes sollte mich sanft lassen , unter welchen Umständen es sein möchte , aber ich habe viel mit meinem ungestümen Herzen zu kämpfen . - Die alte Herzogin ward so eben angeredet und drückte nur noch die Hand ihres Lieblinges zur begütigenden Antwort . Lady Melville wandte sich aber sogleich zu Richmond ; ihr Gesicht glühte , und ihre Augen standen in Thränen . O Mylord , rief sie , wie hasse ich in mir diese leicht veranlaßte Heftigkeit , und wie wenig vermag ich sie noch zu zügeln , trotz dem , daß ich ihrer so lebhaft mir bewußt bin . Wir sollen wohl nicht gleichgültig bleiben , wenn uns das Unnöthige aufgenöthigt wird , aber diese Selbstvertheidigung läßt stets einen Stachel