dieselbe , welche damals aus Irrtum in meiner Tasche blieb , mit diesem deinem Freiheitsschwindel angefüllt , während du mit meiner und mit meinem Gelde von dannen zogst . « Da nun die Brieftasche in einer Ecke des vordersten Blattes wirklich noch den Namen des ehemaligen Philhellenen führte , so konnte der Polizeikommissarius sie nicht verleugnen . Diese Entdeckung hatte die Wirkung auf ihn , daß er den Pflichtbegriff fahren ließ und sich den freundschaftlichen Empfindungen ganz hingab . Es verstand sich , daß er Hermann in seiner Häuslichkeit bewirten wollte , von deren Lobe er nun überströmte . Beide schüttelten einander herzlich die Hand und genossen die Freude des unverhofften Wiedersehens . » Was wird Fränzchen dazu sagen ! « rief er . » Und mein Junge ! Zwar der kann noch nichts sagen . « Er brachte ihn durch einen bedeckten Gang , welcher die Gefängnisse mit seiner Wohnung verband , nach dieser . Unterweges wurde er wieder still . » Bei allem dem bleibt es doch ein eignes Unglück « , sagte er niedergeschlagen , » daß ich mit der vielen Mühe , mit der Plage bei Tag und bei Nacht nichts andres ausgerichtet habe , als mir das Knie zu zerfallen , meinen besten Freund gefangenzunehmen und meine eigne Brieftasche wiederzufinden . « Siebentes Kapitel Fränzchen schrie laut , als Hermann vor sie trat . » Gebt euch nur einen Kuß « , sagte der Polizeikommissarius , » alte Liebe rostet nicht , daraus mache ich mir gar nichts , es bleibt in der Freundschaft . « Noch hatte Hermann den Weg zu ihren Lippen nicht vergessen ; errötend duldete sie , was sie an vergangne Zeiten erinnerte . Sie war still , und schien verlegen zu sein ; Hermann bemerkte , daß ihre Blicke vergleichend zwischen ihm und ihrem Manne hin und her wanderten . Ein Kindergeschrei ließ sich vernehmen . » Das ist Hermann , der Sassen Herzog « , sagte der Polizeikommissarius , » Mutter , bring den Jungen herein . « Sie brachte das Kind , einen starken , rotbäckigen Knaben , den Hermann ungeachtet des Zustandes , in welchem er sich eben befand , abküssen mußte . Hermann verbrachte einige Tage in dieser Häuslichkeit , welche der spärlichen Umstände wegen , worin beide Gatten lebten , die beschränkteste war . Der Diensteifer seines Freundes hatte eine eigne Verwicklung herbeigeführt . Gleich nach seiner Gefangennehmung war nämlich von diesem eine Stafette mit der Meldung von dem Geschehenen gen * abgesendet worden , welcher er zwar , als er den Zusammenhang der Dinge in Erfahrung gebracht hatte , einen zweiten reitenden Boten mit einer Berichtigung der früheren Anzeige nachschickte , jedoch ohne den gewünschten Erfolg . Er empfing nämlich einen Verweis , daß er sich herausnehme , in dieser Angelegenheit selbst urteilen zu wollen ; man finde dies unangemessen und habe er den Gefangenen schleunigst abliefern zu lassen . Diese Hiobspost kündigte er seinem Freunde mit bestürzter Miene an . Fränzchen weinte . Hermann tröstete sie beide , sprach von seinen Bekanntschaften in der Residenz , die ihm bald aus der Verlegenheit helfen würden , und sagte , daß wenn man auch in diesem Punkte dort strenge Grundsätze hege , die Unschuld doch etwas Siegreiches habe , was die Richter sofort zu seinen Gunsten stimmen werde . Im Grunde war er froh , als der Wagen vorfuhr , die beiden bekannten Gendarmen zu den Seiten aufritten , und dergestalt einigen beklommen-langweiligen Tagen ein Ziel gesetzt ward . Die ersten Gespräche mit seinem Freunde hatten ihn überzeugt , daß alle Berührungspunkte zwischen ihnen verlorengegangen waren . Der Polizeikommissarius bezog jetzt alles im strengsten Sinne auf den Dienst oder die Hausvaterschaft . So hatte Hermann einmal lange mit Geist und Suada von den streitenden Bestandteilen des Staats gesprochen , aufmerksam , wie es ihm schien , angehört von dem Freunde . Als er aber geschlossen hatte , rief dieser aus : » Du hast ganz recht ; es wird nicht eher besser bei uns , als bis wir wissen , wie weit die Polizei gehen darf und wie weit die Justiz . « Die Pflichten des Hausvaters übte er wirklich in vollem Maße . Nicht genug , daß er bei der Wartung des Kindes in den unangenehmsten Vorkommenheiten mit zur Hand ging , er grub im Garten und beschickte die Küche , wo es irgend not tat ; ja Hermann hatte ihn eines Morgens im Ställchen die Ziege melken sehen , welche diesem Haushalte die tägliche Milch gab . Oft geriet der Gast durch die Art und Weise in Verlegenheit , mit welcher der Wirt sein früheres Verhältnis zu Fränzchen zum Gegenstande der Unterhaltung machte . Er war unerschöpflich in Anspielungen und Scherzreden , welche nicht immer die feinste Wendung nahmen . Umsonst versuchte Hermann abzulenken ; endlich verbat er sich geradezu dergleichen . Worauf der Polizeikommissarius entgegnete : » Du bleibst , wie du warst , nicht für das Praktische , nicht für das wirkliche Leben . « Am meisten hatte Hermann in der Seele der jungen Frau gelitten , welcher , ungeachtet ihres Fehltritts und ihrer jetzigen Dürftigkeit , immer noch die feine anständige Manier geblieben war , durch welche Hermann sich ehedem so sehr angezogen gefühlt hatte . Er stieg , ohne Abschied von ihr zu nehmen , in den Wagen . Was hätte er ihr sagen sollen ? » Dahin wäre ich denn auch gediehen « , sprach er zu sich selber , » wenn ich den sogenannten vernünftigen Weg im Leben eingeschlagen hätte . Vielleicht in größeren Zimmern wohnend , und die Ziege nicht melkend , wäre ich denn doch vielleicht im Grunde schon ebenso ein Philister geworden , Welt , Zeit und den Pulsschlag der Geschichte nicht mehr vernehmend , die Neigung unsrer niedern Natur zu schläfriger Bequemlichkeit in das lügenhafte Gewand erhabner Pflicht kleidend . Ehe ! - wie rauschen die Redensarten , wenn das Wort ausgesprochen wird . Das Sakrament der Ehe ! Die Heiligkeit der Ehe